Reizdarmsyndrom

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine gutartige Störung der Darmfunktion, die sich durch Magen- und Bauchschmerzen, Unbehagen, Völlegefühl und gestörten Stuhlgang mit Durchfall und/oder Verstopfung äußert. Bei einigen Patient*innen besteht ein klarer Zusammenhang mit Stress bzw. psychischer Belastung. Medikamente sind oft nur von eingeschränktem Nutzen. Die Beschwerden sind häufig chronisch bzw. kehren regelmäßig wieder.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist ein Reizdarmsyndrom?

Ein Reizdarmsyndrom (RDS) liegt vor, wenn alle folgenden 3 Punkte erfüllt sind:

  1. Es bestehen chronische, d. h. länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von den Patient*in und Ärzt*innen auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
  2. Wegen der Beschwerden suchen die Patient*innen Hilfe, insbesondere weil sie in ihrer Lebensqualität relevant beeinträchtigt sind.
  3. Voraussetzung ist, dass keine anderen Krankheitsbilder vorliegen, die die Symptomatik erklären, solche Krankheiten also mittels geeigneter Untersuchungen ausgeschlossen wurden.

Symptome

Das Beschwerdebild ist vielfältig. Man unterscheidet eine Form, bei der das Symptom Durchfall im Vordergrund steht, von einer Form, bei der die Betroffenen vor allem an Verstopfung leiden; dabei sind aber sehr häufig beide Störungstypen auch überlappend vorhanden. Meist besteht ein Druckgefühl im Unterbauch, bei manchen Patient*innen schubweise stärkste Krämpfe, meistens heftige Blähungen. Nicht selten werden zugleich „Magenbeschwerden“ von den Patient*innen berichtet: Völlegefühl und Brennen im Oberbauch, Aufstoßen. 

Die Symptome lassen kurzfristig meist nach Stuhlentleerung oder Abgang von Blähungen etwas nach. Nicht selten besteht Stuhldrang mit mehreren Abgängen von kleinvolumigem Stuhl am Tag. Manche Patient*innen erkennen keinen Zusammenhang ihrer Beschwerden mit bestimmten Nahrungsmitteln, andere meinen, dass sich die Beschwerden mit ballaststoffreicher Ernährung bessern, wieder andere sehen hierin einen Auslöser ihrer Beschwerden.

Ursachen

Beim Reizdarmsyndrom sind die Bewegungen des Magens und Darms im Rahmen der Verdauung sowie die Freisetzung von Verdauungssekreten verändert. Zudem nehmen Betroffene die Darmtätigkeit offenbar deutlicher wahr als andere Personen und empfinden diese eher als schmerzhaft. Viele Patient*innen mit einem Reizdarmsyndrom leiden zusätzlich an psychischen Krankheiten sowie an Kopfschmerzen, Fibromyalgie und/oder chronischem Erschöpfungssyndrom.

Zusätzlich gibt es Hinweise dafür, dass bei Patient*innen mit Reizdarmsyndrom die Darmflora sowie die Darmschleimhaut verändert sind.

Die eigentliche Ursache des Syndroms ist jedoch nicht genau geklärt. Die oben genannten Auffälligkeiten können sowohl als mögliche Ursache infrage kommen als auch Folge eines lange bestehenden Reizdarmsyndroms sein.

Untersuchungen

Diagnose Reizdarmsyndrom

Die Diagnose Reizdarmsyndrom wird gestellt, wenn die Verdachtsdiagnose nicht durch eine andere Diagnose ausgeschlossen werden kann. Die Symptome und genaue Krankheitsbeschreibung durch die Patient*innen sind typisch und in den meisten Fällen ausreichend, um eine Verdachtsdiagnose stellen zu können. In der ärztlichen Untersuchung wird der Bauch sorgfältig abgetastet; häufig lässt sich vermehrt Luft in Magen und/oder Darm feststellen (Meteorismus), evtl. sind die Darmgeräusche etwas verändert zu hören. Bei Frauen kann auch eine gynäkologische Untersuchung hilfrein sein. Wenn die Ärzt*innen keine außergewöhnlichen Befunde erheben, wird die Diagnose Reizdarmsyndrom wahrscheinlich.

Können andere Krankheiten zugrunde liegen?

Da die beschriebenen Beschwerden aber auch Folge zahlreicher anderer Krankheiten sein können, wird überprüft, ob diese vorliegen. Dazu gehören z. B.:

  • eine akute Darminfektion durch einen Erreger
  • (chronische) Entzündungen der Darmschleimhaut infolge unterschiedlicher Krankheiten (z. B. Colitis ulcerosa)
  • andere Störungen der Darmfunktion oder Nährstoffaufnahme wie Zöliakie, Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse
  • Erkrankungen der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse
  • Nahrungsmittelallergie
  • gynäkologische Erkrankungen, z. B. Endometriose
  • ein Dickdarmkarzinom
  • oder viele andere Krankheiten.

Ultraschalluntersuchung, Magen- und Darmspiegelung

Mögliche Untersuchungen sind z. B. eine Ultraschalluntersuchung, Magen- oder Darmspiegelung (Gastroskopie, Koloskopie, s. u). Werden diese Untersuchungen durchgeführt, müssen sie in der Regel im Verlauf der Krankheit nicht wiederholt werden, falls sie unauffällig sind – es sei denn, die Beschwerden verändern sich mit der Zeit auffallend.

Eine Koloskopie (Darmspiegelung) wird bei Patient*innen durchgeführt, bei denen die Diagnose unsicher ist. Bei dieser Untersuchung wird ein dünner biegsamer Schlauch mit einer Kamera durch den gesamten Dickdarm geführt, um den Darm von innen zu untersuchen. Gegebenenfalls können so auch der Dünndarm (Ileokoloskopie) und der Magen (Gastroskopie) untersucht werden.

Laboruntersuchungen

Die Ergebnisse von Laboruntersuchungen sind bei Reizdarm normal. Blutwerte, Blutsenkungsgeschwindigkeit und andere Entzündungszeichen oder Bestimmung der Leberwerte werden oft durchgeführt, um weitere andere Erkrankungen auszuschließen. Eine Untersuchung des Stuhlgangs auf Blut kann indiziert sein, um Blutungen im Verdauungskanal auszuschließen. Auch auf Bakterien oder andere Erreger wird der Stuhl häufig getestet. Blutuntersuchungen zur Überprüfung auf Laktoseintoleranz und Zöliakie werden u. U. ebenfalls durchgeführt. Andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten lassen sich oft durch gezielte Diäten mit vorübergehendem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel erkennen.

Behandlung

Viele Personen mit Reizdarmsyndrom haben leichte bis moderate Beschwerden und brauchen keine spezielle Therapie, sondern können mit einer Umstellung der Ernährung mit den Beschwerden umgehen.

Die wichtigste Maßnahme ist zunächst, eine ernste Erkrankung auszuschließen mithilfe der Anamnese und ärztlichen Untersuchungen, die keine Auffälligkeiten anzeigen. Bei den meisten Patient*innen ist die sichere Diagnose eines Reizdarmsyndroms eine ausreichende „Behandlung”: Das Wissen um die gutartige Natur des Reizdarmsyndroms entlastet von der Angst, ernsthaft krank zu sein; diese Entlastung kann bereits zu einer Linderung der Beschwerden beitragen.

Ernährung

Es gibt keine Empfehlungen hinsichtlich der Ernährung, die für alle Patient*innen mit Reizdarmsyndrom gelten können. Allerdings lassen sich bei einzelnen Betroffenen die Beschwerden sehr wohl durch bestimmte Ernährung (z. B. eher mehr oder eher weniger Ballaststoffe), evtl. ausreichend körperliche Bewegung, besseren Umgang mit Stress und/oder ausreichend Schlaf lindern.

Einige Patient*innen reagieren auf bestimmte Kohlenhydrate. Einige Betroffene profitieren von einer FODMAP-armen Diät (FODMAP = Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols). Hier sollen vergärbare Mehrfachzucker reduziert werden: Laktose, Stärke, Fruchtzucker und Süßstoffe. Es kann auch sein, dass jemand auf Gluten oder Weizen im Allgemeinen reagiert, ohne eine Zöliakie zu haben. Eine glutenfreie Diät ist ungefährlich, aber aufwendig in der Durchführung. Es fehlt nach wie vor eine gute wissenschaftliche Dokumentation darüber, dass diese Diätalternativen zu weniger Beschwerden führen als eine normale gesunde Ernährung. Wenn eine gute Diagnostik und Aufklärung nicht zu einer Linderung führen, ist häufig ein*e Ernährungsberater*in die richtige Adresse: Diese können Betroffene dabei beraten, wie sie am besten verschiedene Diäten ausprobieren können und dabei trotzdem eine ausgewogene, gesunde Ernährung beibehalten.

Medikamente und psychotherapeutische Begleitung

Es gibt verschiedene Medikamente und Wirkstoffe, die abhängig vom vorherrschenden Symptom (Durchfall oder Verstopfung) hilfreich sein können. Dazu gehören Probiotika (bestimmte Bakterien, die die Bakterienflora im Darm günstig beeinflussen), krampflösende Medikamente, Abführmittel oder auch pflanzliche Mittel. Führt ein Medikament innerhalb von 3 Monaten nicht zu einer spürbaren Wirkung, sollte es wieder abgesetzt und ggf. ein anderes versucht werden. Lassen Sie sich dazu ärztlich beraten.

Viele Patient*innen profitieren auch von einer begleitenden psychotherapeutischen Behandlung; hier gibt es verschiedene Verfahren, die sich beim Reizdarmsyndrom als hilfreich erwiesen haben. Liegen zusätzlich depressive Symptome vor, können Antidepressiva sinnvoll sein.

Prognose

Das Reizdarmsyndrom ist ungefährlich, aber meist chronisch und wiederkehrend. Die Betroffenen haben kein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen, auch nicht für Dickdarmkrebs. Es gibt keine bekannten Komplikationen bei dieser Erkrankung, außer der psychischen Belastung durch die langwierigen Beschwerden.

Hilfreich ist es für die Betroffenen, wenn sie nach einer frühzeitigen, sorgfältigen Diagnosestellung anhand verschiedener Untersuchungen ausführlich über die Krankheit informiert werden. Ziel ist es, die Diagnose Reizdarmsyndrom zu akzeptieren und Strategien (Ernährung, Strukturierung des Alltags, Schlaf, körperliche Bewegung, psychotherapeutische Gespräche etc.) zu entwickeln, mit den Beschwerden möglichst zurechtzukommen. Immer weitere neue Untersuchungen beeinträchtigen die Lebensqualität eher zusätzlich.

Illustrationen

Übersicht Abdominalorgane
Übersicht Verdauungsorgane

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Reizdarmsyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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