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Hirntumoren – Symptome und Beschwerdebilder

Hirntumoren können eine Vielzahl von Symptomen und Beschwerden verursachen. Kopfschmerzen sind die vielleicht häufigsten Symptome. Da Kopfschmerzen sehr verbreitet sind und Hirntumoren sehr selten auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kopfschmerzen auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, jedoch äußerst gering.

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Welche Beschwerden können auftreten?

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, abhängig davon, aus welchen Zellen des Gehirns der Tumor hervorgeht (z. B. Nervenzellen, die Hirnhaut oder andere Zellen im Gehirn). Diese sog. primären Hirntumoren wachsen je nach Art unterschiedlich schnell. Sekundäre Hirntumoren sind Tochtergeschwulste (Metastasen) im Gehirn, die aus Tumoren anderer Organe entstehen.

Grundsätzlich können alle Hirntumoren zu ähnlichen Symptomen führen; dabei hängen die Symptome davon ab, wo genau der Tumor sich befindet, wie schnell er wächst und wie groß er ist. Ein Hirntumor kann zahlreiche Symptome verursachen, da er Druck auf das Hirngewebe ausüben, in das Hirngewebe hineinwachsen und die Funktion des betroffenen Gewebes beeinträchtigen kann. Auf diese Weise kann der Tumor Bereiche schädigen oder zerstören, die für das Sehvermögen, die Motorik, das Gleichgewicht, das Sprachvermögen, das Hörvermögen, das Gedächtnis oder auch die Steuerung des Verhaltens verantwortlich sind. Hirntumoren können außerdem Schwellungen im umliegende Gewebe (Ödeme) hervorrufen, die den Hirndruck erhöhen und die Symptome verstärken.

Zunächst können die Symptome und Beschwerden vage und nicht permanent vorhanden sein, was die Diagnosestellung erschwert. Zudem können viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen.

Wie rasch die Symptome einsetzen und zunehmen, kann Hinweise auf die Schwere der Erkrankung liefern. Bei der aggressivsten Art maligner Hirntumoren (Glioblastom) treten häufig derart intensive Symptome auf, dass die Betroffenen bereits nach wenigen Wochen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, während bei Patienten mit langsam wachsenden Tumoren (z. B. Meningeomen) eine deutlich längere Zeit vergehen kann, bevor sie aufgrund ihrer Beschwerden ärztliche Hilfe suchen. Gelegentlich sind Blutungen von Tumoren zu beobachten. Die Symptome können sich in diesem Fall ähnlich akut wie bei einem Schlaganfall zeigen.

Blutungen und Ödeme im Gehirn können sehr gefährlich sein. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gehirn vom harten Hirnschädel (Cranium) umgeben ist. Wie an allen anderen Körperstellen bilden sich um solche Läsionen Schwellungen. Da das Hirngewebe sich aber wegen des dicht anliegenden Schädelknochens nicht ausdehnen kann, wird bei einem Hirnödem das Hirngewebe wegen der zunehmenden Schwellung komprimiert. Bei entsprechend hohem Druckanstieg wird das gesamte Gehirn in die einzige Richtung gedrückt, in die das geschwollene Gewebe entweichen kann: in die Öffnung an der Unterseite der Schädelgrube (Übergang vom Gehirn zum Rückenmark). Wird das Gehirn in diese Öffnung gedrückt, können Hirnstrukturen, die für Steuerung der Atmung und des Herzschlags wichtig sind, beeinträchtigt werden. Die Atemfunktion können wir bis zu einem gewissen Grad kontrollieren. Setzt jedoch der Herzschlag aus, können wir die Atmung nicht willentlich wieder in Gang setzen. Daher kann ein starker Druckanstieg im Gehirn einen plötzlichen tödlichen Ausgang zur Folge haben.

Häufigkeit

Hirntumoren können schon bei Kindern auftreten, entwickeln sich jedoch meist bei Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Etwa 60 % der Hirntumoren sind bösartig, zerstören also mit der Zeit das Gewebe in ihrer Umgebung, weil sie unkontrolliert wachsen. Aber aufgrund der Lokalisation im empfindlichen Hirngewebe führen wie oben erwähnt auch gutartige Tumoren oft zu deutlichen Symptomen. Insgesamt wird jährlich in Deutschland bei etwa 17 Männern und 20 Frauen von 100.000 Einwohnern ein Hirntumor diagnostiziert. Je nach Art des Tumors ist die Prognose recht günstig oder sehr ernst.

Von den eigentlichen Hirntumoren sind Hirnmetastasen abzugrenzen, also im Hirn lokalisierte Tochtergeschwülste von Tumoren, die in anderen Organen ihren Ursprung haben (z. B. Lungenkrebs). Hirnmetastasen können grundsätzlich zu ähnlichen Symptomen führen wie „echte" Hirntumoren.

Ursachen

Als Ursachen kommen verschiedene Erbkrankeiten in Betracht sowie ionisierende Strahlung (radioaktive Strahlung). Es besteht hingegen kein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hirntumoren und u. a. Rauchen, Alkoholmissbrauch, Nutzung von Mobiltelefonen oder Exposition von Hochspannungsleitungen.

Typische Symptome

  • Neu auftretende Kopfschmerzen, vor allem nach dem Aufwachen. Aber bei weitem nicht alle Betroffenen klagen über Kopfschmerzen.
  • Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
  • Ungeklärte Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen in Form von verschleiertem Sehen, Doppelbildern, Verlust des Sehvermögens in einem Gesichtsfeld (ist z. B. das rechte Gesichtsfeld betroffen, ist alles, was rechts vor einem liegt, nicht mehr zu sehen, wenn man geradeaus schaut).
  • Allmählicher Verlust der Empfindung oder Motorik in einem Arm oder einem Bein
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • Sprachschwierigkeiten
  • Hörstörungen
  • Müdigkeit bis zur Benommenheit
  • Zunehmende Verwirrung
  • Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens
  • Hormonelle Störungen (s. u. Hypophysentumoren)

Kommt es infolge eines Tumors zu einer Hirnblutung, können Störungen des Sehens, Sprechens, Motorik etc. auch ganz plötzlich wie bei einem Schlaganfall auftreten.

Verschiedene Symptome je nach Tumor

  • Ein rascher Druckanstieg im Hirngewebe (z. B. bei schnell wachsenden Tumoren) verursacht Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Die Größe der Pupille beider Augen kann zudem plötzlich unterschiedlich sein. Bei starkem Druckanstieg sind auch veränderte Atmung, verlangsamter Herzschlag und erhöhter Blutdruck möglich (das ist ein Notfall!).
  • Ein langsamer Druckanstieg im Hirngewebe verursacht Symptome wie morgendliche Kopfschmerzen, die häufig von Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Schwindel oder Unsicherheit beim Gehen begleitet werden.
  • Weitere Symptome können langsam zunehmende Lähmungen, Sprachstörungen, andere funktionelle Störungen, Bewusstseinsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen sein.
  • Tumoren der Hypophyse, also Tumoren im übergeordneten Hormonzentrum des Gehirns, verursachen hormonelle Veränderungen, wie z. B. das Ausbleiben der Menstruation, Impotenz, Sekretionen aus den Brüsten (Galaktorrhö) und Wachstumsstörungen.

Tumorlokalisation

 

Häufig kann die Neurologin/der Neurologe aufgrund der vorliegenden Symptome und Beschwerden in etwa bestimmen, wo der Tumor sich befindet: Spezifische Funktionen werden von bestimmten Bereichen des Gehirns ausgeführt (stark vereinfachtes Schema siehe Abbildung).

Im Artikel Hirnfunktionen und Hirnverletzungen erhalten Sie weitere Informationen über den Zusammenhang von Schäden/Erkrankungen und spezifischen Hirnregionen sowie den davon betroffenen Funktionen.

Diagnostik

Zur weiteren Diagnostik gehören CT oder MRT des Gehirns oder speziellere Untersuchungen, um die genaue Lokalisation und Ausdehnung des vermuteten Hirntumors zu bestimmen.

Wichtig ist auch festzustellen, um welchen Typ von Hirntumor es sich handelt, da es zahlreiche unterschiedliche Arten und Unterarten gibt. Diese sind mit einem verschieden hohen Risiko für einen raschen Wachstum verbunden und benötigen eine unterschiedliche Therapie. Auch Untersuchungen des Hirnwassers (Liquor), der Hormonspiegel im Blut und ein Elektroenzephalogramm (Messung der Hirnströme) gehören zur Diagnostik.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen