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Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Den ersten Abschnitt des Dickdarms bezeichnet man als Blinddarm. Hier befindet sich eine kleine, blind endende Ausstülpung, der Wurmfortsatz (die Appendix) des Blinddarms. Die Appendix liegt in der Regel in der rechten unteren Bauchregion; eine Entzündung ist meist sehr schmerzhaft.

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Was ist eine akute Blinddarmentzündung?

Bei der akuten Appendizitis handelt es sich um eine plötzlich auftretende Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix) des Blinddarms. Früh im Verlauf zeigen sich meist Schmerzen im Bereich des Bauchnabels. Typischerweise verlagern sich die Schmerzen innerhalb von 12 Stunden in den rechten Unterbauch. Übliche Symptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Häufig tritt leichtes Fieber in Höhe von etwa 38 ºC auf.

Je nach Patientenalter und genauer Lage der Appendix in der Bauchhöhle können die Symptome einer akuten Blinddarmentzündung jedoch stark variieren. Bei älteren Patient*innen oder auch sehr kleinen Kindern sind die Beschwerden häufig weniger ausgeprägt und eher diffus, bei einer Schwangerschaft können die Schmerzen aufgrund einer Verschiebung des Blinddarms an anderer Stelle auftreten.

Die Blinddarmentzündung ist in Deutschland eine der häufigsten Ursachen für einen Krankenhausaufenthalt. Ein Drittel aller Blinddarmoperationen wird bei Kindern und Jugendlichen (5–19 Jahre) vorgenommen. Bezieht man auch die jungen Erwachsenen (bis 29 Jahre) ein, so entfallen auf diese Bevölkerungsgruppe 56 % aller Blinddarmentfernungen. Über das ganze Leben liegt die Wahrscheinlichkeit einer akuten Appendizitis bei 6,7 % für Frauen und 8,6 % für Männer.

Ursachen

Der Blinddarm ist eine blind endende Ausstülpung am Anfang des Dickdarms und liegt in der Regel in der rechten unteren Bauchregion. Die Appendix gilt als Reservoir für Darmbakterien, z. B. zur Wiederbesiedelung nach einer Antibiotikaeinnahme oder Darminfektion, sowie als Ursprung von Stammzellen im Dickdarm.

Man geht davon aus, dass eine Blinddarmentzündung entsteht, wenn der enge Eingang zum Wurmfortsatz verstopft ist. Häufig geschieht dies durch Kotreste oder Fremdkörper. Im Wurmfortsatz befindlicher Schleim wird nicht abgeführt, was einen Druckanstieg bewirkt. Dies kann die Blutzufuhr zum Wurmfortsatz herabsetzen, sodass Bakterien ideale Bedingungen für eine Infektion vorfinden.

Möglicherweise haben Personen, die ballaststoffarme Nahrung zu sich nehmen, ein erhöhtes Risiko.

Diagnostik

Häufig weisen Patient*innen eine typische Krankengeschichte (Anamnese) auf. Durch die ärztliche Untersuchung von Bauch und Enddarm kann häufig bereits entschieden werden, ob eine stationäre Aufnahme erforderlich ist. Es gibt verschiedene spezielle Methoden, mit denen Ärzt*innen die oft typischen Schmerzpunkte eingrenzen können. Sind die Symptome klar, lässt sich die Diagnose nach der körperlichen Untersuchung mit hoher Wahrscheinlichkeit stellen. Ist dies aber nicht der Fall, können zur Diagnosesicherung Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt werden sowie bei Bedarf auch eine Ultraschall-, MRT- oder CT-Untersuchung.

Ist nach der Untersuchung nicht sicher, ob eine Appendizitis vorliegt, werden die Patient*innen meist vorübergehend im Krankenhaus beobachtet. In anderen Fällen wird je nach Schwere der Symptome möglicherweise entschieden, eine Operation durchzuführen, um beurteilen zu können, ob der Wurmfortsatz entfernt werden muss.

Ein Blinddarmdurchbruch ist ein Notfall!

Unbehandelt kommt es nach 1–2 Tagen zu einem Blinddarmdurchbruch, d. h., der Wurmfortsatz platzt. Dabei kann der Inhalt des Darms samt Bakterien in die Bauchhöhle gelangen. Dies ist ein Notfall, der umgehend behandelt werden muss!

Die starken Bauchschmerzen können zunächst schlagartig nachlassen. Nach einigen Minuten bis Stunden verschlechtert sich der Zustand der Patient*innen jedoch zusehends. Typische Symptome sind steigendes Fieber und massive, anhaltende Schmerzen. Außerdem kann es in der Nähe des Blinddarms zur Bildung von Eiter (Abszess) kommen.

Therapie

Ohne Therapie kann es innerhalb von 48 Stunden zum Absterben und/oder zum Durchbruch der Appendix kommen. Daher wird der Wurmfortsatz möglichst innerhalb von 24 Stunden chirurgisch entfernt, entweder durch eine herkömmliche Operation oder durch eine operative Bauchspiegelung (laparoskopischer chirurgischer Eingriff). Der laparoskopische Eingriff ist heutzutage die bevorzugte Methode.

Eine Therapie mit Antibiotika kann in verschiedenen Situationen zum Einsatz kommen: Liegt eine eitrige Entzündung oder ein Durchbruch der Appendix vor, werden Antibiotika eingesetzt. Antibiotika vor einer Operation reduzieren die Häufigkeit späterer Wundinfektionen. Unkomplizierte Fälle können zunächst auch nur mit Antibiotika behandelt werden. Eine Operation kommt dann erst bei erfolgloser Therapie zum Einsatz.

Prognose

Eine unkomplizierte Blinddarmentzündung verläuft in der Regel ohne größere Probleme. Ein Blinddarmdurchbruch birgt ein höheres Risiko, dass nach der Operation Komplikationen auftreten. Eine prophylaktische Antibiotikagabe vor der Operation reduziert das Risiko, dass sich die Operationswunde infiziert. Wiederholte Blinddarmentzündungen sind sehr selten.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien