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Magenkrebs (Magenkarzinom)

Das Magenkarzinom ist eine bösartige Tumorerkrankung, die in benachbarte Gewebe, Organe im Bauchraum sowie in Lymphknoten übergreifen kann.

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Magen: Anatomie und Funktion

Der Magen ist ein Hohlorgan im oberen Bauchraum direkt unter dem Zwerchfell. Größe und Form sind individuell unterschiedlich. Der Magen hat die Form eines großen „J“. Er besteht aus kräftigem Muskelgewebe und ist innen mit Schleimhaut ausgekleidet. Nach oben mündet der Magen in die Speiseröhre. Unten schließt der Zwölffingerdarm an. Der Magen produziert jeden Tag ca. 2 Liter Magensaft, der zur Aufspaltung der Nahrung beiträgt.

Häufigkeit

Das Magenkarzinom liegt in Deutschland bei Frauen auf Rang 6 und bei Männern auf Rang 5 der häufigsten Todesursachen durch Krebs. Im Jahr 2016 erkrankten in Deutschland etwa 9.300 Männer und 5.840 Frauen, meist im fortgeschrittenen Alter (im Mittel mit 72 Jahren). Weltweit wird seit Jahrzehnten ein stetiger Rückgang der Neuerkrankungen und der Sterblichkeit bei Magenkrebs beobachtet. Im Verhältnis werden jedoch mehr Karzinome im Bereich des Übergangs zur Speiseröhre diagnostiziert. Ein Magenkarzinom ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung. Je eher sie entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Allerdings verursacht ein Magenkarzinom oft lange Zeit kaum Symptome, sodass der Tumor in vielen Fällen erst recht spät festgestellt wird.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Magenkarzinom entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum auf der Basis von zunächst kleinen Veränderungen der Zellen der Magenschleimhaut. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle, dazu zählen: Ernährungsgewohnheiten wie z. B. der häufige Verzehr geräucherter, stark gesalzener, tierischer oder unzureichend gekühlte Lebensmittel. Zudem tragen häufiger Alkoholkonsum und Tabakgenuss zu einem erhöhten Risiko bei. Auch bei Personen mit deutlichem Übergewicht und damit assoziierter Refluxkrankheit (Sodbrennen) wird im Vergleich häufiger ein Magenkarzinom diagnostiziert. Wer sich aus anderen Gründen einer bestimmten Magenoperation (Billroth-II-Operation) unterziehen musste, unterliegt ebenfalls einem erhöhten Risiko für Magenkrebs. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle; es gibt Erbkrankheiten (z. B. das Lynch-Syndrom oder Peutz-Jeghers-Syndrom) bei denen die Betroffenen vermehrt an Magen- und Darmkrebs leiden. Verwandte 1. Grades von Magenkrebs-Erkrankten haben ein 2- bis 3-fach höheres Risiko als die Allgemeinbevölkerung. Auch ein niedriger sozioökonomischer Status, das männliche Geschlecht, ein hohes Alter und die Blutgruppe A prädisponieren für das Magenkarzinom.

In den letzten Jahren stellte sich heraus, dass auch die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori die Entstehung von Magenkarzinomen fördert. Dieser Keim führt zu einer chronischen Entzündung und Schädigung Magenschleimhaut. Die Infektion lässt sich, falls erkannt, mit Antibiotika heilen. Auch Personen mit einer bestimmten Art von Blutarmut (perniziöse Anämie), die durch eine Erkrankung des Magens bedingt ist, erkranken im Vergleich häufiger an Magenkrebs.

Symptome

  • In der Anfangsphase eines Magenkarzinoms bestehen häufig keine Beschwerden.
  • Mit der Zeit treten Symptome wie bei einem übersäuerten Magen oder Magengeschwür (Gastritis) in Erscheinung.
  • Typisch sind in dieser Phase Übelkeit, Unwohlsein im Bereich unterhalb des Rippenbogens, vorzeitiges Sättigungsgefühl, saures Aufstoßen und Sodbrennen. Diese Beschwerden werden sehr häufig in der Bevölkerung beobachtet und sind meist harmlos. Treten sie jedoch ab einem Alter von 40–50 Jahren erstmalig auf, sollte der Verdacht auf ein Magenkarzinom gelenkt werden.
  • Die Spätphase ist durch Appetitverlust, Probleme beim Schlucken, Erbrechen, Gewichtsverlust und Anämie (Blutarmut) gekennzeichnet. Treten solche Warnsymptome auf, sollte rasch eine ärztliche Untersuchung erfolgen, falls noch keine Diagnose gestellt wurde.
  • Bei Erbrechen von Blut oder Blut im Stuhl sollten rasch entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden, um eine mögliche Krebserkrankung auszuschließen.

Diagnostik

Das ärztliche Personal wird genau nach Art und Dauer der Beschwerden fragen und Sie untersuchen. In einigen Fällen löst der Tumor einen Druckschmerz über der Magenregion aus. Ansonsten werden Sie auf Zeichen einer Blutarmut (z.B. Blässe) und Tumorkachexie (Gewichtsverlust durch bösartigen Krebs) untersucht. Gelegentlich sind auch vergrößerte Lymphknoten im Bereich des Schlüsselbeins, der Achselhöhle oder im Bereich des Nabels feststellbar.

Bei Verdacht auf Magenkrebs erfolgt die weitere Diagnostik durch Spezialist*innen. Die genaue Untersuchung einer Gewebeprobe sowie Beurteilung darüber, wie weit sich der Tumor bereits ausgedehnt hat, ist wie bei allen Organtumoren entscheidend für die individuelle Auswahl der am besten geeigneten Therapie.

Bei begründetem Verdacht auf Magenkarzinom wird in den meisten Fällen zuerst eine Gastroskopie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung, bei der ein dünner Schlauch mit einer Spiegeloptik in den Magen eingeführt wird. Am Ende des Schlauchs befindet sich eine Kamera, mithilfe derer die Magenschleimhaut genau beurteilt werden kann. Mit zusätzlichen Instrumenten können Gewebeproben aus allen verdächtigen Läsionen der Magenregion entnommen werden. Diese werden anschließend von Patholog*innen untersucht, um den Tumor nachzuweisen bzw. auszuschließen.

Darüber hinaus werden sog. Staging-Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob der Magenkrebs bereits gestreut hat und in anderen Körperregionen nachweisbar ist. Hierfür wird eine CT-Untersuchung von Brustkorb, Bauch und Becken empfohlen. Bei einer Ultraschalluntersuchung können u.a. Lebermetastasen oder Metastasen in Halslymphknoten detektiert werden. Bei der oralen Endosonografie wird die Eindringtiefe des Magenkrebs bestimmt und auch die Lymphknoten in dieser Region beurteilt. In einigen Fällen wird auch eine Szintigrafie durchgeführt. In fortgeschrittenen Stadien dient die Laparoskopie (Schlüssellochchirurgie) zum Ausschluss weiterer Metastasen im Bauchraum.

Therapie

Die Therapieplanung erfolgt multidisziplinär durch ein qualifiziertes "Tumorboard" bei dem Spezialist*innen aus verschiedenen Fachrichtungen (z.B. Onkologie, Radiolgie, Pathologie) jeden Einzelfall beraten und eine Therapieempfehlung abgeben. Wenn immer möglich, erfolgt die Behandlung im Rahmen klinischer Studien.

Operative Therapie

Vorrangiger und einziger zur Heilung der Erkrankung geeigneter Therapieansatz ist die Operation. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors samt Lymphknoten der Region. Für die Therapie eines Magenkarzinoms stehen unterschiedliche chirurgische Ansätze zur Verfügung. Welches chirurgische Verfahren gewählt wird und ob eine Operation überhaupt möglich ist, hängt von der Lokalisation des Karzinoms im Magen und vom Ausmaß des Tumors ab. Bei Magenfrühkarzinomen kann der Tumor womöglich noch endoskopisch reseziert werden. Bei fortgeschrittenen Befunden wird der Magenn teilweise (subtotale Magenresektion) oder vollständig (Gastrektomie) entfernt. Die laparoskopische oder offene Chirurgie sind in diesem Zusammenhang als gleichwertig zu betrachten. Bei einer vollständigen Magenentfernung wird die Speiseröhre anschließend direkt mit dem Dünndarm verbunden. Wenn die Lymphknoten im Bereich der Milz befallen sind, werden diese ebenfalls entfernt. Unter Umständen muss auch ein Teil der Bauchspeicheldrüse, evtl. auch anderer Organe, entnommen werden.

Nach der Operation wird eine Untersuchung des entnommenen Gewebes durchgeführt. Bei einer unvollständigen Resektion des Tumors oder bei einem Rezidiv kann eine weitere Operation folgen.

Ist ein Magenkrebs schon weit fortgeschritten, kommen unter Umständen auch andere unterstützende chirurgische Maßnahmen zum Einsatz, etwa um die Nahrungspassage durch die Speiseröhre und den Magen offen zu halten.

Chemotherapie

In vielen Fällen von Magenkrebs wird vor und/oder nach dem chirurgischen Eingriff eine Chemotherapie verabreicht. Dieses Vorgehen verbessert die Heilungschancen; es stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. Perioperativ bietet aktuell (Stand 07/2020) das FLOT-Schema die längste progressionsfreie Überlebenszeit und Gesamtüberlebenszeit. FLOT steht für die Kombination aus 5-Fluorouracil, Folinsäure, Oxaliplatin und Docetaxel.

Eine Chemotherapie kann auch eingesetzt werden, um die Krankheit vorübergehend zu stoppen und Symptome zu lindern. Dieser Ansatz (palliative Therapie) wird gewählt, wenn eine Heilung nicht zu erreichen ist, die Beschwerden aber natürlich dennoch möglichst effektiv gelindert und die Überlebenszeit möglichst verlängert werden sollen. Unter einer palliativen Chemotherapie sollte alle 6-12 Wochen eine Reevaluation erfogen um negative Entwicklungen der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und Betroffene nicht unnötig lange unwirksamen Therapien auszusetzen bzw. die Chance auf wirksamere Therapien zu ermöglichen.

Strahlentherapie

Bestrahlung wird nicht routinemäßig zur Therapie beim Magenkarzinom eingesetzt. Allerdings wird eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung (Radiochemotherapie) z. B. bei Personen eingesetzt, bei denen der Krebs auf den Magen oder Magen-Speiseröhre-Übergang begrenzt ist, sich aber trotzdem nicht operieren lässt. Auch wenn nach der Operation noch Tumorgewebe vorhanden ist, kann eine Bestrahlung zusammen mit einer Chemotherapie angezeigt sein.

Komplementäre Therapie

In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung des Magenkarzinoms werden chinesische Kräutermischungen nicht empfohlen. Die Misteltherapie kann lediglich mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität, nicht aber der Lebensverlängerung angewendet werden. Gleiches gilt für achtsamkeitsbasierte Verfahren/Mind-Body-Medizin, die auch zur Linderung von Ängsten und Stress dienen. Probiotika können bei Diarrhö eingesetzt werden, allerdings besteht bei immunsupprimierten Patient*innen die Gefahr einer Blutvergiftung. Daher ist hier besondere Vorsicht geboten.

Komplikationen

Durch den Tumor kann es zu Verengungen/Blockaden der Speiseröhre, des Magens oder Darms kommen. Auch Blutungen oder ein Magendurchbruch sind mögliche Gefahren.

Nach der Operation verlieren die meisten Betroffene an Gewicht. In der Regel normalisiert es sich jedoch durch eine angepasste Ernährung nach einiger Zeit wieder. Bei einer vollständigen Entfernung des Magens (Gastrektomie) kann der Patient in den ersten Monaten nach der Operation unter einem „Dumping-Syndrom“ leiden. Diese Beschwerden werden dadurch ausgelöst, dass die Nahrung nicht mehr eine Zeit lang im Magen verbleiben kann, sondern sehr rasch in den Dünndarm entleert wird, was die normalen Verdauungsprozesse stört. Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Zittern, evtl. Kreislaufproblemen und Müdigkeit. Das sogenannte späte Dumping-Syndrom macht sich u.a. durch Schwitzen, Schwäche, niedrigen Blutdruck und Hungergefühl etwa 2 Stunden nach einer Mahlzeit bemerkbar.

Zusätzliche unterstützende Maßnahmen

Bei einer Ernährungsberatung werden Sie zu geeigneter Ernährung auch nach der Magenoperation beraten. Betroffene sollten einem Gewichtsverlust in jedem Fall vorbeugen bzw. diesem entgegenwirken. Nach einer Gastrektomie ist häufig eine lebenslange Vitamin-B12-Substitution notwendig. Gegen Fettstühlen hilft die Einnahme von Pankreasenzymen. Regelmäßige körperliche Bewegung, soweit möglich, trägt oft zu einer besseren Lebensqualität bei. Im gesamten Krankheits- und Behandlungsverlauf profitieren Sie von professioneller psychoonkologischen Unterstützung.

Nachsorge

Empfohlen werden je nach Stadium und Therapie des Karzinoms regelmäßige Kontrolluntersuchungen, zunächst mindestens alle 6 Monate. Nach 2 Jahren kann eine jährliche Untersuchung für weitere 3 Jahre ausreichen. Die genauen Zeiträume werden individuell festgelegt. Die Nachsorge umfässt klinische und endoskopische Kontrollen sowie bildgebende Verfahren.

Prognose

Wie bei den meisten Krebsarten ist das Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose für die Überlebensprognose ausschlaggebend. Von allen Patient*innen mit einem Magenkarzinom leben 5 Jahre nach der Diagnose durchschnittlich noch 32–34%. Wenn das Karzinom in einem frühen Stadium entdeckt wurde und vollständig entfernt werden konnte, liegt die Chance auf Heilung oder ein längeres Überleben insgesamt jedoch deutlich höher. Ist das Magenkarzinom weit fortgeschritten und hat bei Diagnosestellung bereits gestreut, ist die Prognose schlechter.

Vorbeugung

Verschiedene Faktoren können das Risiko für Magenkrebs senken, z. B. eine Ernährung mit reichlich pflanzlichen, wenig tierischen Nahrungsmitteln, ausreichend Sport bzw. körperliche Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, Vermeiden von Rauchen und Alkoholmissbrauch. Bei Risikopersonen mit positivem H.-pylori-Befund wird die eine Eradikation (mittels Antibiotika) zur Vorbeugung des Magenkarzinoms empfohlen. Risikopersonen sind:

  • Erstgradig Verwandte von Magenkarzinom-Patient*innen
  • Patient*innen mit Risikogastritis
  • Patient*innen mit früherer Magenneoplasie.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

  • Organe der Bauchhöhle: Übersicht

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen