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Reizdarmsyndrom

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine gutartige Störung der Darmfunktion, die sich durch Bauchschmerzen, Unbehagen, Völlegefühl und gestörten Stuhlgang mit Durchfall und/oder Verstopfung äußert. Medikamente sind oft nur von eingeschränktem Nutzen. Die Beschwerden sind häufig chronisch bzw. kehren regelmäßig wieder. Bei einigen Patient*innen besteht ein klarer Zusammenhang mit Stress bzw. psychischer Belastung.

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Was ist ein Reizdarmsyndrom?

Definition

Als Reizdarmsyndrom (RDS) bezeichnet man Bauchschmerzen oder -beschwerden für mindestens 6 Monate, die mit veränderten Stuhlgewohnheiten assoziiert sind und keine Alarmsymptome für eine bösartige Erkrankung aufweisen. Die Diagnose Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose, Voraussetzung ist also, dass keine anderen Krankheitsbilder vorliegen, die die Symptomatik erklären, d. h., solche Krankheiten mittels geeigneter Untersuchungen ausgeschlossen wurden.

Symptome

Das Beschwerdebild ist vielfältig. Man unterscheidet Untergruppen nach vorherrschenden Symptomen:

  • RDS mit Durchfall
  • RDS mit Verstopfung
  • RDS mit wechselnden Stuhlgangsymptomen.

Meist besteht ein Druckgefühl im Unterbauch, bei manchen Patient*innen schubweise starke Krämpfe und Blähungen. Die Symptome lassen manchmal nach Stuhlentleerung oder Abgang von Blähungen häufig kurzfristig etwas nach. 

Als Alarmsymptome für eine mögliche bösartige Erkrankung oder eine Entzündung gelten Blut im Stuhl, ungewollte Gewichtsabnahme, Anämie (Blutarmut) oder Nahrungsmittelunverträglichkeit bzw. -malabsorption (mangelhafte Aufnahme).

Ursachen

Das RDS wird als Störung in der Darm-Hirn-Achse definiert, es spielen also biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen. Die eigentliche Ursache des Syndroms ist nicht genau geklärt, mögliche Auslöser sind u. a.:

  • Magen-Darm-Infektion
  • Antibiotikaeinnahme
  • akuter oder chronischer Stress oder psychisches Trauma
  • frühere operative Eingriffe im Bauchraum.

Beim Reizdarmsyndrom sind die Bewegungen des Magens und Darms im Rahmen der Verdauung sowie die Freisetzung von Verdauungssekreten verändert. Zudem nehmen Betroffene die Darmtätigkeit offenbar deutlicher wahr als andere Personen und empfinden diese eher als schmerzhaft. Es gibt Hinweise dafür, dass bei Patient*innen mit Reizdarmsyndrom die Darmflora sowie die Darmschleimhaut verändert sind.

Häufigkeit


Langzeitdaten liegen nicht vor. In internationalen Studien wird Vorliegen des Reizdarmsyndroms bei bis zu 15 % der Bevölkerung angegeben. Frauen leiden häufiger an einem RDS. Bei den meisten Patient*innen setzen die Beschwerden im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter ein. Ein Erkrankungsbeginn im Alter über 50 Jahren ist ungewöhnlich und sollte genauer abgeklärt werden. Symptome des unteren Magendarmtraktes sind der Grund für 1 von 12 Besuche in der Hausarztpraxis.

Untersuchungen

  • Die Diagnose Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Sie wird gestellt, wenn die Verdachtsdiagnose nicht durch eine andere Diagnose ausgeschlossen werden kann.
  • Die Symptome und genaue Krankheitsbeschreibung durch die Patient*innen sind typisch und in den meisten Fällen ausreichend, um eine Verdachtsdiagnose stellen zu können.
  • Der Bauch wird sorgfältig abgetastet; häufig lässt sich vermehrt Luft in Magen und/oder Darm feststellen (Meteorismus).
  • Im Labor werden Blutwerte, Blutsenkungsgeschwindigkeit und andere Entzündungszeichen untersucht.
  • Bei Frauen kann eine gynäkologische Untersuchung hilfreich sein.
  • Andere Untersuchungen wie eine Koloskopie (Darmspiegelung) werden nur bei bestimmten Symptomen und konkretem Anlass durchgeführt.

