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Hilfe bei einem akuten epileptischen Anfall

Bei einem epileptischen Anfall können Betroffene beginnen, unkontrolliert zu krampfen. Evtl. zucken nur einzelne Muskelgruppen, etwa ein Arm, es kann aber auch der ganze Körper betroffen sein bei gleichzeitigem Bewusstseinsverlust. Für Helfende gilt es, Betroffene vor Verletzungen zu schützen und wenn nötig, notärztliche Hilfe zu rufen.

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Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall kann sich sehr unterschiedlich äußern: Das Spektrum reicht von kurzer geistiger „Abwesenheit" (Absence) über vorübergehende Muskelkrämpfe nur eines Körperteils bis zu generalisierten Krämpfen der Arme und Beine bei Bewusstlosigkeit. Ein generalisierter Anfall hält in den meisten Fällen länger als 2 Minuten an. Bei einer Dauer von 5 Minuten spricht man von Status epilepticus.

Für anwesende Personen wirkt ein akuter epileptischer Anfall oft dramatisch. Vor allem generalisierte Anfälle (tonisch-klonische Anfälle)  werden von vielen Menschen als beängstigend empfunden. Es ist daher wichtig, dass Sie als Betroffene Ihr Umfeld darüber informieren, wie sich diese Krankheit auswirkt und wie sich anwesende Personen verhalten sollten, wenn sie einen Anfall miterleben.

Was können anwesende Personen bei einem Anfall tun?

Zeugen eines Anfalls können in der Regel nichts tun, um den Anfall zu stoppen (Ausnahmen sind vom sehr gut informierte Angehörige, die entsprechende Medikamente nach ärztlicher Absprache zur Verfügung haben). Grundsätzlich sollten Sie sich als Helfer*in ruhig verhalten und die krampfende Person nicht festhalten. Betroffene können sich bei einem generalisierten Anfall schwer verletzen, z. B. durch einen Sturz. Helfende können die krampfende Person beim Fallen abfangen und eine weiche Unterlage (z. B. Kissen) unter den Kopf legen. Kleine Kinder können auf dem Arm gehalten werden. Möbel, andere schwere oder scharfe, gefährliche Gegenstände sollten außer Reichweite der krampfenden Person sein, um Verletzungen zu verhindern.

Nach dem Anfall kann eine Bewusstseinstrübung vorliegen. Dann sollten die Betroffenen in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit die Atemwege freigehalten bleiben. Anfallsserien (mehrere Anfälle hintereinander, ohne dass die Symptome vollständig verschwinden) oder länger anhaltende Anfälle (ab 5 Minuten) sollten durch medizinisches Personal mit Medikamenten durchbrochen werden.

Viele Betroffene klagen über Müdigkeit, Verwirrtheit und Muskelschmerzen nach einem Anfall. Möglicherweise kam es zu einem Zungen- oder Lippenbiss. Verletzungen sollten ärztlich versorgt werden.

Hat die betroffene Person noch nie zuvor einen solchen Krampfanfall erlebt, ist in jedem Fall eine schnelle ärztliche Untersuchung notwendig, denn Krampfanfälle können nicht nur auf einer Epilepsie beruhen, sondern zahlreiche weitere Ursachen haben. Ist die Diagnose Epilepsie bereits bekannt und der Anfall so ähnlich bereits häufiger vorgekommen, sind Betroffene in der Regel bereits gut darüber informiert, wie sie sich weiter verhalten sollen.

Status epilepticus

In seltenen Fällen dauert ein akuter epileptischer Anfall länger als 5 Minuten. In diesem Fall liegt ein Status epilepticus vor. Er kann sehr schwerwiegende Folgen haben, weshalb eine rasche Behandlung und meist auch der Transport in ein Krankenhaus erforderlich sind.

Beobachten Sie einen Menschen, der einen Krampfanfall erleidet, der nach 2–3 Minuten nicht aufhört, sollten Sie notärtzliche Hilfe rufen. In der notärztlichen Versorgung kann der Anfall medikamentös durchbrochen werden. Manche Betroffene leiden häufiger unter einem Status epilepticus. Diese können ein Medikament zur Mitnahme erhalten, um sich im Falle eines solchen Anfalls selbst oder mit Unterstützung von Angehörigen zu behandeln.

Am häufigsten werden die Medikamente Lorazepam und Diazepam intravenös zur Unterbrechung eines Anfalls eingesetzt. Ggf. wird Sauerstoff verabreicht. Der Transport ins Krankenhaus erfolgt unter Intubationsbereitschaft. Wenn der Anfall auch nach mehrfacher Gabe von Medikamenten nicht durchbrochen ist, kann eine intensivmedizinische Therapie mit leichter Narkose eingeleitet werden.

Weitere Informationen

Patientenorganisation

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen