Schluckauf (Singultus)

Längerer Schluckauf, der mehr als zwei Tage oder bis zu mehreren Monaten anhält, kann auf eine Erkrankung oder Verletzung zurückgehen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist Schluckauf?

Unter Schluckauf (Singultus) versteht man eine unwillkürliche Einatembewegung durch eine Störung des Schluckreflexes. Der Schluckreflex wird durch verschiedene Nerven(bahnen) und den Hirnstamm gesteuert. Der charakteristische „Hickser" entsteht durch einen plötzlichen Stimmlippenverschluss. Die genaue Ursache für Schluckauf ist nicht vollständig geklärt.

Meistens endet der Schluckauf nach wenigen Sekunden bis Minuten und stellt daher keinen Grund für eine ärztliche Konsultation dar. Der anhaltende (persistierende) Schluckauf hält länger als 48 Stunden an. Wenn er für mehr als 2 Monate besteht und nicht auf eine Behandlung anspricht, wird er als therapieresistent bezeichnet. In diesen Fällen kann er zu Erschöpfung, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Mangelernährung, Austrocknung (Dehydration) und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Ein persistierender Schluckauf ist hinweisend auf eine ernsthafte Erkrankung, daher wird in diesen Fällen meist eine ausgedehnte Diagnostik mit Internist*innen, Neurolog*innen und HNO-Ärzt*innen notwendig. In einigen Fällen bleibt die Ursache trotz ausgiebiger Untersuchungen unbekannt (sog. idiopathischer Schluckauf).

Häufigkeit

Vorübergehender Schluckauf ist bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen. Der chronische Schluckauf tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen auf.

Ursachen

Der selbstlimitierende (einfach abwarten, hört von selbst auf) Schluckauf sollte den meisten Menschen bekannt sein. Er wird durch hastiges Essen, einen sehr vollen Magen, kalte bzw. kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol oder plötzliche Aufregung und emotionalen Stress ausgelöst. 

Der anhaltende Schluckauf ist in zwei Drittel der Fälle durch eine Refluxkrankheit (Sodbrennen) bedingt. Andere mögliche Ursachen sind eine Schädigung des zentralen Nervensystems z. B. bei einem Schlaganfall, einer Gehirnentzündung, multipler Sklerose, Gefäßerkrankungen oder Hirntumoren. Im Prinzip können sämtliche Erkrankungen, die zu einer Reizung von bestimmten Nerven (Nervus phrenicus oder Nervus vagus) führen, einen Schluckauf auslösen. Zu nennen sind insbesondere:

Daneben können ein erhöhter Druck im Gehirn, ein Trauma, Fremdkörper oder Störungen des Stoffwechsels (Urämie, Diabetes mellitus, Gicht) bzw. der Elektrolyte (Hyponatriämie, Hypokalzämie, Hypokaliämie, Alkalose) ursächlich für Schluckauf sein. Auch Alkoholkonsum, die Einnahme bestimmter Medikamente (Dopaminagonisten, Glukokortikoide, Barbiturate, Benzodiazepine) oder psychogene Störungen (Persönlichkeitsstörungen, Konversionsreaktion, Anorexie (Magersucht), psychischer Schock und Trauer sind potenzielle Auslöser.

Diagnostik

Neben einer ausführlichen Anamneseerhebung und einer körperlichen Untersuchung wird eine Diagnostik empfohlen, die die möglichen Grunderkrankungen als Ursache des Schluckaufs aufdeckt. Im Blut werden u. a. das Blutbild, die Blutsenkungsgeschwindigkeit und andere Parameter wie CRP, Glukose, Kreatinin und Elektrolyte bestimmt. Die Untersuchungen werden anschließend stufenweise erweitert und umfassen z. B. eine EKG, Röntgen-Thoraxaufnahme der Lungen, CT von Hals und Brustkorb, MRT des Kopfes, Magenspiegelung, Lumbalpunktion, Ösophagus-Manometrie/-pH-Metrie, Bronchoskopie oder einen Lungenfunktionstest. Welche Untersuchungen tatsächlich durchgeführt werden, hängt von dem individuellen Beschwerdebild und den Verdachtsdiagnosen ab.

Therapie

Ein anhaltender Schluckauf kann für die Betroffenen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Deswegen sollte eine Behandlung erfolgen, ggf. schon vor der genauen Klärung der Ursache. Allerdings liegen kaum belastbare wissenschaftliche Daten zur Behandlung von Schluckauf vor. Grundsätzlich sollten vorliegende Grunderkrankungen behandelt werden.

Was können Sie selbst tun?

Es gibt viele Hausmittel und nichtmedikamentöse Behandlungsansätze wie z. B.:

  • Hyperventilation, Husten, Atem anhalten.
  • Nase- und Rachen-Stimulation (z. B. gurgeln, Eiswasser trinken, niesen)
  • Magenentleerung (ausgelöstes Erbrechen)
  • Erhöhung des Kohlenstoffdioxid-Partialdruckes durch Rückatmung in eine Tüte
  • Stimulation des Nervus vagus durch Karotissinusmassage z. B. durch das Valsalva-Manöver (Nase zuhalten und pressen) oder Druck auf die Augäpfel bei geschlossenen Augen.

Medikamente

Anhaltender Schluckauf kann versuchsweise mit Medikamenten behandelt werden. Diese haben allerdings keine Zulassung für die Indikation Schluckauf, man spricht daher von „Off-Label Use“. Eingesetzt werden u. a. Baclofen, Gabapentin oder Amitriptylin. Manchmal ist die Kombination verschiedener Medikamente hilfreich. Führt ein Medikament nach einigen Tagen nicht zu einer deutlichen Besserung, sollte die Therapie beendet werden.

Chirurgische Verfahren

In Einzelfällen können chirurgische Verfahren wie eine Ausschaltung des auslösenden Nervs (Phrenicusentfernung) oder die Implantation eines Stimulators des Nervens im Halsbereich hilfreich sein.

Weitere Maßnahmen

In der Literatur sind weitere Therapiemöglichkeiten zu finden, deren Wirksamkeit an dieser Stelle allerdings nicht sicher beurteilt werden kann:

  • Phrenicusblockade
  • Anästhesie oder mechanische Reizung der Rachenhinterwand
  • elektrische Vagusnervstimulation
  • Stimulation des C3–C5 Dermatoms mittels Tape, Eisspray oder medikamentöser Blockade
  • Hypnose
  • Verhaltenstherapie
  • Akupunktur.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schluckauf (Singultus). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Wilkes G. Hiccups. Mescape 2017. emedicine.medscape.com
  2. Eisenächer A, Spiske J: Case report: persistent hiccups (singultus) as the presenting symptom of medullary cavernoma. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(48): 822–6. www.aerzteblatt.de
  3. Becker DE. Nausea, vomiting, and hiccups: a review of mechanisms and treatment. Anesth Prog. 2010 Winter;57(4):150-6; quiz 157. doi: 10.2344/0003-3006-57.4.150. www.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Chang FY, Lu CL. Hiccup: Mystery, Nature and Treatment. J Neurogastroenterol Motil. 2012;18:123–130. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Vecellioa M, Bloch KE, Bassettia CL. Chronischer zentralnervös bedingter Singultus. Schweiz Med Forum 2007;7:158–161. medicalforum.ch
  6. Erbguth, Frank & Dietrich, Wenke. Hirndruck und Hirnödem. Der Anaesthesist. 62.2013 www.researchgate.net
  7. Deutsche Krebsgesellschaft. Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - interdisziplinäre Querschnittsleitlinie. AWMF-Leitlinie Nr.032-054OL. Stand 2016. www.awmf.org
  8. Kuhn M . Reinhart W, Singultus, Schweiz Med Forum 2004;4:1138–1141 medicalforum.ch
  9. Moretto EN, Wee B, Wiffen PJ, et al. Interventions for treating persistent and intractable hiccups in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(1):CD008768. www.cochranelibrary.com
  10. Neurologie-Netz. Nichtepileptische- anfallsartige- Erkrankungen. Zugriff 16.12.2019 www.neurologienetz.de