Behandlung

Allgemeines

  • Patient*innen wird das RDS als Störung der Darm-Hirn-Achse erklärt, sowie dass und wie diese durch Ernährung, Stress und persönliche Reaktionen beeinflusst werden kann.
  • Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen des Reizdarmsyndroms gibt es keine Standardtherapie. Die Therapie wird an die jeweiligen Subtypen angepasst.
  • Patient*innen mit RDS können von körperlicher Aktivität profitieren.
  • Auch eine Diätberatung kann für Betroffene hilfreich sein.

Ernährung

  • Alle Ernährungsempfehlungen sollten sich individuell an den jeweiligen Symptomen der Betroffenen orientieren.
  • Allgemeine Empfehlungen sind:
    • regelmäßige Mahlzeiten
    • vollwertige Ernährung
    • begrenzter Konsum von Alkohol und Koffein
    • ausreichend Ballaststoffe (vor allem sog. lösliche Ballaststoffe, die Wasser im Darm binden, wie etwa Flohsamen)
    • reduzierter Konsum von fettigen oder stark gewürzten Lebensmitteln.
  • Unter Begleitung von Ernährungsberater*innen kann ein Verzicht auf fermentierbare (vergärbare) Kohlenhydrate gute Effekte zeigen. Diese werden als FODMAPs (Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols) bezeichnet und sind in vielen Lebensmitteln, z. B. in Fruchtzucker (Einfachzucker), Milchzucker und Stärke (Mehrfachzucker) oder Süßstoffen (Zuckeralkohole), enthalten.

Medikamente und psychotherapeutische Begleitung

  • Führt ein Medikament innerhalb von 3 Monaten nicht zu einer spürbaren Wirkung, sollte es wieder abgesetzt und ggf. ein anderes versucht werden.
  • Es gibt verschiedene Medikamente und Wirkstoffe, die abhängig vom vorherrschenden Symptom (Durchfall oder Verstopfung) hilfreich sein können. Dazu gehören Probiotika (bestimmte Bakterien, die die Bakterienflora im Darm günstig beeinflussen), krampflösende Medikamente, Abführmittel oder auch pflanzliche Mittel.
  • Ein Antibiotikum, dass nur im Darm wirkt (Rifaximin), kann bei Reizdarmsyndrom, bei dem die Durchfallsymptomatik im Vordergrund steht, hilfreich sein.
  • Auch bestimmte Antdepressiva sind bei Reizdarmsyndrom empfehlenswert, auch wenn bei den Betroffenen keine Depression vorliegt.
  • Manche Patient*innen profitieren von einer begleitenden psychotherapeutischen Behandlung; hier gibt es verschiedene Verfahren (RDS-spezifische kognitive Verhaltenstherapie oder Hypnotherapie), die sich beim Reizdarmsyndrom als hilfreich erwiesen haben.

Prognose

  • Das Reizdarmsyndrom ist körperlich ungefährlich, aber meist chronisch und wiederkehrend. Es gibt keine bekannten Komplikationen bei dieser Erkrankung, außer der psychischen Belastung durch die langwierigen Beschwerden.
  • Die Betroffenen haben kein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen, auch nicht für Dickdarmkrebs.
  • Komplikationen resultieren eher aus wiederholten Untersuchungen und unnötigen Operationen.
  • Ziel ist es, die Diagnose Reizdarmsyndrom zu akzeptieren und Strategien (Ernährung, Strukturierung des Alltags, körperliche Bewegung, psychotherapeutische Gespräche etc.) zu entwickeln, um mit den Beschwerden möglichst zurechtzukommen. In diesem Fall ist die Prognose gut.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien