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Juckreiz im Analbereich

Chronischer oder vorübergehender Juckreiz um die Analöffnung herum (analer Juckreiz) tritt häufig auf.

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Was ist Juckreiz im Analbereich?

Juckreiz im Analbereich (Pruritus ani) bezeichnet chronischen oder wiederkehrenden Juckreiz am After (Anus), der Austrittsöffnung des Darmes. Hält dieser länger als 6 Wochen an, spricht man von chronischem Juckreiz. Pruritus ani ist das häufigste Symptom in der Proktokologie. Bis zu 5 % der Bevölkerung ist leiden an Juckreiz im Analbereich. Häufig ist der Verlauf rezidivierend. Das bedeutet, dass die Beschwerden nach vorübergehender Besserung immer wieder auftreten.

Ursachen

Anhaltende Feuchtigkeit in der Analregion kann eine Rolle spielen. Mögliche Ursachen sind lokale Erkrankungen im Analbereich oder gynäkologische Beschwerden. Zu den abwendbaren gefährlichen Verläufen zählen systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Urämie, Lymphome, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und systemische Hauterkrankungen.

Sowohl zu intensive als auch zu nachlässige Körperhygiene können Juckreiz auslösen. Bei zu häufigem Waschen trocknet die Haut aus, weil schützenden Fette der Haut ausgewaschen werden. Als Folge verstärkt sich der Juckreiz. Umgekehrt fördert aber auch eine schlechte oder nachlässige Körperhygiene entsprechende Beschwerden. Durch Kratzen bei Juckreiz wird das Jucken in der Regel noch verstärkt.

Daneben können vermutlich auch Reizstoffe in der Nahrung analen Juckreiz verursachen oder zumindest verstärken. Dies geschieht möglicherweise indirekt über eine veränderte Stuhlkonsistenz. Zu den ungünstigen Stoffen zählen u. a. Kaffee, Tee, Bier, Tomaten und Schokolade. Auch Medikamente spielen als Auslöser eine Rolle, z. B. Zytostatika.

Bei 20–25 % der Betroffenen ist keine Ursache zu finden.

Juckreiz kann als unspezifisches Symptom bei einer Reihe von Erkrankungen im Bereich des Afters und/oder Mastdarms auftreten, z. B bei den folgenden:

Hämorrhoiden

  • Episoden mit hellrotem Blut im Stuhl, das u. U. beim Stuhlgang in die Toilette spritzt.
  • Evtl. tastbare Knötchen im Analbereich
  • Bestätigung der Diagnose durch ärztliche Diagnose, ggf. mit Rektoskopie
  • Die Ursache ist weitgehend ungeklärt.

Analprolaps (Schleimhautvorfall)

  • Bezeichnet einen Vorfall der Schleimhaut des Analkanals.
  • Betrifft den gesamten Bereich des Analkanals oder nur Teile davon.
  • Es sind maximal 2 cm des Mastdarms betroffen.
  • Bei Druck auf den Enddarm kann sich der der Prolaps erneut ausstülpen.

Rektumprolaps (Vorfall aller Darmwandschichten)

  • Bezeichnet einen Vorfall aller Wandschichten des Mastdarms.
  • Der Vorfall kann ca. 10–20 cm lang werden.
  • Durch einer Tastuntersuchung wird versucht, den Mastdarm zurückzuschieben.
  • Bei Druck auf den Enddarm stülpt sich der Prolaps wieder aus.

Analfissur

  • Bezeichnet schmerzhafte Einrisse der Schleimhaut.
  • Betroffenen können das Einreißen u. U. spüren.
  • Häufig ist frisches Blut auf dem Toilettenpapier zu sehen.
  • Führt zu Feuchtigkeit in der Analregion.
  • Tritt sowohl bei kleinen Kindern als auch bei Frauen nach der Geburt au.

Analabszess und Analfistel

  • Ein Analabszess entsteht vorwiegend aus einer akuten Entzündung der Drüsen im Bereich des Anus.
  • Analfisteln entstehen beinahe immer aus einem vorhandenen Analabszess. Der genaue Entstehungsmechanismus ist unbekannt.
  • Die Fistel verläuft häufig vom Analkanal zu der Haut, die um den Anus herum liegt. Die äußere Öffnung kann sichtbar sein.
  • Die Betroffenen klagen über ein Feuchtigkeitsgefühl.
  • Ab und zu entwickeln sich Irritationen der Haut (Ekzeme).

Entzündung des Enddarms (Proktitis), u. a. durch und

  • Die idiopathische Proktitis tritt ohne bekannte Ursache auf.
  • Proktitis bei Colitis ulcerosa: chronischer Durchfall, Blut und Schleim im Stuhl, vor allem bei jüngeren Betroffenen
  • Proktitis bei Morbus Crohn: chronischer Durchfall, Bauchschmerzen und Veränderungen im Bereich rund um den Anus herum

Entzündliche Hauterkrankungen

Durchfall (Diarrhö)

  • Diarrhö unterschiedlicher Ursache kann die Haut und Schleimhaut lokal austrocknen und zu Reizung durch den Gebrauch von Toilettenpapier führen.

Infektionen

Parasiten

  • Madenwürmer
    • auch als Springwurm und Oxyuris vermicularis (Enterobius vermicularis) bezeichnet
    • Tritt am häufigsten bei Kleinkindern auf.
    • intensiver analer Juckreiz in der Nacht
    • Der Wurm ist evtl. im Stuhl oder um Enddarmöffnung zu erkennen.
  • Bandwürmer(Cestoden)
  • Milben
  • Protozoen

Pilze

  • Zu Pilzbefall kann es bei anhaltender Feuchtigkeit, z. B. aufgrund von Fisteln oder Inkontinenz kommen.
  • Ein Pilzbefall tritt fast immer infolge anderer Erkrankungen oder einer Antibiotikabehandlung auf.
  • Häufig sind Kandidosen und Dermatophyten (Tinea).
  • Bei anhaltender Feuchtigkeit aufgrund einer Fistel oder von Harninkontinenz

Bakterien

Viren

Gynäkologische Beschwerden

Bösartige Tumore

Hormonell- und stoffwechselbedingt oder entzündlich

Psychosomatisch

Neuropathisch

  • Beispielsweise bei Kompression von Nervenwurzeln in der Lendenwirbelsäule

Anamnese und ärztliche Untersuchung

Das ärztliche Personal wird Sie sehr genau nach Ihren Beschwerden befragen. Mögliche Fragen sind:

  • Wann treten die Symptome auf?
  • Haben Sie Blutungen oder Sekrete bemerkt?
  • Wie ist ihr Stuhlhang (Häufigkeit, Konsistenz, Kontinenz, Hygiene)?
  • Haben Sie Analverkehr und benutzen Sie Gleitgel?
  • Liegen andere Erkrankungen und andere Beschwerden vor?

Bei der klinischen Untersuchung wird die Anogenitalregion inspiziert und anschließend durch eine Tastuntersuchung beurteilt. Das ärztliche Personal wird Sie über diese Untersuchungsmethode im Vorfeld aufklären. Sie dient zur Beurteilung des Analkanals und evtl. der Prostata. Zusätzlich werden bei gegebener Indikation zum Ausschluss systemischer Erkrankungen Laboruntersuchungen angeordnet.

In fachärztlichen Einrichtungen kann zusätzlich eine Proktoskopie durchgeführt werden. Sie dient z. B. dem Nachweis von Hämorrhoiden oder einer Entzündung des Enddarms. Zur Beurteilung des Mastdarms wird die Rektoskopie eingesetzt. Die Koloskopie ist zur Inspektion des gesamten Dickdarms geeignet, stellt aber auch die invasivste Untersuchungsmethode dar. Je nach Verdachtsdiagnose wird Ihnen evtl. auch eine gynäkologische oder dermatologische/allergologische Vorstellung empfohlen.

Therapie

Was können Sie selbst tun?

  • Angemessene Hygiene mit regelmäßigem, aber nicht zu häufigem Waschen
  • Nur Wasser verwenden, z. B. Dusche oder Bidet.
  • Detergenzien (Reinigungsmittel, die Seifen/Tenside enthalten) vermeiden.
  • Sanft abtrocknen.
  • Nicht mit trockenem Papier reiben und rubbeln, viel Toilettenpapier oder Wasser verwenden.
  • Hautpflege in der Analregion
  • Allergenfreie Pflegeprodukte zur Wiederherstellung der Hautbarriere und/oder weiche Zinkoxidpaste
  • Maßnahmen zur Verringerung der lokalen Schweißbelastung
  • Unterwäsche aus Baumwolle tragen.
  • Keine eng anliegende Kleidung tragen.
  • Aktivitäten vermeiden, die zu stärkerer Schweißbildung führen.
  • Während der Menstruation Tampons statt Binden verwenden.
  • Nicht zu lange still sitzen, Kunststoffsitze meiden.
  • Nicht kratzen.
  • Absorbierende Baumwollkompressen, die häufig gewechselt werden, können in die Gesäßfalte eingelegt werden, um die lokale Feuchtigkeit zu mindern.
  • Auslöser für Juckreiz vermeiden.
  • Ernährungsgewohnheiten anpassen.
  • Ziel ist ein geformter Stuhl und die Reduktion einer erhöhten Stuhlfrequenz.

Medikamente

Zur Linderung des Juckreizes werden topische Kortikosteroide empfohlen. Diese sollten aufgrund der Nebenwirkungen nicht langfristig angewendet werden. Bei sehr schweren Verläufen werden topische Calcineurininhibitoren eingesetzt (Pimecrolimus, Tacrolimus). Andere Medikamente haben eine denkbare Wirkung, die bislang aber nur unzureichend belegt ist. Zu nennen sind hier Capsaicin-Creme, Topisches Palmitoylethanolamid (ein cannabinoidähnlicher Wirkstoff), ureahaltige Cremes und die Unterspritzung der Haut mit topischen Kortikoiden.

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen