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Divertikelkrankheit (Divertikulose, Divertikulitis)

Divertikel sind kleine Schleimhautausstülpungen im Dickdarm, die mit zunehmendem Alter häufiger vorkommen. Meist verursachen Divertikel keine Beschwerden, können sich aber entzünden. Eine solche Divertikulitis geht mit deutlichen Symptomen einher, lässt sich aber in der Regel erfolgreich behandeln.

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Was ist eine Divertikelkrankheit?

Divertikel sind kleine Ausbuchtungen der Schleimhaut des Dickdarms; dabei wölbt sich die Schleimhaut an manchen Stellen nach außen durch die Muskelschicht der Darmwand hervor. Bei einigen Personen mit Divertikelkrankheit liegen nur wenige Divertikel vor, meist sind es jedoch sehr viele kleine Ausstülpungen. In den meisten Fällen werden die Divertikel im absteigenden Teil des Dickdarms auf der linken Seite oder im letzten Abschnitt vor dem Enddarm (im Sigma) nachgewiesen. In der Regel haben die Betroffenen keine Beschwerden, möglich sind aber Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme. Wenn eine Entzündung im Gewebe rund um ein Divertikel vorliegt (Divertikulitis), sind heftigere Beschwerden die Folge, meist auch mit Fieber.

Häufigkeit

Das höchste Vorkommen gibt es in den USA, Europa und Australien; bei Menschen, die in Afrika und Asien in ländlichen Gegenden wohnen, sind Divertikel seltener.

Während in westlichen Industrieländern etwa 28–45 % der Gesamtbevölkerung Divertikel aufweisen, sind etwa 60 % der Personen über 70 Jahre betroffen.

Symptome

Meist verursachen Divertikel keine Symptome oder Beschwerden. Dann spricht man von einer Divertikulose. Treten Beschwerden auf, bezeichnen Ärzt*innen dies als Divertikelkrankheit. Symptome sind Stuhlveränderungen – meist Verstopfung, Blähungen und wiederkehrende Schmerzen im linken Unterbauch, die sich bei vielen Betroffenen durch eine Darmentleerung bessern. Durchfall kommt selten vor. Etwa 4,3 % der Personen mit Divertikeln entwickeln im Verlauf von 10 Jahren eine Divertikulitis; dann treten Fieber, andauernde Bauchschmerzen meist auf der linken Seite, Blähungen, Übelkeit und evtl. blutiger Stuhlgang auf. In schweren Fällen kann es zu starken Schmerzen, Erbrechen und ausgedehnten Infektionen oder Abszessen im Darm kommen, mögliche seltene Folgen sind ein Riss der Darmwand (Perforation) mit großflächiger Infektion des Bauchfells (Peritonitis) oder ein Darmverschluss. Hierbei handelt es sich um schwere Komplikationen, die in der Regel eine Notfalloperation erfordern.

  • Divertikulose = Divertikel ohne Symptome
  • Divertikelerkrankung = Divertikel mit Symptomen
  • Divertikulitis = entzündete Divertikel

Grundsätzlich kann es bei Divertikelkrankheit zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Akute Entzündung, Divertikulitis: Hier sind Blutungen, Ausbildung von Fisteln oder ein Abszess möglich. Reißt die Darmwand wegen der Entzündung ein, kann Darminhalt durch die Darmwand gelangen und damit eine Infektion des Bauchfells (Peritonitis) verursachen. Eine weitere Gefahr ist eine Blockade der Darmpassage. In seltenen Fällen entwickelt sich im Gefolge der Infektion eine Blutvergiftung (Sepsis).
  • Blutung im unteren Darmabschnitt: Divertikel sind die häufigste Ursache für behandlungsbedürftige Blutungen im unteren Darmtrakt.
  • Fistelbildung: Dabei entsteht eine Öffnung bzw. Verbindung zwischen Darm und Haut, zwischen Darm und anderen Organen oder zwischen zwei verschiedenen Darmabschnitten. Dies muss operiert werden.
  • Verengungen/Stenosen im Dickdarm können aufgrund von Entzündungen vorkommen.

Ursachen

Die Grundlage für eine Divertikulose ist wahrscheinlich das Zusammenspiel von mehreren Faktoren, wie eine Störung der Darmbewegungen (Peristaltik), eine zunehmende Schwäche des Gewebes der Darmwand, eine ballaststoffarme Ernährung und auch erbliche Neigung.

  • Bei Patient*innen mit einem Reizdarm ist möglicherweise die Wahrscheinlichkeit größer, Divertikel zu bekommen. Hierfür gibt es jedoch keine beweiskräftigen Daten. Die Beschwerden bei Reizdarm und Divertikelkrankheit sind jedoch recht ähnlich.
  • Ballaststoffarme Ernährung gilt als Risikofaktor. Bei Vegetarier*innen und Menschen mit ballaststoffreichen Ernährungsgewohnheiten tritt die Divertikulose seltener auf.
  • Hohes Alter: Die Häufigkeit der Divertikulose steigt mit dem Alter an.
  • Weitere Risikofaktoren sind wenig körperliche Bewegung im Alltag sowie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure und NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika, z. B. Diclofenac).

Diagnostik

Wenn bei älteren Personen Symptome auftreten – wie Stuhlveränderungen, linksseitige, kolikartige Schmerzen, die durch Stuhlgang gelindert werden, Blähungen und evtl. blutiger Stuhl – besteht ein Verdacht auf eine Divertikulose oder Divertikelkrankheit. Möglich sind auch begleitende Schmerzen beim Wasserlassen. Allerdings verursachen andere chronische Darmkrankheiten recht ähnliche Symptome, z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Reizdarm. Wenn gleichzeitig Fieber besteht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Divertikulitis hoch.

Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen können die Diagnose nur im Fall einer Divertikulitis stützen; hier sind Entzündungswerte im Blut oft erhöht. Blutuntersuchungen sind manchmal dennoch sinnvoll, um z. B. eine Blutarmut zu erkennen.

Bildgebende Verfahren

Die bevorzugte bildgebende Untersuchung bei Divertikulose und Divertikulitis ist ein Ultraschall oder auch eine Computertomografie (CT). Es kann allerdings manchmal etwas schwierig sein, sicher auszuschließen, dass nicht zusätzlich noch Veränderungen aufgrund eines bösartigen Tumors vorliegen. In solchen Fällen wird eine Koloskopie (Darmspiegelung) oder Rektoskopie durchgeführt, bei der man von den verdächtigen Veränderungen Gewebeproben nehmen kann.

Zur Untersuchung von unklaren Dickdarmbeschwerden ohne Hinweis auf eine Divertikulitis wird oft auch eine Koloskopie empfohlen. Dabei führen Ärzt*innen einen flexiblen Schlauch in den Enddarm ein und weiter hinauf in den Dickdarm, sodass die Innenseite des Darms untersucht werden kann. Bei Verdacht auf eine Divertikulitis hingegen wird in der akuten Phase eine Koloskopie vermieden, weil die Gefahr von Verletzungen zu hoch ist. Hier werden eine CT oder eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt. Ist doch noch eine Koloskopie sinnvoll, wird diese Untersuchung erst etwa 2 Monate nach Ausheilen der Divertikulitis durchgeführt.

Angiografie und Laparotomie

Liegt eine Divertikelblutung vor, lässt sich deren Quelle ebenfalls im Rahmen der Koloskopie häufig erkennen. Bei starken Blutungen kann eine spezielle Untersuchung namens Angiografie hierfür sinnvoll sein; hier lässt sich der Gefäßverlauf und der Ort einer Blutung manchmal genauer erkennen. Falls die genannten Untersuchungen keine Diagnose erlauben, ist in manchen Fällen eine Laparotomie erforderlich, d. h. eine chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle, bei die Chirurg*innen erkennen können, ob Divertikel vorliegen oder nicht und wo sich Entzündungen oder eine Blutungsquelle befinden. 

Behandlung

Divertikulose

Eine Divertikulose muss nicht behandelt werden, wenn sie keine Beschwerden verursacht. Ziel der Behandlung einer Divertikelkrankheit ist die Verringerung der evtl. Beschwerden. Regelmäßige Mahlzeiten und ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Flüssigkeit werden grundsätzlich empfohlen. Bei Verstopfung kann die Einnahme von Flohsamenschalen helfen. Es gibt kaum Hinweise darauf, dass irgendein Medikament den Verlauf der Divertikelkrankheit wirksam lindern kann. Manchen Betroffenen hilft allerdings Mesalazin, das jedoch für diese Krankheit nicht zugelassen ist. Ihre Ärztin/Ihr Arzt kann Sie hierzu beraten. Darüber hinaus sind bei starken Bauchkrämpfen sogenannte Anticholinergika manchmal hilfreich.

Divertikulitis

Verläuft eine Divertikulitis ohne Komplikationen (also ohne Abszess, Darmverschluss o. Ä.) und sind die Betroffenen ansonsten gesund, ist eine Antibiotikatherapie in den meisten Fällen nicht nötig. Allerdings sollten die Patient*innen regelmäßig ärztlich untersucht werden. Sind die Beschwerden nicht so stark, ist eine Nahrungszufuhr über den üblichen Weg möglich.

Antibiotika

Bei stärkeren Beschwerden, Risikofaktoren für Komplikationen (z. B. Immunschwäche, schwere Begleitkrankheiten) kommen meist verschiedene Antibiotika zum Einsatz, um die verursachenden Bakterien abzutöten. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie entsprechend beraten können. Wichtig zu wissen: Sog. Fluorchinolone dürfen nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr für eine mittelschwere Divertikulitis eingesetzt werden, insbesondere nicht bei älteren Patient*innen oder gleichzeitiger Kortisontherapie.

Was können Sie selbst tun?

Wichtig sind zudem Ruhe und evtl. ausschließlich flüssige bzw. leicht verdauliche Kost. Viele Patient*innen können mit guten Ergebnissen zu Hause behandelt werden.

Klinikeinweisung

Schwere Fälle einer akuten Divertikulitis können jedoch die Einweisung ins Krankenhaus erforderlich machen, wo die Patient*innen sofort mit Antibiotika behandelt werden und Flüssigkeit sowie Nahrung intravenös zugeführt bekommen. Der Darm soll einige Tage Ruhe bekommen. Eine Besserung tritt normalerweise innerhalb von 2–3 Tagen auf.

Operation

Bei ernsten Fällen, wenn andere Behandlungen keine Wirkung zeigen, kann es notwendig sein, den Teil des Dickdarms operativ zu entfernen, der betroffen ist. Dies wird aber sehr selten durchgeführt. Auch schwere Abszesse, ein Darmverschluss oder andere Komplikationen können eine Operation erforderlich machen. In den meisten Fällen lässt sich diese Operation dann durchführen, wenn die akute Infektion bereits zurückgegangen ist. In der Regel kann diese im Rahmen einer „Schlüssellochchirurgie“ (Laparoskopie) erfolgen. Falls es jedoch zu einer Darmperforation und/oder Bauchfellentzündung gekommen ist, ist eine Notfalloperation nötig. Eine Perforation kommt bei Divertikulitis selten vor, ist aber mit einer recht hohen Sterblichkeit verbunden.

Falls Patient*innen schwere Begleitkrankheiten aufweisen (z. B. nach Organtransplantation) und damit ein hohes Risiko für eine erneute Divertikulitis tragen, wird möglicherweise empfohlen, auch nach erfolgreich therapierter Divertikulitis eine Operation durchzuführen.

Blutungen

Ist eine Blutung bei Vorliegen von Divertikeln aufgetreten, so hört diese in den überwiegenden Fällen von selbst wieder auf. Bei 3–5 % der Patient*innen mit Divertikulose treten schwere Blutungen auf. In etwa drei Viertel der Fälle stoppen die Blutungen von selbst. Falls die Blutung anhält, kann sie meist im Rahmen einer Darmspiegelung mit verschiedenen Verfahren gestoppt werden, eine Operation ist selten nötig. Rund ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen erleidet jedoch eine erneute Blutung im Verlauf.

Verlauf

20–25 % der Patient*innen mit Divertikulose werden mit der Zeit Symptome und Beschwerden entwickeln, d. h. eine Divertikelerkrankung. Die übrigen, also 75–80 %, bleiben symptomfrei. Von den Personen mit Beschwerden bei Divertikelkrankheit kommt es bei etwa einem Viertel zu (wiederholten) Episoden mit Divertikulitis oder anderen Komplikationen.

Nach einer ausgeheilten Divertikulitis klagen rund zwei Drittel der Betroffenen über wiederkehrende Unterbauchschmerzen. Zudem ist das Risiko einer erneuten Entzündung erhöht: Sie tritt bei bis zu 45 % der Betroffenen auf. Von diesen erkranken viele innerhalb eines Jahres nach der vorigen Entzündung. Je mehr Episoden mit Divertikulitis jemand hat, desto seltener werden damit verbundene Komplikationen mit der Zeit. Ob nach mehreren Schüben der erkrankte Darmabschnitt am besten chirurgisch entfernt werden soll, besprechen und entscheiden die Ärzt*innen ganz individuell mit den Betroffenen.

Um den Krankheitsverlauf zu kontrollieren und Komplikationen oder weitere Krankheiten auszuschließen, wird empfohlen, einige Wochen nach Ausheilung einer akuten Divertikulitis erneut eine Darmspiegelung oder eine CT durchführen zu lassen. Eine Divertikelkrankheit hingegen erfordert keine Kontrolluntersuchungen.

Prävention

Eine ballaststoffreiche Ernährung (reichlich Obst, Gemüse und z. B. Weizenkleie, 10–20 g täglich), ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige körperliche Bewegung und somit die Vermeidung von Übergewicht können wahrscheinlich das Risiko für eine Divertikelkrankheit senken. Ob eine ballaststoffreiche Ernährung bei bereits vorhandener Erkrankung die Beschwerden lindern kann, ist nicht sicher geklärt.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden