Verletzungen des Ulnarisnervs

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist eine Schädigung am Ulnarisnerv?

Nervus ulnaris
Nervus ulnaris

Der Ulnarisnerv verläuft am Ellbogen sehr oberflächlich in einer Knochenrinne, wo er leicht Schlägen und Stößen ausgesetzt ist. Die meisten Menschen haben sich schon einmal den Ellbogen gestoßen und daraufhin einen ziehenden Schmerz am „Musikknochen“ verspürt. Dabei wird der Ulnarisnerv gestoßen, und der Schmerz breitet sich entlang des Nervenversorgungsgebiets aus.

Der Nervus ulnaris ist einer der drei wichtigsten Nerven am Arm und an der Hand; die anderen beiden sind der Nervus medianus und Nervus radialis. Durch Einklemmen oder Druck kann der Nerv in seinem gesamten Verlauf von der Schulter bis zur Hand geschädigt werden, wobei dies am häufigsten am Ellbogen und zweithäufigsten im Handgelenk auftritt. Der Nerv überträgt Nervenimpulse an die Muskeln im Unterarm und an der Hand (motorische Innervation) und Nervensignale von der Seite des kleinen Fingers, dem ulnaren Teil der Hand (sensible Innervation).

Verletzungen des Ulnarisnervs sind besonders durch seinen oberflächlichen Verlauf häufig und nach dem Karpaltunnelsyndrom das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom.

Ursachen

Die Stellen, an denen der Ulnarisnerv am häufigsten eingeklemmt wird (Nervenkompression), sind die Rückseite des Ellbogens und die Ulnarseite des Handgelenks.

Das Einklemmen des Nervs kann verursacht werden durch längeres Beugen des Oberarms, eine Arbeitshaltung, in der konstant Druck auf den Nerv im Ellbogen ausgeübt wird (Aufstützen am Tisch), oder durch Narbengewebe aufgrund einer Verletzung. Typisch ist auch das Auftreten durch chronischen Druck auf die Handwurzel, z. B. bei Radfahrer*innen.

Symptome

Sowohl das Einsetzen der Symptome als auch deren Entwicklung können variieren, wobei die Schmerzen im Ellbogen häufig akut auftreten. Typische Symptome sind Schmerzen und Taubheit im ulnaren Bereich der Handfläche sowie am Ring- und kleinen Finger. Die Beschwerden werden beim Beugen des Ellbogens oftmals stärker. Motorische Ausfälle machen sich in einer abgeschwächten Fingerspreizung und Fingerbeugung der ulnaren Finger bemerkbar. Viele Patient*innen klagen über eine Ungeschicklichkeit der Hand, z. B. beim Schreiben oder Umdrehen eines Schlüssels.

Diagnose

Die Diagnose wird aufgrund des typischen Krankheitsbildes und der aus der körperlichen Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse gestellt. Sie kann durch Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie) und der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie) bestätigt werden. Manchmal werden Röntgenaufnahmen des Handgelenks oder Ellbogens zum Ausschluss einer knöchernen Verletzung erstellt. Selten kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder ein Ultraschall des Nervs durchgeführt werden.

Behandlung

In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden von selbst. Wichtig ist es, eine eventuell vorhandene Ursache der Erkrankung zu ergründen und zu beheben. Druck auf den Nerv im Ellbogen und langes Beugen ist zu vermeiden. In einem frühen Stadium kann es hilfreich sein, Tätigkeiten zu ändern, die den Druck auslösen. Vorübergehend kann nachts auch eine Polsterung ratsam sein.

Dauern die Symptome an und führen zu Lähmungserscheinungen, werden Sie zur weiteren Untersuchung an Spezialist*innen für Neurologie überwiesen. In einigen Fällen ist eine Operation notwendig, die den Druck auf den Nerv verringert.

Prognose

Die Symptome verschwinden bei den meisten Personen in der Regel von selbst. Ebenso ist die Prognose im Falle einer Operation meist gut.

Ist der Nerv bereits irreversibel geschädigt, können anhaltende Lähmungserscheinungen oder Sensibilitäts- und Funktionsstörungen in der Hand als Komplikation auftreten.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel N. ulnaris, Läsion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e.V. (DGH). Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie e.V. (DGNC). Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN). Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC). Diagnostik und Therapie des Kubitaltunnelsyndroms. S3. AWMF-Leitlinie 005-009. Stand 2017. www.awmf.org
  2. Latinovic R, Gulliford MC, Hughes RAC. Incidence of common compressive neuropathies in primary care. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2006; 77: 263-5. PubMed
  3. Martin Trepel. Neuroanatomie - Struktur und Funktion, 5. Auflage. München: Elsevier, 2012. shop.elsevier.de
  4. Glocker F, Kottlors M. N. ulnaris (C8–Th1). In: Hufschmidt A, Lücking C, Rauer S et al., ed. Neurologie compact. 7. Auflage. Stuttgart: Thieme 2017.
  5. Svernlov B, Larsson M, Rehn K, Adolfsson L. Conservative treatment of the cubital tunnel syndrome. J Hand Surg Eur Vol. 2009 Apr. 34(2):201-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Bacle G, Marteau E, Freslon M, et al. Cubital tunnel syndrome: comparative results of a multicenter study of 4 surgical techniques with a mean follow-up of 92 months. Orthop Traumatol Surg Res 2014; 100 (4Suppl): S205-8. www.ncbi.nlm.nih.gov