Fettlebererkrankung, nicht-alkoholische

Die Erkrankung bezeichnet eine Leber mit vermehrter Fettspeicherung bei Personen ohne oder mit nur sehr geringem Alkoholkonsum. Das Spektrum reicht von der reinen Fettleber mit oder ohne Entzündung, bis hin zur Leberzirrhose und dem Leberzellkarzinom. Häufig leiden die Betroffenen zusätzlich an Übergewicht und Diabetes mellitus.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine nicht-alkoholische Fettleber?

Bei der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (auch NAFLD) bildet sich Fettgewebe innerhalb der Leber, wodurch sich die Organstruktur verändert; es entsteht eine sog. Steatose. Üblicherweise wird eine solche Gewebeveränderung der Leber durch anhaltenden, hohen Alkoholkonsum verursacht; im Fall der nicht-alkoholischen Fettleber sind aber weder Alkoholmissbrauch noch andere Leberkrankheiten die Ursache. Trotzdem gleichen sich die Gewebeveränderungen: vom Stadium der reinen Fettleber, die in der Regel ohne Symptome einhergeht, kann sich eine Leberentzündung und auch ein stärkerer Gewebeumbau entwickeln (eine Fibrose oder auch Zirrhose der Leber). Bei der Leberzirrhose ist das Organ von funktionslosem Bindegewebe durchsetzt; die Betroffenen zeigen die Symptome einer deutlich eingeschränkten Leberfunktion. In sehr fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung in einen bösartigen Leberzelltumor (Leberzellkrebs) übergehen.

Häufigkeit

Die nicht-alkoholische Fettleber ist die häufigste gutartige, chronische Leberkrankheit. In Deutschland leiden etwa 20–30 % der Erwachsenen an einer nicht-alkoholischen Fettleber. Personen mit Übergewicht/Adipositas und/oder Diabetes Typ 2 sind häufiger betroffen. In populationsbasierten Studien trat die Erkrankung bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Diese Unterschiede treffen wohl vor allem für übergewichtige Patient*innen zu. In industrialisierten Ländern sind Kinder und Jugendliche zunehmend häufiger betroffen (die Prävalenz liegt bei 3–11 %).

Was sind die Ursachen?

Die Entwicklung der Erkrankung hat genetische, epigenetische, ethnische, hormonelle und umweltbedingte Ursachen. Adipositas zählt als gemeinsamer Risikofaktor für sowohl die nicht-alkoholischen Fettleber als auch für Diabetes Typ 2. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen der nicht-alkoholischen Fettleber und den Parametern Bauchumfang, BMI und den Triglyzerid-Werten im Blut. Eine „westliche Ernährungsweise" bei Jugendlichen ist mit einem erhöhten Risiko der späteren Entwicklung einer Fettleber assoziiert. Hier spielt insbesondere der Konsum von Softdrinks eine wichtige Rolle. Ernährung und körperliche Aktivität beeinflussen auch den Verlauf der Erkrankung. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass das Mikrobiom im Darm sowohl an der Entstehung als auch dem Fortschreiten einer nicht-alkoholischen Fettleber beteiligt ist. Mischformen zwischen alkoholischer und nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung sind möglich.

Mit dem Vorliegen einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung sind folgende Faktoren assoziiert:

  • Höheres Alter
  • Erhöhter BMI (insbesondere mit viszeraler Adipositas)
  • Hohe Kalorienzufuhr
  • Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes
  • Bewegungsmangel
  • Genetik
  • Rauchen.

Welche Beschwerden können auftreten?

Eine nicht-alkoholische Fettleber, die nicht zu einer Entzündung oder Störung der Leberfunktion führt, bewirkt häufig gar keine Beschwerden. Falls Symptome auftreten, handelt es sich meist zunächst um unspezifische Zeichen wie Antriebslosigkeit, Krankheitsgefühl oder ein Druckgefühl im Leberbereich (unter dem rechten Rippenbogen). Bei einigen Betroffenen ist bei der körperlichen Untersuchung eine vergrößerte Leber tastbar. Ansonsten fallen häufig Zeichen eines metabolischen Syndroms auf, wie Bluthochdruck oder ein fettbedingter, vergrößerter Bauchumfang.

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Da eine Fettleber oder auch Leberentzündung durch bestimmte Medikamente, Giftstoffe oder infolge von manchen Erbkrankheiten auftreten kann, werden diese Ursachen bei der Diagnose überprüft bzw. ausgeschlossen. Um die Erkrankung von einer alkoholbedingten Fettleber zu unterscheiden, wird ein täglicher Alkoholgrenzwert von 10 g bei Frauen und 20 g bei Männern angenommen (ein halber Liter Bier enthält ca. 20 Alkohol).

Eine ausgeprägte Fettleber kann relativ einfach bei einer Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden. Laborchemisch werden zur Beurteilung der Leberfunktion die Transaminasen GOT und GPT, Gamma-GT, Bilirubin und die alkalische Phosphatase bestimmt. Zusätzlich weisen das Blutbild, der Lipidstatus und der Nüchtern-Blutzucker auf ggf. vorliegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Blutparameter bestimmt werden, z. B. zum Ausschluss von Virushepatitiden oder Autoimmunerkrankungen.

Möglicherweise ist auch eine CT- (Computertomografie) oder MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) anzuraten. Die Elastografie/Elastometrie ist ein ultraschallbasiertes Verfahren zum Ausschluss einer fortgeschrittenen Leberfibrose oder Leberzirrhose. Wenn eine genaue Diagnose gestellt werden soll und abgeklärt werden muss, ob eine Entzündung vorliegt oder ob sich Bindegewebe gebildet hat, kann eine Leberbiopsie indiziert sein. Dabei wird eine Nadel durch die Haut in die Leber eingeführt und eine Probe entnommen, die anschließend unter dem Mikroskop histologisch beurteilt wird.

Gibt es eine Therapie?

Es gibt für die Indikation nicht-alkoholische Fettlebererkrankung aktuell keine zugelassenen Medikamente.

Grundpfeiler der Therapie sind die Anpassung des Lebensstils sowie die Kontrolle und Therapie des metabolischen Syndroms, insbesondere eine Behandlung Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei adipösen Patient*innen führt eine Gewichtsabnahme von 10 % innerhalb eines Jahres nachweislich zu messbaren positiven Veränderungen der Lebererkrankung. Zahlreiche Studien belegen, dass durch Veränderungen des Lebensstils sowohl die Transaminasen als auch die Leberhistologie verbessert werden können.

Was können Sie selbst tun?

  • Reduzieren Sie ihr Gewicht, falls Sie übergewichtig sind.
    • Eine Gewichtsabnahme von 5 % führt bei 75 % der Betroffenen zu einem Rückgang der Krankheitserscheinungen.
  • Führen Sie eine hypokalorische Diät mit einem Kaloriendefizit von 500–700 Kalorien am Tag.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen (mediterrane Kost und komplexe Kohlenhydrate).
  • Bleiben Sie körperliche aktiv (150–200 min/Woche moderate Aktivität).
  • Vermeiden Sie Alkohol und Nikotin.

Kann der Erkrankung vorgebeugt werden?

Regelmäßige körperliche Aktivität wie Spazierengehen, Radfahren und Schwimmen (2–3-mal pro Woche und mindestens 30 Minuten) senkt das Risiko für das Auftreten einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung. Auch Kaffeekonsum scheint das Risiko zu senken. Eine erhöhte Kalorienaufnahme zählt hingegen als Risikofaktor.

Verlauf und Prognose

Die Intervalle der Verlaufsuntersuchungen hängen vom klinischen Bild ab und müssen individuell festgelegt werden. Sie sind abhängig von der entzündlichen Aktivität, von Organveränderungen auf dem Boden eines metabolischen Syndroms, von dem Vorliegen einer Leberzirrhose oder Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) und vom Risiko für die Entwicklung eines Leberzellkarzinoms (Leberkrebs). Die Verlaufsuntersuchungen finden in der Regel in Abständen zwischen 3 und 12 Monaten statt. Die regelmäßigen Kontrollen sind wichtig, um ein Fortschreiten der Lebererkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren.

Die reine Fettleber ohne Entzündung oder Fibrose kann im Prinzip abheilen. Bei gleichzeitiger Leberentzündung ist der Verlauf der Erkrankung fortschreitend und nicht umkehrbar. Es wird angenommen, dass sich eine nicht-alkoholische Fettleber in etwa 10–20 % in eine entzündliche Form weiterentwickelt und diese in weniger als 5 % in eine Leberzirrhose übergeht. Das Risiko für einen bösartigen Leberzelltumor liegt bei 0,05 % pro Jahr, bei bestehender Zirrhose bei 2,6 % pro Jahr.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fettleber, nicht-alkoholische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Weiß J, Rau M, Geier A. Nichtalkoholische Fettlebererkrankung. Deutsches Ärzteblatt 2014. www.aerzteblatt.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 021–025, Stand 2015 (abgelaufen). www.awmf.org
  3. Schuhmacher F, Tacke F. Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD). Hepatitis&more. 2017. www.hepatitisandmore.de
  4. DiNicolantonio JJ, Subramonian AM, O'Keefe JH. Added fructose as a principal driver on non-alcoholic fatty liver disease: a public health crisis. Open Heart 2017. pmid:29118995 www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Wehmayer MH, Lohse AW, Kluwe J. Die nichtalkoholische Steatohepatitis und ihre Folgen. Der Diabetologe 2016. www.springermedizin.de
  6. Paul S, Davis AM. JAMA Clinical Guidelines Synopsis. Diagnosis and management of Nonalcoholic Fatty Liver Disease. JAMA 2018. doi:10.1001/jama.2018.17365 jamanetwork.com
  7. Koutoukidis DA, Astbury NM, Tudor KE, et al. Association of Weight Loss Interventions With Changes in Biomarkers of Nonalcoholic Fatty Liver Disease A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2019. pmid:31260026. www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Musi N, Webb A, Portillo-Sanchez P. Long-Term Pioglitazone Treatment for Patients With Nonalcoholic Steatohepatitis and Prediabetes or Type 2 Diabetes Mellitus: A Randomized Trial. Ann Intern Med. 2016 Sep 6;165(5):305-15. doi: 10.7326/M15-1774. Epub 2016 Jun 21. PMID: 27322798. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Sanyal A, Charles ED, Neuschwander-Tetri BA, et al. Pegbelfermin (BMS-986036), a PEGylated fibroblast growth factor 21 analogue, in patients with non-alcoholic steatohepatitis: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2a trial. Lancet 2018. pmid:30554783 www.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Simon TG, Henson J, Osganian S, et al. Daily Aspirin Use Associated With Reduced Risk For Fibrosis Progression In Patients With Nonalcoholic Fatty Liver Disease. Clin Gastroenterol Hepatol 2019. pmid:31077838. www.ncbi.nlm.nih.gov