Morbus Whipple

Morbus Whipple ist eine Infektionskrankheit, die vor allem den Dünndarm befällt und durch das Bakterium Tropheryma whipplei ausgelöst wird.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Morbus Whipple?

Definition

Morbus Whipple ist eine Infektionskrankheit, die vor allem den Dünndarm befällt und durch das Bakterium Tropheryma whipplei ausgelöst wird. Die Erkrankung zeigt sich zuerst durch Gelenksschmerzen, später führt sie zu chronischem Durchfall und Gewichtsverlust. Morbus Whipple kann unbehandelt tödlich enden.

Symptome

Im frühen Stadium der Krankheit und oft jahrelang vor den übrigen Symptome kommt es zu Gelenkschmerzen. Im weiteren Verlauf der Krankheit treten (manchmal blutiger) Durchfall, Gewichtsabnahme, Bauchschmerzen und Müdigkeit auf. Es kann zu einer vergrößerten Leber und Milz sowie einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) kommen. Vergrößerte Lymphknoten, Hautveränderungen, Gedächtnisstörungen sowie psychiatrische und neurologische Beschwerden sind ebenfalls möglich.

Ursachen

Das Bakterium Tropheryma whipplei ist in der Umwelt, z. B. Abwässern, weit verbreitet, aber die genauen Mechanismen für eine Infektion und Erkrankung sind noch nicht bekannt. Man vermutet einen genetischen oder immunologischen Hintergrund, z. B. im Zusammenhang mit einer früheren Therapie, in der das Immunsystem unterdrückt wurde. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Häufigkeit

Die Whipple-Krankheit ist sehr selten. In Mitteleuropa wird das Auftreten auf ca. 1 Erkrankung pro 1 Million Menschen pro Jahr geschätzt. Dabei sind Männer im Alter zwischen 30 und 60 Jahren am häufigsten betroffen, das Alter bei der Diagnosestellung liegt durchschnittlich bei 55 Jahren.

Untersuchungen

Zusätzlich zur Beschreibung der Symptome durch die Patient*innen wird eine genaue körperliche Untersuchung durchgeführt, um Hinweise auf Morbis Whipple zu finden. Das Blut wird auf Entzündungswerte und andere Parameter untersucht. Bei einer Endoskopie (Spiegelung) der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms werden Gewebeproben (Biopsie) entnommen, die typische Veränderungen zeigen können. Es kann auch ein Test auf Antikörper oder auf Erbmaterial der Bakterien aus der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit durchgeführt werden.

Behandlung

  • Das Ziel der Therapie ist es, die Infektion zu heilen und einen Rückfall zu verhindern.
  • Die Krankheit wird mit Antibiotika behandelt. Die Therapie ist langwierig, und umfasst die Einnahme von 2 täglichen Dosen über 1 Jahr.

Prognose

  • Wird die Krankheit nicht behandelt, verläuft sie häufig tödlich.
  • Trotz der Antibiotikatherapie kann es zu Rückfällen kommen, die häufig das zentrale Nervensystem und neue Entzündungszeichen betreffen.
  • Die Beschwerden bei Morbus Whipple können auch zu einer Unterfunktion des Herzens führen.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Morbus Whipple. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Misbah SA, Aslam A, Costello C. Whipple's disease. Lancet 2004; 363: 654-6. PubMed
  2. Marth T, Feurke GE: Infektion mit Tropheryma whipplei. Diagnose, Pathogenese, Therapie. Dtsch Ärztebl 2002; 99(48): A-3265 www.aerzteblatt.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. AWMF-Leitlinie Nr. 021-024. S2k, Stand 2015. (in Überarbeitung) www.awmf.org
  4. Orphanet. Morbus Whipple. Zugriff 27.9.2020 www.orpha.net
  5. Altmeyers Enzyklopädie. Morbus Whipple,. Zugriff 26.9.2020 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  6. Mahnel R, Kalt A, Ring S, Stallmach A, Strober W, Marth T. Immunosuppressive therapy in Whipple's disease patients is associated with the appearance of gastrointestinal manifestations. Am J Gastroenterol 2005; 100: 1167-73. PubMed
  7. Puéchal X. Whipple disease and arthritis. Curr Opin Rheumatol 2001; 13: 74-9. PubMed
  8. Louis ED, Lynch T, Kaufmann P, Fahn S, Odel J. Diagnostic guidelines in central nervous system Whipple's disease. Ann Neurol 1996; 40: 561-8. PubMed
  9. Fenollar F, Lepidi H, Raoult D. Whipple's endocarditis: review of the literature and comparisons with Q fever, Bartonella infection, and blood culture-positive endocarditis. Clin Infect Dis 2001; 33: 1309-16. PubMed
  10. Gubler JG, Kuster M, Dutly F, et al. Whipple endocarditis without overt gastrointestinal disease: report of four cases. Ann Intern Med 1999; 131: 112-6. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Smith MA. Whipple endocarditis without gastrointestinal disease. Ann Intern Med 2000; 132: 595. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Lepidi H, Fenollar F, Gerolami R, et al. Whipple's disease: immunospecific and quantitative immunohistochemical study of intestinal biopsy specimens. Hum Pathol 2003; 34: 589-96. PubMed
  13. Fenollar F, Fournier PE, Robert C, Raoult D. Use of genome selected repeated sequences increases the sensitivity of PCR detection of Tropheryma whipplei. J Clin Microbiol 2004; 42: 401-3. PubMed
  14. Feurle GE, Moos V, Schinnerling K. The immune reconstitution inflammatory syndrome in whipple disease: a cohort study. Ann Intern Med. 2010 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov