Zum Hauptinhalt springen

Spätfolgen von Meningitis

Eine Meningitis bedeutet eine Entzündung der Hirnhäute. Da die Hirnhäute in engem Kontakt zum Gehirn stehen, kann deren Entzündung zu Schäden des Nervensystems führen, die auch langfristig auftreten können. Je nach Ursache und Schwere der Meningitis ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Spätfolgen unterschiedlich.

Zuletzt überarbeitet:



Wie wahrscheinlich sind Spätfolgen nach einer Meningitis?

Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Spätfolgen nach einer Meningitis lässt sich nicht generell festlegen und hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst unterscheiden sich infektiöse Meningitiden in ihrer Ursache, sprich den Erregertypen. Während virale Meningitiden häufig folgenlos ausheilen, sind Folgeschäden bei einer bakteriellen Meningitis wahrscheinlicher. Zudem sind das Alter der Patient*innen sowie vorhandene Grunderkrankungen ausschlaggebend.

Ebenso ist die Sterblichkeit je nach Erreger und Schwere der Meningitis unterschiedlich hoch. Wenn die akute Phase überstanden ist, treten nach bakteriellen Meningitiden in ca. 10–40 % der Fälle Folgeschäden auf. Je später mit der Behandlung begonnen wird, desto höher ist das Risiko für Folgeschäden. Das Risiko bleibender Hirnschäden ist zudem bei kleinen Kindern größer, vor allem bei Frühgeborenen.

Welche Spätfolgen können auftreten?

Nach Abklingen der akuten Symptome können Schwindel, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit vorübergehend über Wochen bis Monate bestehen bleiben. Bleibende Folgeschäden treten vor allem nach bakteriellen Meningitiden auf:

  • Verschlechterung des Hörvermögens
  • Sehstörungen
  • Lähmung des Gesichts oder der Augenmuskeln
  • Einschränkung oder Verlust der Sprachfähigkeit
  • Halbseitenlähmungen
  • Koordinationsstörungen
  • Epilepsie (2–15 % der Fälle)
  • Lernschwierigkeiten, v. a. bei Kindern
  • Verhaltensstörungen, v. a. bei Kindern
  • Intelligenzminderung
  • Schlafprobleme.

Als Komplikation der Meningitis kann während der akuten Phase des Krankenhausaufenthalts ein sogenannter Hydrozephalus (Wasserkopf) auftreten. Dieser beschreibt die krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume des Gehirns und kann bei fehlendem Rückgang bleibende Schäden nach sich ziehen.

Bei 2–5 % der Patient*innen kann während der Akutphase die Durchblutung der Finger und Zehen stark reduziert sein, was zu einer Amputation oder schweren Hautschädigungen führen kann, die eine Hauttransplantation erfordern.

In Ausnahmefällen kann es zu langfristigen Nierenschäden und zu Schädigungen der Nebennieren oder des Herzens kommen.

Untersuchungen

Was überprüfen die Ärzt*innen?

Zur Überprüfung des Nervensystems wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Hierzu zählen beispielsweise die Überprüfung der Bewegungen, der Reflexe, der Koordination oder des Berührungsempfindens. Zudem werden Fragen zu den am häufigsten vorkommenden Beschwerden – Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafprobleme und Abgeschlagenheit –gestellt. Je nach Befund schließen sich speziellere Untersuchungen an.

Bei bestehendem Verdacht auf einen Hydrozephalus erfolgt eine CT bzw. bei Säuglingen ein Ultraschall. Das Gehör wird mittels Audiometrie überprüft, möglichst zu mehreren Zeitpunkten, da die Hörstörung auch erst verzögert eintreten kann. Bei einer vorliegenden Hörstörung können die HNO-Ärtz*innen weitere Tests durchführen, um den Bedarf für ein Hörgerät oder eine Hörprothese (Cochlea-Implantat) festzustellen. Treten epileptische Anfälle nach einer Meningitis auf, wird u. a. eine Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt. Zeigen sich im Schulalltag bei Kindern Lernschwierigkeiten, können Entwicklungstests hilfreich sein.

Verlaufskontrolle

Nach einer bakteriellen Meningitis sollten die Patient*innen, während der ersten ein bis zwei Jahre mehrmals nachuntersucht werden. Insbesondere bei Kindern ist dies wichtig, um eine möglichst uneingeschränkte körperliche und geistige Entwicklung zu gewährleisten. Da die Beeinträchtigung des Hörvermögens die häufigste Spätfolge einer Meningitis bei Kindern ist, sollte das Gehör überprüft werden. Bei eingetretenen Folgeschäden ist eine langfristige Rehabilitation sinnvoll.

Prognose

Insgesamt ist heutzutage davon auszugehen, dass die Meningitis bei den meisten Menschen folgenlos ausheilt. Für Kinder ist zu erwarten, dass die meisten ein uneingeschränktes, normales Leben führen können, ohne oder mit nur geringen Defiziten gegenüber ihren Altersgenossen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim