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Zervikogener Kopfschmerz – Kopf- und Nackenschmerzen

Der Schmerz beginnt in der Regel im Nacken und zieht über den Kopf in die Stirn, wo er meist am intensivsten erlebt wird.

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Was sind Kopf- und Nackenschmerzen?

Bei zervikogenen Kopfschmerzen handelt es sich um einen Kopfschmerztyp mit einseitig auftretenden Schmerzen. Diese Art von Kopfschmerzen haben ihren Ursprung in den knöchernen Strukturen oder im Weichteilgewebe der Halswirbelsäule (von lat. cervix, der Hals, Nacken). Es ist in aller Regel immer die gleiche Kopfseite betroffen.

Der Schmerz beginnt im Nacken und zieht über den Kopf in die Stirn, wo er meist am intensivsten erlebt wird. Die Schmerzen können auch in Schulter und Arm ausstrahlen.

Zervikogene Kopfschmerzen sind häufiger bei Frauen als bei Männern anzutreffen. Bis zu 4 % aller Menschen sind betroffen.

Ursache

Die Beschwerden sind häufig auf eine herabgesetzte Beweglichkeit im Bereich des Nackens oder des oberen Rückens zurückzuführen. Ursache hierfür können Krankheiten, Verletzungen oder Verschleißerscheinungen in diesem Bereich sein. Eine frühere Kopf- oder Nackenverletzung kann als Auslöser der Beschwerden in Betracht kommen. Einseitige Belastungen, z.B. am Arbeitsplatz (Computerarbeit), aber auch innere Spannungszustände wie Angst, Depression oder Stress können zur Krankheitsentstehung beitragen („Die Angst sitzt mir im Nacken!“).

Funktionsstörungen oder Schäden an den Gelenken zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel scheinen die häufigste Ursache für zervikogene Kopfschmerzen darzustellen, sie machen rund 70 % aller Fälle aus. Das Gelenk zwischen dem ersten (Atlas) und zweiten Halswirbel (Axis) ist wahrscheinlich am zweithäufigsten für die Schmerzen verantwortlich. Erster und zweiter Halswirbel bilden die sogenannten „Kopfgelenke“, von hier ziehen viele Nerven zum Kopf und zum Nacken.

Diagnose

Diese Art von Kopfschmerz wird im Rahmen einer allgemeinen ärztlichen Untersuchung diagnostiziert, wobei unter Umständen anamnestisch weit in die Vergangenheit des Patienten zurückzugehen ist.

Charakteristisch sind einseitige Kopfschmerzen, die stets auf der gleichen Seite auftreten. Die Schmerzen stehen häufig im Zusammenhang mit der Position des Kopfes und bestimmten Bewegungen des Halses. Bei der weiteren Untersuchung wird die Beweglichkeit des Nackens kontrolliert, die häufig eingeschränkt ist. Dabei wird untersucht, ob die Schmerzen durch spezielle Positionen oder Bewegungen ausgelöst werden.

Blutuntersuchungen tragen nicht zur Diagnosestellung bei. Auch bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT sind wenig aufschlussreich. Durch einen Neurologen können die Nerven im Nacken mit einer Spritze betäubt werden. Ziel ist, eine Blockade des eingeklemmten Nervs zu erreichen, der für die Schmerzen verantwortlich ist. Wenn diese Behandlung erfolgreich ist, gilt die Diagnose als gesichert.

Therapie

Therapieziel ist eine Linderung der Symptome sowie die Vorbeugung von möglichen zukünftigen Beschwerden. Als wichtige Maßnahmen haben sich Entspannungsübungen und die Anleitungen zu einem schonenden rücken- und nackengerechten Verhalten bewährt. Körperliche Aktivität ist ebenfalls wichtig! Versuchen Sie, still sitzende Tätigkeiten und Passivität zu vermeiden. Lokale Wärme kann lindernd sein. 

Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente (NSAR)  können bei phasenweise starken Schmerzen wirkungsvolle Hilfe leisten. In manchen Fällen kann eine Nervenblockade versucht werden. Den Betroffenen wird ein Lokalanästhetikum in den Nacken injiziert, um die Schmerzsignale zu blockieren.

Physiotherapie kann bei sanfter Anwendung hilfreich sein. Zu Beginn kommt es nicht selten zu einer kurzzeitigen Verschlechterung, die jedoch bei sachgerechter Anwendung vorübergehend ist. Es ist daher wichtig, insbesondere zu Beginn der Behandlung Vorsicht walten zu lassen. Die Physiotherapie wird besser vertragen, wenn die Patienten mit sanften Muskeldehnungen beginnen und ein behutsames Stretching des Nackenbereiches vorgenommen wird. In einer groß angelegten Studie zum Vergleich der Wirkung einer manuellen Therapie, Übungen oder einer Kombination aus beiden zeigte sich, dass bei allen drei Varianten die Kopfschmerzen im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keine physiotherapeutische Behandlung erhalten hatte, zurückgingen.

Physiotherapie, manuelle Therapie und mobilisierende Manipulationen (z.B. Chirotherapie) sind an der Halswirbelsäule immer schonend und sehr vorsichtig anzuwenden! Eine Atlastherapie sollte nur von erfahrenen, in der Regel ärztlichen, Therapeuten durchgeführt werden. 

Eine Operation ist nur sehr selten angezeigt, wenn bildgebend strukturelle Veränderungen nachweisbar sind, die für die Beschwerden eindeutig verantwortlich gemacht werden können.

Prognose

Zu Beginn klagen die Patienten häufig über episodische Attacken, die mehrere Tage andauern. Nach und nach können die Beschwerden chronisch werden, wenn eine wirksame Therapie ausbleibt.

Eigene Bewegung und Entspannungsübungen können entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf haben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg