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Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis)

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursacht sehr starke Schmerzen im oberen Bereich des Bauchs (unterhalb der Rippen). Auslöser sind meist Gallensteine oder hoher Alkoholkonsum.

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Was ist eine akute Pankreatitis?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt etwas unterhalb des Magens quer im Oberbauch. Sie produziert spezifische Verdauungsenzyme (Proteine). Diese gelangen über einen Ausführungsgang, dessen unterer Teil sich mit dem Gallengang vereint, in den Zwölffingerdarm. Die Pankreasenzyme haben eine zentrale Rolle bei der Verdauung, der Aufspaltung der Nahrungsbestandteile im Darm. Darüber hinaus ist die Bauchspeicheldrüse auch für die Produktion von Insulin verantwortlich, das die Aufnahme von Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen reguliert.

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) verursacht sehr starke Schmerzen im oberen Bereich des Bauchs. Wegen der entzündlichen Veränderungen der Pankreaszellen steigen die Pankreasenzyme im Blut und im Urin deutlich an. In der Bildgebung ist meist eine Schwellung des Organs zu erkennen oder in schweren Fällen ein Gewebeuntergang (Nekrose) oder Blutungen. Die Erkrankung kann einmalig auftreten oder immer wiederkehren (rezidivieren). Verschiedene Ursachen können dieser Erkrankung zugrunde liegen und sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Häufigkeit

Die Angaben zur Häufigkeit variieren zwischen 5 und 73 Erkrankungen pro 100.000 Einw. jährlich. Diese Zahlen sind u. a. deshalb so unterschiedlich, weil in vielen Studien verschiedene Diagnosekriterien verwendet wurden und die Häufigkeit der Krankheit auch je nach Region sehr schwanken kann. Grundsätzlich scheint die Erkrankungshäufigkeit eher zuzunehmen. In 80–85 % der Fälle verläuft die Erkrankung leicht bis mittelschwer; in 15–20 % verläuft sie schwer und geht mit einer erhöhten Sterblichkeit einher.

Ursachen

Risikofaktoren

Zu den Hauptursachen der akuten Pankreatitis zählen Gallenwegserkrankungen (50–60 %) und Alkoholmissbrauch (30–40 %). Das Risiko für eine Pankreatitis ist besonders bei kleinen Gallensteinen erhöht und steigt bei Alkohol in Bezug zur konsumierten Menge. Auch Rauchen wird zunehmend als wichtiger ursächlicher Faktor betrachtet. Zu den eher seltenen Ursachen zählen Hypertriglyzeridämie, eine vorangegangene endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ECRP), schwere Verletzungen oder chirurgische Eingriffe am Bauch, die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Thiamazol/Carbimazol, Azathioprin, Valprinsäure, Furosemid u. a.), Hyperkalzämie (durch Hyperparathyreoidismus, exzessive Vitamin-D-Therapie oder totale Ernährung über Injektionen/Infusionen unter Umgehung der Darmresorption), Infektionen, Autoimmunerkrankungen (systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom), gutartige und bösartige Pankreastumoren, mangelnde Blutversorgung des Organs, anatomische Varianten und auch erbliche Faktoren. Manchmal lässt sich keine Ursache finden, dann spricht man von einer idiopathischen Pankreatitis.

Auslöser

Die akute Pankreatitis wird durch die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse selbst ausgelöst: Normalerweise werden diese direkt durch den Pankreasgang abgeleitet. Falls die Enzyme aber in der Bauchspeicheldrüse freigesetzt werden, zerstören sie das Gewebe und die nähere Umgebung. Das Ausmaß der Entzündungsreaktion variiert von einer leichten Schwellung bis hin zu Blutungen aus einem geschädigten Blutgefäß sowie dem Zerfall des Gewebes von Bauchspeicheldrüse und umliegenden Strukturen. Dabei kann die gesamte Bauchspeicheldrüse oder nur ein Teil betroffen sein. Infolge dieses Prozesses kann es zu lokalen oder auch ausgedehnten Komplikationen kommen: Es können sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Pankreaspseudozysten) oder Eiteransammlungen (Abszesse) bilden. Die Blutgefäße können an manchen Stellen ausbuchten (Pseudoaneurysmen). Bei einer schweren akuten Pankreatitis kann das Versagen mehrerer Organe (darunter Lunge, Herz und Nieren, sogenanntes multiples Organversagen) zum Tod führen.

Symptome und Beschwerdebilder

Von leichten bis hin zu schweren Krankheitsverläufen mit lebensbedrohlichen Komplikationen sind verschiedene Varianten möglich.

Meist beginnt die Pankreatitis mit einer 1- bis 2-wöchigen Phase mit verringerter Pankreasfunktion oder auch Funktionseinschränkungen anderer Organe. Die erste Phase kann entweder abheilen oder bei mittelschweren und schweren Verläufen in eine zweite Krankheitsphase übergehen. Bei diesen Betroffenen schreitet die Gewebezerstörung weiter voran und auch die anderen Organe entzünden oder infizieren sich zunehmend. Ein solcher Krankheitsverlauf kann mehrere Wochen bis Monate anhalten.

Charakteristisch für die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist der plötzliche Krankheitsbeginn mit konstanten mäßigen bis sehr starken Schmerzen im Bereich des Oberbauchs, häufig nach einer üppigen Mahlzeit oder Alkoholkonsum. Die Schmerzen lassen nach, wenn die  Betroffenen sitzen oder sich nach vorne beugen. In 50 % der Fälle strahlen die Schmerzen in den Rücken aus (gürtelförmige Schmerzausstrahlung). Zu den weiteren typischen Symptomen zählen Völlegefühl, Blähung, Übelkeit und Erbrechen.

Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung zeigen Betroffene einen druckempfindlichen Bauch und eine mäßige Spannung der Bauchdecke. Der Abdomen wird als prallelastisch oder als „Gummibauch" beschrieben. Bei einer Auskultation mit dem Stethoskop sind die Darmgeräusche vermindert. Weiterhin können Fieber, Herzrasen, schnelle Atmung, niedriger Blutdruck und Unruhe vorliegen. Evtl. sind die Skleren (weiße Augenhaut) oder die Haut gelb gefärbt (Ikterus). Die typischen Hautzeichen mit lividen Verfärbungen um den Bauchnabel oder in der Flankenregion (Cullen-Zeichen oder Grey-Turner-Zeichen) sind selten und prognostisch ungünstig.

Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt die stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Die Ergebnisse verschiedener Blutuntersuchungen, insbesondere die Werte der Pankreasenzyme Lipase und Amylase sowie allgemeine Entzündungswerte, können den Verdacht erhärten. Darüber hinaus werden weitere Blutparameter bestimmt und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs durchgeführt. Es wurde zudem ein Verfahren entwickelt, bei dem das Pankreas mittels einer Ultraschallsonde durch den Magen hindurch von innen beurteilt werden kann (Endosonografie).

Sind die Befunde nicht klar, wird in manchen Fällen eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel empfohlen. Bei Patient*innen mit Nierenerkrankungen oder Kontrastmittelallergie kann die MRT oder MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie) eine Alternative sein.

Die ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie) hat für die Diagnosestellung einer akuten Pankreatitis keine Bedeutung, sondern wird nahezu ausschließlich therapeutisch eingesetzt, um Abflusshindernisse, wie z. B. Gallensteine, zu entfernen.

Therapie

Die Therapie bei einer akuten Pankreatitis umfasst in erster Linie eine reichliche Flüssigkeitszufuhr und die Behandlung von Schmerzen. Außerdem wird die Kreislauffunktion fortlaufend überprüft, die Nahrungszufuhr kontrolliert und Betroffene rund um die Uhr überwacht, um bei möglichen Komplikationen umgehend handeln zu können. Die Behandlungsmaßnahmen zielen darauf ab, die Patient*innen durch die akute Phase zu bringen und die auslösende Ursache zu beseitigen. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann eine Betreuung auf der Intensivstation notwendig werden.

Eine leichte Pankreatitis heilt normalerweise von allein aus. In diesem Fall besteht die Therapie in erster Linie aus Bettruhe und einer intravenösen Flüssigkeit über mehrere Tage. Bei schweren Verläufen kann eine Sondenernährung indiziert sein. Antibiotika werden verschrieben, wenn der Verdacht auf eine Infektion vorliegt.

In einigen Fällen kann auch eine ERCP oder eine Operation erforderlich sein, um vorhandene Gallensteine zu entfernen. Im Rahmen der ERCP kann die Öffnung des Gallengangs etwas geweitet werden, sodass die Gallensteine, die den Gallen- und Pankreasgang blockieren, in den Darm gelangen und über diesen ausgeschieden werden.

Prävention

Sofern Alkohol die Entzündung mitverursacht hat, sollten Sie umgehend den Alkoholkonsum einstellen. Beim Vorliegen von hohen Blutfettwerten (gemeint sind hohe Triglyzeridwerte) ist die Lebensstiländerung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um eine erneute Pankreatitis zu verhindern.

Es wird eine Gewichtsabnahme, eine fettarme Ernährung, Alkoholabstinenz und die Behandlung von weiteren Risikofaktoren, wie z. B. Diabetes, empfohlen. Fibrate gelten bei Betroffenen als Medikamente der ersten Wahl.

Prognose und Verlauf

Eine akute Pankreatitis ist sowohl als einmaliges Ereignis als auch als wiederholte Erkrankung möglich. Rückfälle treten vor allem bei Alkoholmissbrauch auf, seltener nach der Sanierung von Gallenwegen. Ein Viertel bis ein Drittel der Patient*innen entwickeln eine chronische Pankreatitis.

Rund 80 % der Patient*innen werden wieder gesund. In einigen Fällen jedoch sind die Organschäden so schwer, dass der Zustand lebensbedrohliche Ausmaße annimmt. 20 % der Betroffenen erleben einen schweren Verlauf, und 10–30 % dieser Patient*innen sterben an der Erkrankung. Bei einer leichten Pankreatitis liegt die Sterblichkeit bei 1 %.

Zu den möglichen Komplikationen zählen eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis), eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, eine bakterielle Infektion, Abszesse oder Pseudozysten, ein Pankreaskarzinom oder das Versagen anderer Organe.

Nach milder Pankreatitis mit Abheilung bei beschwerdefreien Patient*innen sind keine weiteren Kontrollen notwendig. Nach schwerer Pankreatitis sollte der Ernährungszustand und die Pankreasfunktion im Verlauf ärztlich beurteilt werden.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen