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Chronisches Erschöpfungssyndrom

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist eine Erkrankung mit ausgeprägten, langanhaltenden Gefühlen von Kraftverlust und Erschöpfung. Es stellt sich eine anhaltende Müdigkeit ein, die die Ausübung von Alltagstätigkeiten wie Schulbesuch oder Arbeit stark einschränkt. Schon geringe Anstrengungen führen zu einer ungewöhnlich starken Erschöpfung, die auch nach einer Erholungsphase nicht abklingt. Körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Muskelschmerzen können dazukommen. Es besteht Unklarheit über die Entstehung der Erkrankung, weiterhin existiert kein definierter Diagnostik-Test und es ist auch heute noch umstritten, inwieweit die Erkrankung überhaupt als eigenständiges Beschwerdebild existiert.

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Was ist das chronische Erschöpfungssyndrom?

Das chronische Erschöpfungssyndrom, oder auch engl. chronic fatigue syndrome (CFS), ist ein chronisches Müdigkeitssyndrom, das mit einer anhaltenden, schwerwiegenden Erschöpfung und Müdigkeit einhergeht. Es bestehen derzeit große Unsicherheiten hinsichtlich der Ursachen und der Behandlungsmöglichkeiten.

Ein CFS darf nicht mit einer Phase von noch normaler Müdigkeit – aufgrund von Belastungen, Überbeanspruchung oder ausgelöst durch andere Krankheiten – verwechselt werden.

Die Erkrankung ist weiterhin umstritten, unter Ärzten und Wissenschaftlern sowie Patientenorganisationen besteht Uneinigigkeit über die generelle Existenz, den Namen, die Ursachen und die Behandlungsoptionen des CFS.

  • Bezüglich des Names bestehen einige Synonyme wie CFS, chronic fatigue syndrome, chronisches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom, chronische Belastungsintoleranzerkrankung (systemic exertion intolerance disease; SEID), myalgische Enzephalopathie (ME) und andere.
  • Die Bezeichnung CFS wird aktuell favorisiert.

Diagnostik

Von einem CFS sollte man nur sprechen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: 

  • Ein neues, nicht durch andere Erkrankungen, Substanzeinnahme oder Belastung erklärbares Auftreten der Müdigkeit
  • Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung bestehen seit längerer Zeit (meist > 6 Monate)
  • Es lässt sich ein Beginn der Symptomatik erinnern, d. h. das Problem besteht nicht lebenslang
  • Das Symptom ist so stark ausgeprägt, dass eine ausgeprägte Störung von körperlicher, seelischer und sozialer Funktion sowie Lebensqualität resultiert
  • Belastungen (körperliche, aber auch mentale oder emotionale) verschlechtern die Beschwerden
  • Es fehlt eine alternative Erklärung (körperliche oder seelische Störung)
  • Weiterere Zusatzbefunde können vorliegen wie zum Beispiel
    • Kreislaufbeschwerden
    • Muskel- oder Knochenschmerzen
    • nicht erholsamer Schlaf
    • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
    • eventuell Racheninfekte oder geschwollene Lymphknoten

Die Diagnose CFS wird rein aufgrund der Beschwerden, die ein Patient berichtet, gestellt. Es gibt keinen Labortest oder keine Bildgebung, die bei der Diagnostik hilfreich sind. Werden Untersuchungen durchgeführt, dienen diese nur der Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen, die mit ähnlichen Beschwerden einhergehen können.

Häufigkeit

Das CFS ist sehr selten, weniger als 1% der Bevölkerung sind betroffen. Auch Kinder und Jugendliche können ein CFS entwickeln, meist beginnt die Erkrankung aber um das 30. Lebensjahr herum. Frauen sind häufiger betroffen. Menschen, die aufgrund von geringem Einkommen oder aufgrund anderer sozialer Probleme, in ihrer Lebensbewältigung eingeschränkt sind, erkranken häufiger.

Wie entsteht ein CFS?

Es ist weiterhin völlig unklar, wie ein CFS ensteht, wahrscheinlich ist die Ursache bei jedem Patienten verschieden. Das bedeutet, dass auch für jeden Patienten individuell eine Therapie gefunden werden muss und sich die Prognose entsprechend unterscheidet. Es gibt einige Vermutungen, wie ein CFS entsteht, keine davon ist bislang bewiesen worden:

  • Auftreten nach (Virus-)Infekten
  • Ausgelöst durch Stress, psychische Belastung, Operationen oder einen Unfall
  • Neurologische oder psychiatrische Erkrankungen
  • Muskelerkrankungen
  • Hormonelle Störungen
  • Umwelteinflüsse
  • Genetische Faktoren

Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, insbesondere die Depression, eine Demenz, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Nebenniereninsuffizienz und verschiedene andere körperliche und seelische Erkrankungen. 

Therapie

Welche Therapie hilfreich ist, ist ebenfalls nicht unumstritten. Medikamente, auch Antidepressiva, haben keinen Effekt auf das CFS.

Größere Studien berichten über Erfolge mit der kognitiven Verhaltensherapie, bei der der Patient lernt, mit den Einschränkungen umzugehen und Bewältigungsstrategien entwickelt, und mit einer schrittweise gesteigerten Bewegungstherapie. Viele Patienten befürworten dagegen die sogenannte adaptive Anpassungstherapie, bei der die körperliche Aktivität den Beschwerden angepasst wird. Auch hier ist immer für jeden Patienten individuell ein geeignetes Therapieschema zu entwickeln. Längere Bettruhe sollte allerdings vermieden werden.

Symptome wie Schmerzen oder Schlafstörungen sollten immer berücksichtigt und behandelt werden.

Prognose

Der Verlauf ist oft schwankend, die Belastbarkeit kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Viele Patienten erholen sich innerhalb von Monaten bis Jahren, aber schwerwiegende und langandauernde Erkrankungen sind beschrieben. Genau wie die Ursache und die Therapie von Patient zu Patient anders sein kann, ist auch die Prognose immer individuell zu stellen.

 

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