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Trigeminusneuralgie

Bei der Trigeminusneuralgie treten Anfälle mit starken, kurzen, scharfen, blitzartig einschießenden Schmerzen auf, die vom sensiblen Gesichtsnerven (Trigeminusnerv) ausgehen.

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Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu wiederkehrenden Anfällen, bei denen starke, kurze, scharfe Schmerzen im Versorgungsgebiet des sensiblen Gesichtsnerven (Nervus trigeminus) auftreten. Das Einsetzen der Schmerzen erfolgt meist blitzartig auf einen Reiz hin. Die Schmerzattacken sind meist von kurzer Dauer und können über Wochen bis Monate mehrfach täglich auftreten, gefolgt von Phasen, in denen keine Symptome vorkommen.

Der Trigeminusnerv ist ein Hirnnerv und teilt sich in seinem Verlauf in drei Äste auf. Bei einer Trigeminusneuralgie gehen die Schmerzen in der Regel vom 2. oder 3. Ast aus, die die mittleren und unteren Bereiche des Gesichts versorgen. Die Schmerzattacken treten in der Regel auf einer Seite auf. Bei 3–5 % der Betroffenen können die Schmerzen auf beiden Seiten vorkommen. In der Regel treten sie jedoch nicht gleichzeitig in beiden Gesichtshälften auf.

Die Erkrankung tritt in Deutschland bei ca. 4 bis 22 Patienten je 100.000 Einwohnern und mit steigendem Alter häufiger auf. Am häufigsten betrifft die Erkrankung Personen über 50 Jahren, kann jedoch auch bei jüngeren Personen vorkommen. Die Erkrankung tritt bei unter 40-Jährigen nur selten auf.

Ursache

Es können mehrere Ursachen für eine Trigeminusneuralgie voneinander abgegrenzt werden. Bei der klassischen Trigeminusneuralgie liegt eine Reizung des Nerven an seiner Austrittsstelle aus dem Hirnstamm durch ein benachbartes Blutgefäß vor. Der Druck bzw. die Verdrängung durch das Blutgefäß führt zum Verlust der Nervenhülle an der betroffenen Stelle. Dies kann innerhalb des Nerven zu Kurzschlüssen führen, bei denen Impulse des sensiblen Teils auf Nervenfasern „überspringen", die Schmerzsignale leiten. Als Folge kommt es zu Schmerzanfällen. Meist entstehen die einschießenden Schmerzen durch Berührungen oder Bewegungen des Gesichts, z. B. beim Zähneputzen, Rasieren, Kauen oder Sprechen. Teilweise kann schon ein kalter Luftzug die Symptome auslösen. Die klassische Trigeminusneuralgie liegt bei etwa 80–90 % aller Fälle vor.

Eine sekundäre Trigeminusneuralgie wird durch andere (neurologische) Grunderkrankungen hervorgerufen. Auslöser können Schlaganfälle im Hirnstamm, Tumoren, Gefäßfehlbildungen oder eine multiple Sklerose sein. Dies ist bei etwa 10–15 % der Patienten mit einer Trigeminusneuralgie der Fall.

In manchen Fällen kann keine Ursache gefunden werden. Man spricht dann von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie.

Symptome

In der Regel ist nur einer der Äste des Trigeminusnervs betroffen, meist der 2. oder 3. Trigeminusast (Nervus maxillaris oder Nervus mandibularis). Der Gesichtsschmerz, der in der Regel einseitig auftritt, ist von starker Intensität und kann als Elektroschock-ähnlich, schießend, stechend oder scharf beschrieben werden. Er kann für Sekunden oder sogar bis zu 2 Minuten anhalten. Ausgelöst wird er durch harmlose Reize innerhalb des betroffenen Trigeminusastes (Zähneputzen, Rasieren, Berührungen, Bewegungen des Gesichts). Der Schmerz tritt in der Regel wiederholt auf. Manche Patienten haben mehrmals täglich Anfälle, andere wiederum nur einen Anfall pro Jahr. Der Schmerz äußert sich bei einer Person jedes Mal in gleicher Weise. Zwischen den Attacken sind die Patienten meist schmerzfrei. Bei längerem Verlauf der Erkrankung kann jedoch auch zwischen den Attacken ein dumpfer Schmerz vorhanden sein. Während des Schmerzanfalls spannt sich manchmal die mimische Muskulatur an, was von Außenstehenden als Tick fehlgedeutet werden kann. Schmerzattacken während des Schlafes sind ein seltenes Phänomen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt meist anhand der Krankengeschichte (Anamnese) durch die typischen geschilderten Symptome. Außerdem wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt.

Wenn der Arzt eine andere Grunderkrankung vermutet, können bildgebende Untersuchungen des Gehirns, wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein. Evtl. wird Nervenwasser entnommen (Lumbalpunktion ). Auch Messungen der elektrischen Aktivität des Nervs (Elektrophysiologie) werden in bestimmten Fällen durchgeführt. In manchen Fällen kann eine HNO-ärztliche Abklärung Hinweise auf mögliche Ursachen liefern. Evtl. wird eine Trigeminusneuralgie auch während einen Krankenhausaufenthalt abgeklärt.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern und neuen Anfällen vorzubeugen.

Um die Häufigkeit der Anfälle zu verringern, können Patienten versuchen, auslösende Faktoren zu vermeiden, z. B. bei Kälte das Gesicht mit einem Halstuch bedecken, die Zähne mit lauwarmem Wasser putzen und so weit wie möglich auf der beschwerdefreien Seite zu kauen.

Eine medikamentöse Therapie erfolgt in Form von vorbeugenden Medikamenten, die auch im Rahmen von Epilepsien eingesetzt werden (Antikonvulsiva, z. B. Carbamazepin). Sie unterbinden die Weiterleitung der Schmerzimpulse. Eine Behandlung mit Schmerzmitteln ist meist nicht erfolgversprechend, da die Wirkung der Schmerzmittel erst nach dem Anfallsende einsetzt und manche Schmerzmittel auch nicht ausreichend schmerzlindernd wirken.

Bei Patienten, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen oder bei denen die Schmerzen erneut trotz einer vorbeugenden Therapie auftreten, kann ein Eingriff erwogen werden. Hierbei kann beispielsweise das betreffende Nervenganglion verödet werden oder durch eine Operation der Gefäß-Nerven-Kontakt unterbunden werden. Als gefürchtete Komplikation kann es durch den Eingriff in 2–4 % der Fälle zu einem intensiven Dauerschmerz (Anaesthesia dolorosa) kommen.

Prognose

Der Verlauf ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Die Sterblichkeit ist durch eine Trigeminusneuralgie nicht erhöht, die Lebensqualität kann jedoch in erheblichem Maße eingeschränkt sein. Es stehen allerdings gute Therapieoptionen zur Verfügung, die es ermöglichen, einen Großteil der Patienten auch langfristig beschwerdefrei zu machen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

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