Gastritis

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Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Was ist Gastritis und wie äußert sie sich?

Gastritis ist der Fachbegriff für eine Entzündung der Magenschleimhaut. Diese Diagnose lässt sich erst korrekt stellen, wenn der Magen durch eine Magenspiegelung mit Probeentnahme (Biopsie) untersucht wurde und sich entzündliche Veränderungen der Magenschleimhaut nachweisen ließen. Eine Gastritis kann ganz ohne Beschwerden vorhanden sein, aber auch mit Magenschmerzen und Verdauungsbeschwerden sowie Sodbrennen (bei zusätzlicher Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut) oder auch Magenblutungen einhergehen.

Magenbeschwerden und ähnliche Symptome können auch ohne organische Ursache bestehen, dann spricht man von einer sog. funktionellen Dyspepsie (Reizmagen). Eine funktionelle Dyspepsie kann auch zusätzlich zu einer Gastritis vorliegen.

Ursachen

Grundsätzlich können alle Faktoren eine Gastritis hervorrufen, die die Schleimhautzellen des Magens schädigen: Das Bakterium Helicobacter pylori ist bei 48 % der Erwachsenen in Deutschland nachweisbar (in Entwicklungsländern häufiger) und verursacht bei einigen eine Gastritis. Alkohol, der Rückfluss von Galleflüssigkeit in den Magen (statt in den Darm), Schmerzmittel wie Diclofenac, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen oder manche andere Medikamente sowie eine Autoimmunkrankheit sind weitere mögliche Ursachen für eine Gastritis. Zudem entwickelt sich diese Entzündung oft bei schwerkranken Patient*innen (z. B. auf der Intensivstation) als Folge von Stress und Angst.

Auch die lang andauernde Einnahme sog. Protonenpumpenhemmer (PPI) kann eine Schädigung hervorrufen: Eigentlich sind diese Medikamente als Magenschutz gedacht, weil sie die Säureproduktion einschränken. Falls aber bei einer Patientin/einem Patienten die Schleimhaut sehr dünn (geworden) ist und PPI über lange Zeit einwirken, kann dies selten zu einem verstärkten Wachstum mancher Bakterien führen. Folge ist dann eine sog. phlegmonöse Gastritis. Ein solches Bakterienwachstum kann manchmal auch die Folge von anderen Schäden der Schleimhaut sein (z. B. Krebs, ein Fremdkörper, ein Magengeschwür).

Symptome und Beschwerden

Die Magenschleimhaut hat verschiedene Funktionen: Vor allem schützt sie den restlichen Magen vor der aggressiven Salzsäure, die im Rahmen der Verdauung im Magen freigesetzt wird. Zudem wird hier der sog. Intrinsic Factor produziert, der für die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung in den Körper wichtig ist.

Eine Schädigung der Schleimhautzellen führt daher zu Schmerzen wegen der Säurewirkung. Diese können auch bis in die Speiseröhre ausstrahlen und hinter dem Brustbein zu spüren sein. Typsicherweise treten diese Schmerzen nach dem Essen auf (wenn die Salzsäure produziert wird), oft begleitet von saurem Aufstoßen und Übelkeit. Viele Betroffene klagen zudem über Appetitlosigkeit. Bei einer chronischen Gastritis zeigen sich häufig zunächst nur leichte oder keine Symptome.

Aufgrund der reduzierten Vitamin-B12-Aufnahme kann eine Gastritis, insbesondere eine Autoimmungastritis, langfristig zu einem Mangel an Vitamin B12 führen. Dies kann mit Konzentrationsstörungen oder anderen neurologischen Symptomen einhergehen.

Falls es durch die Gastritis zu ständigen kleinen Magenblutungen gekommen ist, liegt oft eine Blutarmut (Anämie) vor. Zeichen hierfür sind schnelle Ermüdung, Abfall der Leistungsfähigkeit, sehr blasse Haut. Wenn zusätzlich ein Magengeschwür besteht, kann dieses auch stark bluten: Blutiges Erbrechen und/oder schwarzer Stuhl sind dann Warnsignale und erfordern eine schnelle ärztliche Behandlung.

Diagnostik

Der Verdacht auf eine Gastritis ergibt sich zunächst aus den beschriebenen Beschwerden; diese können aber auch vorhanden sein, ohne dass eine Gastritis besteht (sog. funktionelle Dyspepsie). Die Ärztin/der Arzt wird zudem nach verschiedenen Risikofaktoren fragen, die eine Gastritis begünstigen, z. B. Alkoholmissbrauch, langfristige Einnahme von Medikamenten, v. a. Schmerzmitteln (NSAR), frühere Magenkrankheiten, frühere Operationen an Magen, Darm oder Gallenblase u. a. Wichtig ist es auch, auf mögliche Zeichen für eine Magenblutung zu achten, z. B. auffällig blasse Haut, rasche Erschöpfbarkeit wegen Blutarmut oder das Auftreten von schwarzem Stuhl (Teerstuhl).

Eine sorgfältige körperliche Untersuchung kann Hinweise auf andere Krankheiten geben, die Ursache für die Gastritis sein können oder mit ihr einhergehen. Blutwerte geben Auskunft über eine evtl. vorliegende Blutarmut sowie Vitamin-B12-Mangel; der evtl. Nachweis von Helicobacter pylori (z. B. im Blut oder Stuhl oder über einen Atemtest) ist ebenfalls wichtig. Eine Ultraschalluntersuchung hilft, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen

Entscheidend für eine abschließende Diagnose ist eine Magenspiegelung mit Biopsie der Schleimhaut. Zeigt sich die Magenschleimhaut verändert, so kann bei der Untersuchung auch der Schweregrad der Gastritis eingeschätzt werden. Die Gewebeprobe kann auch auf Helicobacter pylori untersucht werden. Bei einigen Patient*innen besteht zusätzlich ein Magengeschwür, selten Magenkrebs. In manchen Fällen ist es sinnvoll, zusätzlich eine Computertomografie (CT) anzufertigen.

Therapie

Lässt sich eine Krankheit als Ursache für die Gastritis finden, wird diese entsprechend behandelt. Im Falle einer Helicobacter-pylori-Gastritis wird eine Kombination mehrerer Antibiotika und zusätzlich ein Protonenpumpenhemmer (PPI) über einige Wochen empfohlen. Sind Schmerzmittel oder Alkohol bzw. andere magenschädigende Substanzen der Auslöser, ist es wichtig, den Alkoholkonsum stark einzuschränken und auf Schmerzmittel zu verzichten bzw. andere Schmerzmittel zu nutzen (Paracetamol oder sog. Coxibe), die die Magenschleimhaut nicht schädigen. Bis zur Abheilung ist die Einnahme von PPI hilfreich, dies ist auch bei einem Rückfluss von Galleflüssigkeit zu empfehlen.

Besteht bei Autoimmungastritis ein Vitamin-B12-Mangel, wird die Ärztin/der Arzt Vitamin B12 verordnen. Bei Hinweisen auf eine leichte Magenblutung sind während der Therapie regelmäßige Kontrollen wichtig, um sicher zu sein, dass die Gastritis abheilt und die Blutungen aufhören. Bei einer starken Blutung (etwa bei einem zusätzlichen Magenulkus) oder einer phlegmonösen Gastritis ist ggf. eine Therapie in einer Klinik erforderlich.

Zusätzlich ist es oft hilfreich, die Ernährung etwas umzustellen. Häufig werden die Magenschmerzen ausgelöst durch scharfe Gewürze, Alkohol, Kaffee, scharf Gebratenes oder Geräuchertes, sehr fetthaltige oder sehr süße Mahlzeiten. Alternativen sind also gekochtes, leicht gewürztes mageres Fleisch, Kartoffeln, Reis, Nudeln, gedämpftes Gemüse etc.

Prognose

Wird eine Gastritis nicht behandelt und besteht über längere Zeit, können Magengeschwüre und -krebs, Blutungen mit Blutarmut sowie Vitamin-B12-Mangel mit den entsprechenden Beschwerden die Folge sein.

Eine Helicobacter-Gastritis lässt sich in der Regel heilen; ggf. muss nach einer üblichen Therapie eine erweiterte Behandlung erfolgen, um den Erreger ganz zu beseitigen. In den anderen Fällen bessert sich die Gastritis in der Regel deutlich, wenn die Betroffenen auf Alkohol verzichten und die Einnahme von Schmerzmitteln beenden bzw. auf andere Präparate umstellen.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden