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Welche Formen der Epilepsie gibt es?

Epilepsie ist eine Erkrankung, die sich in Form von vermehrten epileptischen Krampfanfällen äußert. Bei solchen epileptischen Anfällen kann es beispielsweise zu unkontrollierten Muskelzuckungen und Bewusstseinsverlust kommen. Es gibt verschiedene Formen der Epilepsie, die jeweils unterschiedliche Symptome und Behandlungen haben.

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Was ist Epilepsie?

Etwa 4–10 % der Bevölkerung erleiden in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Diese Anfälle entstehen durch eine plötzliche, synchrone Aktivierung von Nervenzellen im Gehirn und können sich auf vielfältige Art und Weise äußern. Von einer Epilepsie spricht man allerdings erst bei vermehrtem Auftreten solcher Anfälle oder bei erhöhtem Rückfallrisiko eines Anfalls.

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zur übermäßigen Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Dies kann sich für den Betroffenen beispielsweise durch Zuckungen und Krämpfe bis hin zu Bewusstlosigkeit äußern. Einem epileptischen Anfall folgt häufig eine Phase mit Bewusstseinseintrübung, Müdigkeit, Desorientiertheit und Muskelschmerzen. Bei den epileptischen Anfällen unterscheidet man verschiedene Formen, die sich sehr unterschiedlich äußern können. Vorerst unterscheidet man einerseits generalisierte Anfälle, die beide Gehirnhälften betreffen und andererseits fokale (partielle) Formen, die auf ein bestimmtes Gehirnareal begrenzt bleiben. Ein epileptischer Anfall von mehr als 5 Minuten wird als Status epilepticus bezeichnet.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle sind epileptische Anfälle mit Ausbreitung über beide Gehirnhälften und führen bei dem Betroffenen häufig zu einem Bewusstseinsverlust. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen, die bekannteste ist aber der sog. tonisch-klonische Anfall.

Generalisiert, tonisch-klonischer Anfall

Bei einem generalisierten, tonisch-klonischen Anfall, der früher als Grand-mal-Anfall bezeichnet wurde, verlieren die Betroffenen zunächst das Bewusstsein während sich die Muskulatur des Körpers stark anspannt. Dabei stürzt die Person meist zu Boden. Nach dieser Phase der Anspannung kommt es zu rhythmischen Muskelzuckungen des gesamten Körpers. Dabei kann es zu einer Blaufärbung des Gesichts, einem ungewollten Biss auf die Zunge oder Abgang von Stuhl oder Urin kommen. Ein solcher Anfall dauert meist zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten an (in 90 % der Fälle länger als 2 Minuten). Wenn die Person wieder zu sich kommt, ist sie oft desorientiert und müde. Manche schlafen nach dem Anfall ein. Betroffene können sich nicht erinnern, was während des Anfalls passiert ist. Manchmal erleben die Patient*innen kurz vor dem Bewusstseinsverlust eine Aura, an die sie sich oft auch noch danach erinnern. Als Aura bezeichnet man initiale Symptome, die bei manchen Betroffenen vor dem generalisierten Anfall auftreten, z. B. Missempfindungen oder Halluzinationen.

Generalisierter nichtmotorischer Anfall

Bei einem typischen generalisierten nichtmotorischen Anfall (früher: Absence, Petit-mal) kommt es zu kurzzeitigem Bewusstseinsverlust, ohne dass die Muskulatur betroffen ist. Dies führt dazu, dass Betroffene abwesend wirken, einen starren Blick haben und den Faden einer Konversation verlieren. Gleichzeitig kann es zu kleinen Zuckungen oder Blinzeln kommen. Der Anfall dauert 0,5‒2 Minuten, kann mehrmals täglich auftreten und ist für Betroffene (meist Kinder) nicht erinnerlich.

Generalisierter nichtmotorischer myoklonischer Anfall

Der generalisierter nichtmotorische myoklonische Anfall (früher: myoklonisch-atonisch oder -astatisch) zeichnet sich durch einen plötzlichen Tonusverlust aus. Die Betroffenen stürzen zu Boden, da sich die Muskulatur plötzlich entspannt. Gleichzeitig treten rasche Muskelzuckungen (Myoklonien) auf. Das Bewusstsein bleibt meist erhalten. Diese Epilepsieform ist charakteristisch bei Kindern.

Fokale Anfälle

Die zweite Gruppe der epileptischen Anfallsformen bilden die fokalen Anfälle. Bei dieser Anfallsform geht die epileptische Überaktivität von einem bestimmten Areal im Gehirn aus. Wenn sich der epileptische Anfall im Gehirn ausbreitet, kann ein fokaler Anfall auch noch im Verlauf in einen generalisierten Anfall übergehen.

Die Ausprägungen eines fokalen Anfalls variieren je nach betroffenem Hirnareal. Betroffene Personen können ansprechbar oder nicht bei Bewusstsein sein. Mögliche Zeichen eines fokalen Anfalls sind Muskelzuckungen bestimmter Körperregionen, Seh-, Geruchs- oder Geschmacksveränderungen, Taubheitsgefühle an Körperstellen oder Verhaltensauffälligkeiten. Andere mögliche Symptome sind Übelkeit, plötzliche Verdauungsbeschwerden, Blutdruckschwankungen, Erröten oder Herzklopfen. Die Erinnerung an den Anfall kann erhalten sein, ist aber meist lückenhaft. In einigen Fällen kann für Außenstehende schwer festzustellen sein, dass es sich um einen epileptischen Anfall handelt.

Status epilepticus

Beim Status Epilepticus hält der Anfall länger als 5 Minuten an, ohne dass die betroffene Person zu Bewusstsein kommt. Folgen die Anfälle dicht aufeinander, und kommt die Person dazwischen zu Bewusstsein, spricht man von Anfallsserien. Diese können in einen Status epilepticus übergehen und sind daher ebenfalls als ernste Erkrankung einzustufen. Der Status epilepticus ist ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand.

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Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.