Juckreiz im Analbereich, Empfehlungen

Der Juckreiz des Afters (Pruritus ani) ist ein relativ häufiges Leiden. Auslöser können ganz verschiedene Krankheiten sein, aber bei ca. 20–25 % der Betroffenen kann keine Ursache festgestellt werden.

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Was ist Juckreiz im Analbereich?

Der Juckreiz des Afters (Pruritus ani) ist ein relativ häufiges Leiden. Bis zu 5 % der Bevölkerung sind betroffen. Häufige Ursachen sind Erkrankungen, bei denen lokal mehr Feuchtigkeit entsteht, z. B. bei Hämorrhoiden oder gynäkologischen Erkrankungen. Auch Entzündungen, Infektionen, allgemeine Erkrankungen der Haut (Neurodermitis), Schleimhautrisse, häufiger Durchfall oder selten auch ein Tumor können Juckreiz zur Folge haben. Mitunter juckt die Haut, da sie aufgrund von Seifen, Feuchttüchern, zu häufigem Waschen oder auch zu häufigem Schwitzen gereizt ist.

Reizstoffe in der Nahrung können vermutlich analen Juckreiz verursachen oder verstärken, möglicherweise nur indirekt über eine veränderte Stuhlkonsistenz. Im Verdacht stehen dabei u. a. Kaffee, Tee, Bier, Tomaten und Schokolade. Auch Medikamente könnten als Auslöser von Juckreiz eine Rolle spielen, z. B. Zytostatika.

Zur Vorbeugung und Behandlung ist eine vernünftige Hygiene wichtig. Durch ungenügende Hygiene kann es zu Juckreiz kommen, aber meist wird der Juckreiz durch übertriebenes Waschen hervorgerufen. Bei einer übermäßigen Reinigung wird die Fettschicht der Haut zerstört. Die Austrocknung verstärkt den Juckreiz. Umgekehrt fördert aber auch eine schlechte oder nachlässige Körperhygiene entsprechende Beschwerden. In seltenen Fällen kann der Juckreiz des Afters durch eine allgemeine Erkrankung der Betroffenen ausgelöst werden, z. B. durch Diabetes mellitus, Hodgkin-Lymphom, Morbus Crohn, Nierenversagen, Lebererkrankungen, Urämie oder systemischen Hauterkrankungen.

Therapie

Wenn eine zugrunde liegende Ursache festgestellt werden kann, muss diese behandelt werden. Sie können aber auch selbst Maßnahmen ergreifen.

Empfehlungen für Patient*innen

Eine gute Hygiene ist wichtig: Waschen Sie sich regelmäßig, aber nicht zu oft. Verwenden Sie nur Wasser, und trocknen Sie den After sanft ab. Reiben und Rubbeln Sie nicht mit trockenem Papier. Nutzen Sie allergenfreie Pflegeprodukte und/oder Zinkoxidpaste zur Hautpflege der Analregion.

Vermeiden Sie möglichst Schweißbildung im Bereich des Anus: Tragen Sie Unterwäsche aus Baumwolle, vermeiden Sie eng sitzende Kleidung und Aktivitäten, bei denen Sie stark schwitzen. Verwenden Sie während der Menstruation Tampons anstatt Binden. Sie sollten nicht über einen längeren Zeitraum sitzen, zudem ist es empfehlenswert, Plastikstühle zu vermeiden.

Absorbierende Baumwollkompressen zwischen dem Gesäß, die regelmäßig ausgetauscht werden, können lokale Feuchtigkeit aufnehmen.

Passen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten an. Ziel ist ein geformter Stuhl und evtl. eine Abnahme der Stuhlgänge (falls Sie unter erhöhter Stuhlfrequenz leiden).

Kratzen Sie nicht den Aalbereich. Vermeiden Sie auslösende Ursachen.

Medikamentöse Therapie

Kortikosteroide, die auf die Haut am After aufgetragen werden, lindern die Beschwerden. Sie sollten diese Präparate jedoch nicht länger als 2–3 Wochen hintereinander anwenden. Wegen der Nebenwirkungen wird eine periodische Behandlung empfohlen. Falls die lokal aufgetragenen Kortikosteroide nicht helfen oder Sie an einem schweren Ekzem leiden, kommen evtl. Calcineurininhibitoren wie Pimecrolimus oder Tacrolimus zum Einsatz. Diese Wirkstoffe sind bisher schweren Verläufen vorbehalten.

Andere Medikamente können versucht werden, allerdings ist ihre Wirksamkeit gegen Juckreiz derzeit nur unzureichend belegt. Hierunter fallen die lokale Anwendung von Capsaicin-Creme, Palmitoylethanolamid (PEA, ein cannabinoidähnlicher Wirkstoff), ureahaltigen Cremes oder auch die Unterspritzung der Haut mit Kortikoiden.

Psychosomatik

Bei Verdacht auf ein automatisiertes Kratzverhalten und Probleme der Juckreizbewältigung wird neben der symptomatischen auch eine psychosomatische Therapie empfohlen. Diese kann als Schulungsprogramm, im Rahmen von psychosomatischen Angeboten oder durch psychotherapeutische Verfahren erfolgen.

Prognose

Durch eine sorgfältige Eigenbehandlung können Sie den Juckreiz häufig selbst kontrollieren. In manchen Fällen kommt es jedoch zu einem chronischen oder ständig wiederkehrenden Zustand. Liegt dem Juckreiz eine Krankheit zugrunde (z. B.Hämorrhoiden), sollten die Beschwerden bei der Behandlung dieser Ursache nachlassen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pruritus ani. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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