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Hepatitis C

Das Hepatitis-C-Virus ist eines der Viren, die eine Infektion der Leber hervorrufen. Es wird in der Regel über Blut und Blutprodukte übertragen; nach der Erkrankung entwickeln die Hälfte bis mehr als drei Viertel der Betroffenen eine chronische Hepatitis-C-Infektion.

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Was ist Hepatitis C?

Hepatitis C ist eine durch eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus verursachte Infektion der Leber. Die akute Erkrankung führt zu Erschöpfung, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Gelbsucht oder auch Fieber; allerdings zeigen nur etwa 20–30 % der Infizierten bei akuter Krankheit Beschwerden. Die chronische Infektion (also eine länger als 6 Monate bestehende Infektion) besteht oft ohne Beschwerden, kann jedoch mit unspezifischen Symptomen wie verminderter Leistungsfähigkeit, Bauchschmerzen oder Gelenkschmerzen einhergehen. Hepatitis C ist eine der Hauptursachen für bei einigen Patienten auftretende chronische Lebererkrankungen. Es kommt zu zunehmender Leberschädigung mit Schrumpfleber (Zirrhose bei rund 20%) und weiteren Komplikationen bis hin zu einem möglichen Leberversagen nach 20–30 Jahren oder auch Leberkrebs (bei ca. 1–4% pro Jahr derjenigen mit Leberzirrhose). Auch der Leber benachbarte Organe können betroffen sein, v. a. die Nieren und Blutgefäße. Inzwischen gibt es eine sehr effektive Behandlung, die das Virus in mehr als 80–90 % aller Fälle beseitigen kann.

In Deutschland sind 0,2–0,3 % der Bevölkerung mit Hepatitis C infiziert, Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen. In der Hochrisikogruppe der aktiven oder ehemaligen Drogenkonsumenten mit intravenösem Drogenmissbrauch sollen 85 % infiziert sein. Insgesamt wird von 400.000–500.000 mit dem Hepatitis-C-Virus infizierten Menschen ausgegangen. In anderen Ländern sind deutlich mehr Menschen mit dem Virus infiziert (Südostasien 5–10 %, Ägypten 25 %). Weltweit sterben jährlich ca. 700.000 Menschen an dieser Erkrankung, 130–150 Millionen sind infiziert.

Von der Aufnahme des Virus bis zur Entwicklung der Symptome (Inkubationszeit) vergehen meist 4–12 Wochen. Nach der Ansteckung heilt die Infektion bei 20–50% der Betroffenen von selbst wieder aus.

Ursachen

Infiziertes Blut ist die häufigste Quelle für Ansteckung mit Hepatitis C. Eine Ansteckung im beruflichen oder sexuellen Kontext kommt selten vor. Bestimmte Faktoren erhöhen das Ansteckungsrisiko:

  • Der gemeinsame Gebrauch von Spritzbesteck führt dazu, dass Drogenkonsumenten besonders gefährdet sind (aktive Hepatitis-C-Viren können in gebrauchten Spritzen bis zu 2 Monate überleben).
  • Angehörige der Gesundheitsberufe können durch Nadelstichverletzungen gefährdet sein; die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion liegt bei ca. 1 %, sollte man sich an einer Nadel verletzt haben, die bei einem Patienten mit Hepatitis C verwendet worden ist.
  • Bei Schwangerschaft und Geburt können Kinder durch die Mutter mit Hepatitis C infiziert werden. Das Infektionsrisiko wird auf etwa 5 % veranschlagt, falls Viren im Blut der Mutter nachweisbar sind. Unsicherheit herrscht über den Zeitpunkt, an dem während der Schwangerschaft eine Infektion stattfinden kann. Das Hepatitis-C-Virus wird nicht durch Stillen übertragen.
  • Personen, die vor 1992 eine Bluttransfusion erhielten, waren aufgrund mangelnder Kontrolle der Blutspender und geringer Kenntnisse über das Virus einer Infektionsgefahr ausgesetzt. Aufgrund strenger Kontrollen des Spenderblutes kommt dies heute jedoch nicht mehr vor.
  • Eine Übertragung durch Sexualverkehr ist möglich. Homosexuelle scheinen ein wenig stärker gefährdet zu sein als Heterosexuelle. Das Infektionsrisiko in stabilen monogamen Beziehungen, in denen einer der Partner infiziert ist, ist gering, wogegen viele Partner und andere durch Geschlechtsverkehr übertragbare Infektionen die Ansteckungsgefahr erhöhen.

Normalerweise wird eine Hepatitis-C-Infektion aufgrund von Blutuntersuchungen diagnostiziert (Nachweis des Viruserbguts sowie von spezifischen Antikörpern).

Symptome

Oft verläuft die akute Phase der Infektion mild, so werden viele Infektionen in dieser Phase auch gar nicht entdeckt. 20–30 % der frisch Infizierten haben Symptome wie Mattigkeit, Übelkeit und Magenschmerzen, Diarrhö und Fieber; etwa 15 % bekommen Gelbsucht. Normalerweise zeigen sich die Symptome 4–7 Wochen nach der Ansteckung. Nur in Ausnahmefällen geht der Krankheitsverlauf mit stark ausgeprägten grippeähnlichen Beschwerden, Ausschlag, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Magenschmerzen, Gelbsucht, dunklem Urin, verfärbtem Stuhl einher.

Bei etwa 60–85 % der Infizierten wird die Infektion chronisch. Typisch ist der chronische Verlauf mit einer langen symptomfreien Zeit. Im Durchschnitt nach 20–30 Jahren kann die Erkrankung zu Schrumpfleber (Leberzirrhose), Leberversagen und bei einer kleineren Anzahl der Betroffenen auch zu Leberkrebs führen. Liegt eine Leberzirrhose vor, bestehen meist entsprechende Symptome wie Aszites (Wassersucht), vergrößerte Blutgefäße z. B. an der Bauchhaut (Spider-Nävi), vermehrte Blutungsneigung etc. 

Es gibt zudem verschiedene Erkrankungen anderer Organe, die häufiger bei bestehender Hepatitis-C-Infektion vorkommen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Arzt wird genau nach vorliegenden und früheren Beschwerden fragen und sich ein Bild über mögliche Risikofaktoren machen (z. B. Drogenkonsum). Eine sorgfältige körperliche Untersuchung ergänzt die Informationen für den Arzt. 

Die Diagnose wird aufgrund einer Blutuntersuchung gestellt. Mithilfe von Leberfunktionstests lässt sich die Erkrankung der Leber feststellen. Der Fund von Hepatitis-C-Antikörpern (HCV-Antikörper) und der Nachweis von Viruspartikeln (HVC-RNA) im Blut durch verschiedene spezielle Tests bestätigen die Diagnose.

Um die Funktionsfähigkeit der Leber zu überprüfen, wird der Arzt im Blut bestimmte Lebermarker sowie Werte bestimmen lassen, die Auskunft über das Blutgerinnungssystem geben. In der Regel wird zudem überprüft, ob gleichzeitig andere Virusinfektionen (z. B. Hepatitis A, B, D, E oder HIV) vorliegen und wie funktionsfähig die anderen Organe sind. Ultraschall oder andere bildgebende Verfahren sind sinnvoll, um das Lebergewebe (ggf. auch andere Organe im Bauch) genauer zu untersuchen und evtl. Hinweise auf einer Leberzirrhose oder ein Karzinom zu finden. In manchen Fällen ordnet der Arzt eine Gewebeentnahme aus der Leber an zur genaueren Untersuchung im Labor; dies ist jedoch derzeit nicht mehr so oft nötig wie früher, u. a. weil die Bluttests genauer geworden sind.

Hat der Arzt eine Hepatitis C festgestellt, muss er dies dem Gesundheitsamt melden.

Therapie

Es gibt einige Dinge, die Sie beachten sollten, um eine Infektion zu vermeiden:

  • Drogenkonsumenten sollten ihr Spritzbesteck nicht mit anderen teilen. Hepatitis-C-Viren können in gebrauchten Spritzen bis zu 2 Monate lebensfähig bleiben.
  • Bei Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern oder bei unbekanntem Infektionsstatus sollten Sie ein Kondom benutzen.

Gegen die akute Infektion mit dem Virus gibt es keine spezifische Behandlung. Auch finden sich keine Impfstoffe gegen das Hepatitis-C-Virus (weder aktiv noch passiv). Eine akute Hepatitis-C-Virusinfektion heilt bei 20–50 % der Betroffenen ohne spezielle Behandlung. Es gibt zwar Medikamente für den Einsatz bei einer akuten Infektion, meist wird aber abgewartet, ob sich ein chronischer Verlauf entwickelt. Ausgehend davon wartet man häufig mindestens 12 Wochen nach einer akuten Hepatitis-C-Infektion ab, bevor man entscheiden kann, ob die Infektion chronisch verläuft und entsprechend behandelt werden sollte.

Bezüglich des Infektionsverlaufs herrschen große individuelle Unterschiede. Viele sind beschwerdefrei, die Infektion wird aber durch Zufall entdeckt, weil über eine Blutprobe anomale Leberwerte festgestellt werden. Bei anderen ist die Leberentzündung aktiver und von Beschwerden begleitet, einem geschwächten Allgemeinzustand, möglicher Gelbsucht und anderen eventuellen Krankheiten infolge eines geschwächten Immunsystems.

Das Ziel der Behandlung einer chronischen Infektion besteht darin, die Zerstörung der Leber aufzuhalten und damit einem Leberversagen und Leberkrebs vorzubeugen. Der Behandlungsplan ist individuell und hängt ab vom Virustyp (das Virus existiert in 6 Varianten: den Genotypen 1–6), vom Grad der bereits eingetretenen Veränderung des Lebergewebes (Fibrose, Zirrhose) und vom Grad der Leberentzündung. Weitere bedeutende Faktoren sind das Alter des Patienten, der Zeitpunkt der Infektion und eventuelle andere Begleiterkrankungen (v. a. andere Leberinfektionen und -erkrankungen und HIV sowie Nierenkrankheiten).

Die Behandlung besteht aus Therapiezyklen mit Kombinationen aus mehreren verschiedenen Medikamenten und dauert normalerweise 3–6 Monate. In den letzten Jahren wurden viele neue, sehr wirksame Medikamente gegen die chronische Hepatitis-C-Infektion entwickelt, es kommen immer noch weitere hinzu. Diese neuen Wirkstoffe sind besser verträglich als das seit Langem genutzte Interferon, dennoch sind sie natürlich immer noch bei manchen mit unerwünschten Wirkungen verbunden (Müdigkeit, Kopfschmerzen, Hautausschlag u. a.). Im Einzelfall wird Ihr Arzt Sie genau beraten. Die Kombinationstherapien sind sehr effektiv und ermöglichen bei 80–90 % der Patienten eine Heilung. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind jedoch empfehlenswert. Allerdings dürfen die neuen Wirkstoffe nicht während der Schwangerschaft angewendet werden; bei Kindern gelten besondere Empfehlungen. 

Ist eine Leberzirrhose schon sehr weit fortgeschritten, bietet sich in manchen Fällen eine Organtransplantation als Möglichkeit.

Wie verläuft eine Hepatitis C?

Der Verlauf einer Hepatitis-C-Infektion ohne medikamentöse Behandlung ist nur teilweise bekannt. Man geht davon aus, dass etwa 25 % der Betroffenen das Virus von selbst effektiv bekämpfen können, während der Rest eine chronische Infektion entwickelt. Belegt ist, dass sich bei ca. 20 % der Patienten mit chronischer Hepatitis C innerhalb von 20 Jahren nach der Infektion eine Schrumpfleber herausbildet; und der Anteil steigt proportional zur vergangenen Zeit seit der Ansteckung. Risikofaktoren für ein schnelles Fortschreiten einer Leberzirrhose sind: Männliches Geschlecht, hohes Alter, höheres Alter bei Infektion, hoher Alkoholkonsum und leicht erhöhte Blutzuckerwerte (reduzierte Insulinempfindlichkeit als Hinweis auf beginnenden Diabetes mellitus). Langfristig riskieren diese Patienten also die Notwendigkeit einer Lebertransplantation oder den Tod durch Leberversagen oder Leberkrebs.

Im Lauf der letzten Jahre ist die medikamentöse Behandlung bedeutend besser geworden. Mehr als 80 % der heute Behandelten können mit ihrer Gesundung rechnen. Man geht davon aus, dass bis auf einige wenige alle Fälle von Hepatitis C behandelt und auch geheilt werden können.

Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen

1. Präventive Maßnahmen

Gegen das Hepatitis-C-Virus gibt es keine Schutzimpfung; selbst wer eine Hepatitis C durchgemacht hat und entsprechende Antikörper im Blut aufweist, ist nicht immun, sondern kann sich erneut mit dem Virus anstecken und erkranken.

Daher lässt sich eine HCV-Infektion nur dadurch vermeiden, dass man die Gefahr einer Ansteckung möglichst niedrig hält. Daher gilt: Safer-Sex-Praktiken und bei Drogenkonsumenten keine gemeinsame Verwendung von Nadeln und Besteck sind entscheidend. Risikogruppen sollten sich zudem ggf. gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Hinsichtlich der Übertragung durch Blutprodukte gilt: Spender werden sorgfältig ausgewählt und untersucht, alle Spenden genau getestet. Im Gesundheitsdienst Beschäftigte sind je nach ihren Tätigkeiten einem etwas erhöhten HCV-Risiko ausgesetzt. Wichtig ist es natürlich, Hygieneregeln genau einzuhalten (Handschuhe, Schutzkleidung, sorgsamer Umgang mit Nadeln etc.).

Wer in Deutschland mit einem Beruf beginnt, bei dem er mit Patienten oder Patientenmaterial Kontakt hat, soll zuvor klären, ob er evtl. bereits mit HCV infiziert ist. Dies wird regelmäßig erneut untersucht. Dies ist besonders wichtig für Ärzte, die z. B. invasive Eingriffe an Patienten vornehmen, und diese dabei anstecken könnten. Hier sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Auch wenn das Risiko gering ist, HCV von der Mutter auf das ungeborene Kind zu übertragen, gilt: Ist die Mutter chronisch infiziert, sollten Eingriffe vor der Geburt unterbleiben (z. B. Untersuchung des Fruchtwassers), da es auch hierbei zur Infektion des Fetus kommen kann. Ein Kaiserschnitt senkt die Infektionsgefahr nicht. Stillen ist möglich, allerdings sollten Mütter dafür sorgen, dass sie keine Wunden an den Brustwarzen haben.  

Eine effektive Desinfektion ist ebenfalls zur Vorbeugung sehr wichtig. Das Hepatitis-C-Virus wird durch Temperaturen von 95 °C über 5 Minuten (feuchte Hitze) abgetötet. Oberflächen müssen mit geeigneten Desinfektionsmitteln behandelt werden; auch Mittel zur Händedesinfektion sollten zumindest als „begrenzt viruzid" ausgewiesen sein.

2. Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen

Wer eine chronische Hepatitis-C-Infektion hat, sollte sich beim Arzt regelmäßig über die aktuellen Therapieempfehlungen informieren lassen, da es immer mehr neue zugelassene Wirkstoffe gibt. Die Leberfunktion und andere Befunde sollten regelmäßig überprüft bzw. erhoben werden. Wer nicht gegen Hepatitis A und B geimpft oder immun ist, sollte sich impfen lassen, da diese Infektionen den Verlauf der Hepatitis C verschlimmern können. 

Bei der Pflege der Patienten sind die allgemein empfohlenen Hygienemaßnahmen besonders genau zu beachten.

Wer eine Hepatitis-C-Infektion durchgemacht und keine Beschwerden mehr hat, kann in der Regel Kindergarten, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen wieder besuchen. Dies gilt jedoch z. B. nicht für Personen, die etwa aufgrund psychischer Störungen aggressiv sind und beißen/kratzen oder solchen, die an einer Bluterkrankheit oder offenen Hauterkrankung leiden. Hier sollten Arzt und Gesundheitsamt eine individuelle Entscheidung treffen.

Wohnt eine Person mit Hepatitis-C-Infektion zusammen mit anderen (Familie, Pflegeeinrichtung u. Ä.), sind Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: Es kann nämlich durch Blutspuren z. B. an einer Rasierklinge zur Ansteckung anderer kommen. Daher dürfen solche Gegenstände (auch Nagelschere etc.) nicht gemeinsam verwendet werden. 

Das sexuelle Übertragungsrisiko ist gering, aber nicht unmöglich. Kondomgebrauch ist bei sexuellen Kontakten mit häufig wechselnden Partnern zu empfehlen. In festen Partnerschaften mit einem chronisch HCV-positiven Partner kann man im Einzelfall anders darüber entscheiden.

3. Maßnahmen bei Ausbrüchen

Bei Ausbrüchen von Hepatitis-C-Erkrankungen sollten Experten bzw. das Gesundheitsamt sofort beginnen, nach der Ursache und Infektionsquelle zu suchen, um eine weitere Verbreitung einzudämmen. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen