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Durch NSAR verursachtes Magengeschwür

Patienten, die auf die Behandlung mit NSAR angewiesen sind, müssen darauf hingewiesen werden, dass als Nebenwirkung Magenbeschwerden (bis hin zu schweren Komplikationen) auftreten können.

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Was sind NSAR?

NSAR steht für nichtsteroidales Antirheumatikum (entzündungshemmendes Medikament). Eine andere Bezeichnung ist nichtsteroidales Antiphlogistikum. Dazu zählen z. B. Ibuprofen oder Diclofenac. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Arzneimitteln, die insbesondere zur Entzündungshemmung im Bewegungsapparat, d. h. in Muskeln, Sehnen und Gelenken, eingesetzt werden. Zudem wirken NSAR gut gegen Schmerzen. Diese Art von Arzneimitteln enthält keine Steroide (Kortison), die mit einer Reihe anderer Nebenwirkungen einhergehen. Bei den mit NSAR behandelten Entzündungen im Bewegungsapparat handelt es sich nicht um Entzündungen (Infektionen), die durch Bakterien oder Viren verursacht werden. Vielmehr sind es entzündliche Prozesse des Gewebes, die häufig infolge von Überlastung oder Reizung des Gewebes oder im Rahmen einer entzündlichen Krankheit (z. B. Rheuma) auftreten. Infolgedessen sind Antibiotika (z. B. Penicillin), die gegen bakterielle Infektionen gerichtet sind, bei solchen Belastungsschäden wirkungslos.

NSAR-Präparate entfalten ihre entzündungshemmende Wirkung v. a. dadurch, dass sie zwei bestimmte Enzyme namens Zyklooxygenase-1 und -2 (COX1/2) hemmen. Vor allem COX2 ist an vielen Prozessen beteiligt, die eine Entzündung aufrechterhalten: eine Blockade dieses Enzyms durch NSAR dämmt die Entzündung also ein. Rötung, Überwärmung und Schwellung des Gewebes gehen zurück, damit auch die Schmerzen. COX1 allerdings hat eine andere wichtige Funktion: Dieses Enzym ist daran beteiligt, den Schutz der Magenschleimhaut vor den Verdauungssekreten zu gewährleisten. Wird es blockiert, steigt das Risiko für Magenschleimhautschäden und -geschwüre. 

Salicylate (wie Acetylsalicylsäure, ASS) verfügen über ähnliche Eigenschaften wie NSAR, jedoch ist ihre Wirkung häufig weniger stark. Anders als NSAR haben sie jedoch zusätzlich zur entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung auch den Effekt, das Blut zu „verdünnen", also Blutgerinnseln vorzubeugen und dadurch Blutungen zu verlängern.

Was ist ein Magengeschwür?

Bei einem Magengeschwür handelt es sich um eine Schädigung der schützenden Schleimhaut von Magen oder Zwölffingerdarm (siehe Abbildung). Es wird meist mittels Gastroskopie (Magenspiegelung) diagnostiziert. Die meisten Fälle von Magengeschwüren sind auf eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori zurückzuführen. Ein Viertel aller Magengeschwüre tritt jedoch infolge der Anwendung von NSAR und Salicylaten auf; bei einigen Patienten liegt auch zusätzlich noch eine Helicobacter-pylori-Infektion vor. Diese Arzneimittel können zum einen selbst zu Erosionen der Schleimhaut führen, zum anderen setzen sie (wie oben beschrieben) den Schutz der Schleimhaut herab: Als Folge können eine oder mehrere verschieden große bzw. tiefe Schleimhautschäden im Magen oder Zwölffingerdarm entstehen. Wenn das Magengewebe nicht mehr von der Schleimhaut bedeckt wird, kann die Magensäure dort ungehindert „angreifen" und weitere Schäden verursachen. Sobald in der Schleimhaut auch ein Blutgefäß geschädigt wird, kommt es zu kleinen oder auch massiven Blutungen.

Üblicherweise klagen die Betroffenen zunächst über Sodbrennen und Schmerzen wegen der geschädigten Schleimhaut oder eines kleinen Geschwürs. Typischerweise bessern sich die Beschwerden beim aufrechten Sitzen/Stehen und mit einer Mahlzeit. Nach längerem Verlauf können Gewichtsabnahme oder auch bei ständig kleinen Blutungen Blutarmut hinzukommen. Magengeschwüre können aber auch plötzlich Beschwerden verursachen und schnell zu beängstigenden Situationen mit blutigem Erbrechen führen. Aufgrund der schmerzstillenden Eigenschaften dieser Arzneimittel kann die Entwicklung von Magengeschwüren über eine längere Zeit verschleiert werden. Das Magengeschwür wird oft erst dann entdeckt, wenn Blutungen auftreten. Bei Patienten mit blutendem Magengeschwür handelt es sich häufig um ältere Menschen, bei denen sich die Blutungsstillung als schwierig erweisen kann. Stark blutende Magengeschwüre können v. a. für ältere Menschen oder solche mit anderen Begleitkrankheiten) lebensgefährlich sein.

Die verschiedenen NSAR sind Studien zufolge mit verschieden hohen Risiken für Magen-/Darmgeschwüre bzw. Blutungen assoziiert, wobei das Risiko im Vergleich zu Patienten ohne NSAR-Medikation um den Faktor 1,5 bis 7 steigt. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Patienten NSAR zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten einnehmen. Dazu zählen ASS, Kortison und auch bestimmte Psychopharmaka namens SSRI (selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer). Das Risiko eines Menschen für ein Magen-/Darmgeschwür ist zudem vergleichsweise höher, wenn dieser raucht und/oder ein naher Familienangehöriger ebenfalls an Magengeschwüren leidet.

Therapie von durch NSAR verursachten Magengeschwüren

Falls ein Patient unter der Einnahme von NSAR und/oder Salicylaten ein Magengeschwür entwickelt, müssen die Präparate abgesetzt werden, falls dies möglich ist. Darüber hinaus erhalten die Patienten Medikamente (Protonenpumpenhemmer oder PPI) zur Hemmung der Magensäureproduktion, denn diese würde das Gewebe weiter schädigen. Unter einer PPI-Therapie wird die Magensäureproduktion häufig für die Dauer der Behandlung vollständig aufgehoben. Dies ist wichtig, damit die Magenschleimhaut wieder abheilen kann. Die Therapie mit PPI dauert in der Regel 6 bis 8 Wochen. Anschließend sollte eine Abheilung des Magengeschwürs erreicht sein.

Gelegentlich wird eine gleichzeitige Infektion mit Helicobacter pylori aufgedeckt. In solchen Fällen kann nicht immer eindeutig abgeklärt werden, ob das Magengeschwür durch die Infektion oder die Nebenwirkungen von Arzneimitteln verursacht wird. In jedem Fall wird jedoch diese Infektion zusätzlich mit einer Kombination verschiedener Antibiotika behandelt werden (Tripel-Therapie über meist mindestens 2 Wochen).

Falls es bereits zu einer deutlichen oder sogar schweren Magen-/Darmblutung oder gar einem Riss des Magens (Perforation) gekommen ist, muss der Betroffene ggf. im Krankenhaus oder gar intensivmedizinsich behandelt werden. In schweren Fällen ist eine notfallmäßige Operation nötig, um die Blutung zum Stillstand zu bringen. Auch diese Maßnahmen können in manchen Fällen den Patienten aber nicht retten.

Ist die akute Krankheit behandelt, werden nach einigen Wochen Kontrolluntersuchungen empfohlen. Der Arzt wird untersuchen, ob die Magenschleimhaut abgeheit ist und prüfen, dass sich kein Krebs im Magengeschwür entwickelt hat (das ist in Einzelfällen möglich). Im Falle einer Helicobacter-pylori-Infektion wird er zudem sicherstellen, dass diese effektiv behandelt wurde. Außerdem ist es wichtig, die weitere Therapie für Patienten zu planen, die aufgrund ihrer Grunderkrankung weiterhin auf NSAR oder ähnliche Medikamente angewiesen sind.

Vorbeugung von durch NSAR verursachten Magengeschwüren

Patienten, die auf die Einnahmen von NSAR angewiesen sind, müssen darauf hingewiesen werden, dass als Nebenwirkung Magenprobleme auftreten können. Es empfiehlt sich, die Tabletten zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen. Dadurch können Schleimhautschädigungen eingedämmt werden. Die Patienten werden darüber hinaus angewiesen, die Therapie abzubrechen und einen Arzt aufzusuchen, wenn bei Ihnen (starke) Bauchschmerzen auftreten. Bei einer Behandlungsdauer von ein bis zwei Wochen ist das Risiko, ein Magengeschwür zu entwickeln, in der Regel gering. Je länger die Therapie fortdauert und je höher die einzunehmende Dosis ist, desto größer ist das Risiko für ein Magengeschwür.

Rheumatiker sind häufig auf die Einnahme von NSAR zur Behandlung der rheumatischen Beschwerden angewiesen. Bei voraussehbarem hohem Risiko für ein Magengeschwür oder wenn dieses sogar bereits aufgetreten ist und die Behandlung fortgeführt werden muss, sollte der Patient ein Arzneimittel zum Schutz des Magens erhalten. Es stehen unterschiedliche Alternativen zur Verfügung: Meist werden Arzneimittel zur Eindämmung der Magensäure verwendet, zum Beispiel H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer.

Beachten Sie auch, dass die gleichzeitige Gabe von NSAR und anderen Schmerzmitteln oder auch SSRI (Antidepressiva) eine besonders hohe Belastung für die Magenschleimhaut darstellt und diese Kombinationen noch eher zu einem blutenden Magengeschwür führen können.

Neuere NSAR

In den letzten Jahren ist eine neue Gruppe von NSAR auf den Markt gekommen, die mit einem geringeren Risiko für Magengeschwüre verbunden sind. Diese Arzneimittel sind unter der Bezeichnung COX2-Hemmer bekannt. Die Wirkstoffe hemmen nur die COX2, das die Magenschleimhaut schützende Enzym COX1 behält also seine Wirkung. Zwar sind diese Präparate nicht unbedingt mit weniger Magenbeschwerden verbunden, aber es werden seltener Magengeschwüre beobachtet. Allerdings haben COX2-Hemmer andere Risiken, die beachtet werden müssen. Ihr Arzt wird sie zu den verschiedenen Arten der COX2-Hemmer beraten können.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen