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Amöbenruhr

Die Amöbenruhr ist eine Infektion des Dickdarms, die durch eine Amöbe (Entamoeba histolytica) ausgelöst wird.

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Was ist die Amöbenruhr?

Es handelt sich um eine Infektion des Darmes, die durch die Amöbe (Entamoeba histolytica) ausgelöst wird. Eine Amöbe ist ein einzelliger Organismus (Protozoon). Diese Darmprotozoen gibt es in zwei Formen: als bewegliche Trophozoiten (Parasiten, die von Darmbakterien und Darmgewebe leben) und als eingekapselte Zystenform (ansteckende Form, die im sauren Milieu des Magens überleben kann).

Definition

  • Die Krankheit beschreibt eine Infektion durch die Amöbe E. histolytica.
    • Meist ist der Dickdarm betroffen.
  • Die Amöbenruhr betrifft den Darm und führt zu „himbeergeleeartigen" Stühlen und einer schmerzhaften Stuhlentleerung.
  • Der Amöbensabszess in der Leber ist seltener und führt zu Schmerzen und Druckgefühl im rechten Oberbauch, evtl. auch Fieber.
    • Kann auch ohne vorherige Amöbenruhr auftreten.

Symptome

  • Es können Tage bis Monate nach Infektion vergehen, bevor die ersten Symptome auftreten.
  • Zu Beginn häufig Bauchschmerzen und Durchfall
    • breiiger Stuhl mit Blut- oder Schleim
  • Es sind milde oder schwere Verläufe möglich.
    • Schwere Verläufe gehen mit starken Bauchschmerzen und Fieber einher.
  • Auch Blutstuhl ohne Durchfall ist möglich.
    • vor allem bei Kindern
  • Bei Leberabszessen häufig keine Darmsymptome. Eine Leberinfektion kann zu verschiedenen Symptomen führen:
    • Gelbsucht
    • Druckempfindlichkeit des Bauches
    • vergrößerte Leber.

Ursachen

  • Menschen infizieren sich in der Regel durch die Aufnahme kontaminierter Lebensmittel (vor allem ungeschältes Obst und rohes Gemüse) oder Wasser, das durch menschliche Fäkalien verunreinigt ist.
  • Erkrankungsrisiko
    • 90 % der Betroffenen entwickeln trotz Infektion keine Symptome. Die Infektion heilt von selber aus.
    • 10 % der Betroffenen entwickeln die Symptome einer Amöbenruhr.
    • Bei weniger als 1 % der Betroffenen kommt es zu Leberabszessen.
    • Die Infektion kann auch die Lunge, das Gehirn oder andere Organe betreffen.
  • Faktoren, die die Erkrankung begünstigen:
    • schlechte hygienische Bedingungen
    • Reisen in tropische und subtropische Länder
    • Alkoholabhängigkeit
    • Mangel-/Unterernährung
    • Schwangere, Kleinkinder und Patient*innen, die Kortikosteroide oder Immunsuppressiva einnehmen (haben häufiger schwere Verläufe).
    • Anal-orale Sexualpraktiken können zur Übertragung führen.

Häufigkeit

  • Infektionen mit Entamoeba histolytica kommen weltweit vor, treten aber am häufigsten in tropischen und subtropischen Regionen auf und in Ländern mit schlechten Hygienestandards.
  • Es wird davon ausgegangen, dass weltweit etwa 500 Millionen Menschen infiziert sind.
  • Insgesamt kommt es jährlich zu 50 Millionen Neuerkrankungen; 40.000–100.000 dieser Krankheitsfälle verlaufen tödlich.
  • Amöbenabszesse treten hauptsächlich (90 %) bei Männern in der Altersgruppe 20–40 Jahre auf.

Untersuchungen

  • Eine Sicherung der Diagnose einer Amöbenruhr ist über folgende Methoden möglich:
    • mikroskopischer Erregernachweis im Stuhl oder in Gewebeproben aus dem Darm
    • Nachweis von spezifischen Proteinbestandteilen (Amöben-Antigenen) des Erregers im Stuhl
    • Nachweis von Amöben-DNA aus Stuhlproben oder aus Gewebeproben des Darmes.
  • Um den Schweregrad der Erkrankung einzuschätzen, wird die Körpertemperatur gemessen und Blut entnommen zu Bestimmung von:
    • Entzündungsparametern
    • Elektrolyten und Nierenparametern
    • Blutbild
    • Leberenzymen.
  • Eine Stuhlkultur kann andere bakterielle Durchfallerkrankungen ausschließen.
  • Zum Ausschluss eines Leberabszesses wird eine Ultraschalluntersuchung empfohlen.
    • Bei unauffälligem Befund und hochgradigem Verdacht auf Leberabszess kann eine CT oder MRT erfolgen.

Behandlung

  • Ziel der Behandlung ist es, die Amöben abzutöten.
  • Es erfolgt eine Antibiotikabehandlung mit Metronidzol.
  • Da Metronidazol nicht ausreichend im Darm wirkt, wird gleichzeitig oder anschließend eine Behandlung mit dem Antibiotikum Paramomycin empfohlen.
  • Bei einer Infektion ohne Symptome erfolgt eine Behandlung mit Paramomycin.
  • Wenn trotz laufender Therapie keine Fiebersenkung erreicht wird und sich der Allgemeinzustand weiter verschlechtert, kann eine Abszesspunktion mit Untersuchung des Punktats erwogen werden.

Was können Sie selbst tun?

  • Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.
  • Sorgfältige Hygiene, um eine weitere Übertragung zu vermeiden.

Vorbeugung

  • Vorbeugende Maßnahmen bei Auslandsreisen in Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen:
    • Nur in Flaschen abgefülltes Wasser verwenden.
    • Ungekochtes Gemüse, Salat, Eis und Obst, das sich nicht schälen lässt, meiden.
    • Hühnerfleisch, Hamburger, Hackbraten u. Ä. sowie Fisch und Meeresfrüchte sollten gut durchgebraten oder gekocht sein.
    • Andere Fleischprodukte sollten an der Oberfläche gut gebraten werden.
    • Nichtpasteurisierte Milch vermeiden.
    • Hände waschen nach dem Toilettenbesuch und vor Zubereitung von Speisen.
    • Messer, Schneidbretter und Küchenutensilien, die durch Lebensmittel kontaminiert sein könnten, gründlich abwaschen.
  • Bei allen Personen in der näheren Umgebung einer infizierten Person (Mitglieder des Haushalts, Angehörige, Sexualpartner*innen) sollte eine Stuhluntersuchung erfolgen.

Prognose

  • Die Infektion verläuft häufig ohne Symptome. In der Regel besteht kein Fieber.
  • Es kann zu einer schweren Amöbenruhr mit Fieber, Erbrechen, diffusen Schmerzen und vergrößerter Leber kommen.
  • Wird frühzeitig mit einer antibiotischen Therapie begonnen, ist die Prognose gut, es besteht jedoch die Gefahr einer erneuten Infektion.
  • Die Sterblichkeit bei unbehandelter Amöbenruhr und bei Leberabszess ist hoch.
    • Bei entsprechender Behandlung liegt die Sterblichkeit bei unter 2 %.

Tätigkeitsverbot

Bei nachgewiesener Infektion mit E. histolytica dürfen Personen, die in den nachfolgenden Bereichen tätig sind, nicht zur Arbeit gehen:

  • In der Lebensmittelbranche, einschließlich Gastronomie, etc., bei direktem oder indirektem Kontakt mit Lebensmitteln, die roh oder ohne weiteres Aufwärmen verzehrt werden.
  • In Gesundheitsinstitutionen, in denen die Beschäftigten direkten Kontakt mit Patient*innen (inkl. Essenausgabe) haben, die besonders anfällig für Infektionskrankheiten sind oder bei denen Infektionen besonders schwere Konsequenzen haben können (z. B. frühgeborene Säuglinge, Patient*innen auf der Intensivstation u. Ä.).

Für Personal in Gemeinschaftseinrichtungen gilt:

  • Beschäftigte in Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten etc., die an einer ansteckenden Durchfallerkrankung erkrankt sind, dürfen „keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstige Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit oder der Verlausung durch sie nicht mehr zu befürchten ist."
  • Dies gilt ebenfalls „für die in der Gemeinschaftseinrichtung Betreuten mit der Maßgabe, dass sie die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen dürfen" sowie „für Kinder, die das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und an infektiöser Magen-Darm-Erkrankung erkrankt oder dessen verdächtig sind."

Weitere Informationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin