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Gutartiger Lagerungsschwindel

Der gutartige Lagerungsschwindel wird in der medizinischen Fachsprache benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) genannt. Die Ursache ist nicht geklärt, steht aber im Zusammenhang mit Veränderungen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs.

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Was ist gutartiger Lagerungsschwindel?

Man nennt diese Erkrankung auch benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel, also ein gutartiges Schwindelgefühl, das in Schüben auftritt.

Die Erkrankung ist bei Kindern sehr selten, wird im mittleren Lebensalter häufiger und tritt meistens bei älteren Menschen auf. Das Durchschnittsalter für Personen mit gutartigem Lagerungsschwindel beträgt 60 Jahre, wovon zwei Drittel Frauen sind.

Bei etwa 20 % der Patienten, die unter Schwindel leiden, ist ein gutartiger Lagerungsschwindel die Ursache.

Ursachen

Warum diese Erkrankung bei bestimmten Personen auftritt, ist nicht ausreichend geklärt; vermutet werden jedoch altersbedingte Veränderungen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs. Das Gleichgewichtsorgan besteht aus drei Bogengängen, die im rechten Winkel zueinander liegen. Innerhalb der Bogengänge fließt eine Flüssigkeit. Wenn wir den Kopf hin und her bewegen, wird dies in Form von Wellenbewegungen in den Bogengängen registriert, und das Gehirn erhält Information über die Kopfbewegungen.

 

Bei einem gutartigen Lagerungsschwindel haben sich sogenannte Otolithen (auch Ohrensteine oder Statolithen genannt) in den Bogengängen abgelagert (beim Gesunden befinden sie sich an anderen Stellen des Gleichgewichtsorgans). Wenn betroffene Personen den Kopf bewegen, können diese kleinen Partikel ihre Lage ändern und die Wellenbewegungen in der Flüssigkeit der Bogengänge „stören“. Die Nerven, die auf die Bewegung der Flüssigkeit reagieren und dies dem Hirn signalisieren, erhalten „verzerrte“ Signale. Man vermutet, dass dies der Anlass für die plötzlichen Schwindelanfälle ist. Das hierbei entstehende Gefühl ist ein Drehschwindel – Betroffene haben den Eindruck, alles um sie herum drehe sich.

Auch Kopfverletzungen und andere Erkrankungen im Innenohr (Neuritis vestibularis und Menière-Krankheit), Durchblutungsstörungen oder auch Migräne können zum Entstehen des gutartigen Lagerungsschwindels beitragen.

Diagnostik

Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch starkes Schwindelgefühl infolge bestimmter Kopfbewegungen. Oft entsteht der Schwindel, wenn sich die betroffene Person im Liegen umdreht oder aus dem Bett aufsteht. Der Schwindel kann sich sehr deutlich äußern und fühlt sich oft wie Karussellfahren an (Drehschwindel). Manchmal klagen die Patienten jedoch auch über ein allgemeines Schwindelgefühl, das sich schlecht beschreiben lässt.

Die Anfälle dauern im Durchschnitt 10–30 Sekunden, in seltenen Fällen bis zu zwei Minuten. Wenn mehrere Anfälle einander ablösen, nehmen diese oft in der Stärke ab. Während der Anfälle treten auch oft ungewollte Augenbewegungen auf. Durch Schließen der Augen kann man die Beschwerden etwas dämpfen.

Meist ist den Patienten bei den Anfällen und noch einige Zeit danach übel; das Hörvermögen ist meist nicht beeinträchtigt.

Bei einer ärztlichen Untersuchung kann die Ärztin/der Arzt durch Hervorrufen des Schwindels mithilfe des sogenannten Lagerungstests eine Diagnose stellen. Bei diesem Test muss sich die betroffene Person schnell mit dem Kopf zur Seite gedreht hinlegen, während die Ärztin/der Arzt feststellt, ob dies zu bestimmten, schnellen, unbewussten Augenbewegungen führt (Nystagmus) und ob die Patienten Schwindelgefühle bekommen. Meist wird erst dies wiederholt, wobei die Patienten den Kopf zur anderen Seite drehen sollen. Bei einem weiteren ähnlichen Test kann die Person liegen bleiben, während die Ärztin/der Arzt den Kopf abwechselnd zu beiden Seiten dreht.

Um andere Krankheiten auszuschließen, wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt sowie möglicherweise die Herzfunktion überprüft. Weitere Tests sind in der Regel nicht nötig.

Behandlung

Eine Behandlung ist nicht in jedem Fall notwendig, da die Beschwerden oft von selbst vorübergehen. Dies kann aber länger dauern. Die Ärztin/der Arzt kann eine einfache Behandlung namens Epley-Manöver durchführen. Ziel ist es, dass sich die Otolithen aus den jeweiligen Bogengängen hinausbewegen, sodass die Nerven nicht mehr durch sie gereizt werden.

Beim Epley-Manöver setzt sich der Patient auf die Behandlungsliege und dreht den Kopf auf eine Seite. Danach legt er sich so hin, dass der Kopf über die Liege hinausragt. Der Arzt hält den Kopf des Patienten fest. Nach einer halben Minute dreht der Arzt den Kopf des Patienten auf die entgegengesetzte Seite. Nach einer weiteren halben Minute rollt der Patient auf die Seite, während der Kopf um ca. 45 Grad gedreht bleibt. Die Nase ist dabei zum Fußboden gerichtet. Dann soll sich der Patient mit Unterstützung schnell wieder zum Sitzen aufrichten. Wenn notwendig, wird dieses Manöver mehrmals wiederholt, bis der Schwindel vorübergeht. Je nachdem, ob der rechte oder linke Bogengang betroffen ist, muss der Kopf bei Beginn des Manövers auf die betroffene Seite gedreht werden.

Vermutet der Arzt die Otolithen im hinteren oder waagerechten Bogengang, wird das Lagerungstraining etwas verändert.

In Zeiten mit besonders starken Beschwerden können Medikamente gegen Übelkeit genommen werden.

Übung für zu Hause

Wenn die Behandlung keine komplette Abhilfe schafft oder die Beschwerden wiederkehren, kann in Absprache mit der Ärztin/dem Arzt folgende Übungen selbst ausgeführt werden:

Eine detaillierte Beschreibung des sogenannten Sémont-Manövers finden Sie im Artikel Empfehlungen für Patienten bei gutartigem Lagerungsschwindel.

Bei den meisten Personen reduziert sich der Schwindel allmählich. Durch häufige Übungen verbessert sich deren Wirkung. Versuchen Sie deshalb, diese Übung (mit jeweils sechs Wiederholungen) mehrmals täglich durchzuführen. Machen Sie damit weiter, solange Sie Beschwerden haben.

Es gibt auch weitere Therapiemethoden (Physiotherapie, Beruhigungsmittel u. a.), die jedoch meist nicht so gut wirken wie die Lagerungsübungen. Eine Operation kommt nur bei extrem starken Beschwerden und nur sehr selten zum Einsatz.

Prognose

Bei den meisten Menschen geht dieser Schwindel nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten von selbst vorüber. Einige Patienten können jedoch langwierige Beschwerden bekommen. Häufig treten die Beschwerden wiederholt auf; es liegen dann jedoch längerer Phasen mit Beschwerdefreiheit dazwischen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen