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Speiseröhrenkrebs

Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) macht etwa 1 % aller Krebsfälle aus. Jährlich erkranken etwa 4–5 von 100.000 Personen in Deutschland an einem solchen Tumor.

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Was ist Krebs?

Krebs ist eine Erkrankung, bei der sich Zellen eines bestimmten Typs unkontrolliert vermehren. Normalerweise verfügt jede Zelle im Körper über spezielle Mechanismen, die unkontrolliertes Wachstum bzw. Vermehren verhindern. So wachsen alle Zellen nur in dem Ausmaß, in dem es für den Körper gesund ist (etwa im Rahmen des natürlichen Erneuerungsprozesses oder auch nach Verletzungen). Verlieren bestimmte Zellen jedoch diese Mechanismen, kommt es zu einem unkontrollierten Wachstum des betroffenen Zelltyps bzw. Organs, was schließlich andere Organe zerstört und im Verlauf unbehandelt meist zum Tod führt.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Der Speiseröhren- oder Ösophaguskrebs steht für etwa 1 % aller Krebsfälle. In Deutschland werden pro Jahr ca. 4–5 neue Fälle pro 100.000 Einw. diagnostiziert. Die Erkrankung kommt bei Raucher*innen und bei Menschen, die regelmäßig viel Alkohol konsumieren, besonders häufig vor.

Zudem wurde festgestellt, dass Personen mit Beschwerden wie saurem Aufstoßen oder Sodbrennen in höherem Grade gefährdet sind. Manche dieser Patient*innen leiden unter einem sog. Barrett-Ösophagus (einer speziellen Veränderung der Schleimhaut der Speiseröhre) und sind daher anfälliger gegenüber einem bestimmten Krebstyp der Speiseröhre, dem Adenokarzinom – eine Krankheit, die in den letzten Jahrzehnten in der westlichen Welt häufiger geworden ist.

Auch eine chronische Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) stellt einen Risikofaktor dar. Diese Infektion kann symptomfrei bestehen, sie lässt sich mit einem Bluttest feststellen.

Welche Symptome zeigt diese Erkrankung?

Die ersten Symptome sind häufig Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeit. Die Diagnose wird durchschnittlich im Alter von ca. 70 Jahren gestellt. Die Beschwerden sind zunächst diffus, später fällt die Nahrungsaufnahme aufgrund der Schluckstörungen immer schwerer. Infolgedessen verlieren die Patient*innen an Gewicht und der Allgemeinzustand verschlechtert sich. Schmerzen in der Brust und Heiserkeit, also eine Lähmung der Stimmbänder, deuten auf eine Ausbreitung des Tumors in der Brusthöhle (Mediastinum) hin.

Weitere Symptome sind schnelles Sättigungsgefühl seit einigen Wochen, Erbrechen oder Blut im Stuhl und/oder eine Eisenmangelanämie.

Spätere Anzeichen können Brust- oder Rückenschmerzen beim Schlucken, schlechter Atem und Veränderungen an den Fingern sein (Trommelschlegelfinger). Eine Verwachsung oder Fistelbildung zwischen Speiseröhre und Luftröhre führt zu Husten nach dem Schlucken und lässt relativ leicht eine Lungenentzündung entstehen. Das Horner-Syndrom – kleine Pupille, hängende Augenlider, ausbleibendes Schwitzen auf einer Hälfte von Gesichts und Hals – vergrößerte Lymphknoten am Hals bzw. oberhalb der Schlüsselbeine, ständige Brustschmerzen und häufiger Schluckauf sind ebenfalls Kennzeichen eines späten Stadiums.

Aufgrund des immer häufigeren Vorkommens von Adenokarzinomtypen sind vermehrt auch Personen im Alter von 50–60 Jahren von Speiseröhrenkrebs betroffen.

Diagnose

Die hier genannten Symptome sind typisch für eine Diagnose und als Warnzeichen zu verstehen. Um zu einer sicheren Aussage zu gelangen, bedarf es der Gastroskopie (Magenspiegelung). Dabei werden Gewebeproben von der Schleimhaut der Speiseröhre entnommen und mikroskopisch untersucht. Eine Ultraschalluntersuchung und Computertomografie der Speiseröhre und der Brusthöhle sind weitere notwendige Untersuchungen, um festzustellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. In einigen Fällen können zusätzliche bildgebende Verfahren erforderlich sein.

Neben diesen Tests werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um andere Krankheiten auszuschließen, die anfänglich dieser Erkrankung ähneln können. Vor einer eventuellen Operation wird wie bei allen Operationen üblich die Lungen- und Herzfunktion der Patient*innen beurteilt.

Häufig suchen Betroffene erst ärztliche Hilfe, wenn sie deutliche Beschwerden haben. Darum wird die Diagnose oft erst gestellt, wenn der Krebs schon recht groß ist oder sich schon über die Speiseröhre hinaus ausgebreitet hat.

Behandlung

Die Behandlung ist davon abhängig, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Im frühen Stadium kann eine chirurgische Entfernung erfolgen, jedoch ist eine Operation mit Aussicht auf Erfolg nur bei etwa 1/4 der Patient*innen möglich. Eine palliative Operation zur Symptomlinderung wird nur selten durchgeführt.

Bei der Operation kann je nach Größe und Ausdehnung der Tumor mit einem kleinen Teil der Speiseröhre entfernt werden; es kann aber auch nötig sein, die komplette Speiseröhre oder zusätzlich Teile des Magens zu entfernen. Die Ernährung erfolgt dann über eine kleine Sonde, die durch die Bauchhaut direkt in den Magen führt.

Die wichtigsten Maßnahmen der nichtoperativen Behandlung bauen auf die Behandlung mit Zellgiften (Zytostatika) und Bestrahlung auf. Zytostatika, also eine Chemotherapie, können zum einen darauf abzielen, den Krebs vor einer geplanten Operation zu verkleinern, um die Erfolgsaussichten einer Operation zu verbessern. Zum anderen kann eine Chemotherapie auch ohne Operation, nach einer Operation und in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt werden.

Die Speiseröhre kann durch Einsetzen eines Stents offengehalten werden, wenn der Tumor schon recht groß ist, die Speiseröhre deutlich verengt und eine Operation (noch) nicht möglich ist. Übergangsweise oder in der Zeit nach einer Operation erfolgt die Ernährung meist über eine Sonde direkt in den Magen oder Dünndarm.

Prognose

Der Speiseröhrenkrebs ist eine Krebserkrankung mit im Vergleich zu anderen Tumoren schlechten Heilungschancen. Der Zustand der Betroffenen verschlechtert sich in der Regel im Laufe der Zeit recht schnell. Oftmals wird diese Erkrankung erst erkannt, wenn sie schon weit fortgeschritten ist. Die bestmögliche Behandlung zielt dann auf die Linderung der Beschwerden hin. Bei Personen mit der Diagnose Speiseröhrenkrebs verläuft die Erkrankung innerhalb von 2 Jahren zu 85 % tödlich. Knappe 10 % sind 5 Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Um Speiseröhrenkrebs vorzubeugen, ist es wichtig, nicht zu rauchen bzw. damit aufzuhören, nur mäßig Alkohol zu trinken und mit einem Barrett-Ösophagus regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen zu gehen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen