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Hydronephrose

Ist der Harnabfluss von den Nieren blockiert, sammelt sich Urin in den Nieren. Bleibt die Harnabflussstörung mehrere Tage oder Wochen bestehen, weitet sich das Nierenbecken durch den Druckanstieg aus und es kommt zur sogenannten Hydronephrose.

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Was ist eine Hydronephrose?

Als Hydronephrose (Harnstauungsniere) bezeichnet man eine krankhafte Erweiterung des Nierenbeckens (Pyelektasie) und der Nierenkelche durch eine Harnabflusstörung im Bereich der ableitenden Harnwege. Die extreme Ausprägung mit aufgeblähtem Nierenbecken und stark verschmälertem Nierengewebe (Nierenparenchym) wird auch als Wassersackniere bezeichnet.

Die Nieren bestehen aus dem Nierengewebe, das das Blut filtert, und einem Nierenhohlsystem (Nierenkelche), das den Urin zum Nierenbecken leitet. Von dort wird der Urin durch den Harnleiter zur Harnblase transportiert. Bei der Hydronephrose ist das Nierenhohlsystem erweitert. Diese Ausweitung entsteht in meisten Fällen durch eine Störung in den Harnwegen unterhalb des Nierenbeckens. Dadurch sammelt sich der Urin über dem Hindernis, sodass der Druck in den oberen Harnwegen, auch im Nierenbecken, steigt. Bleibt der Druck über einen längeren Zeitraum bestehen, kann das Nierengewebe zusammengedrückt werden und die Nierenfunktion wird beeinträchtigt.

 

 

Die Symptome richten sich nach dem Ort und der Ursache der Störung. In der Regel rufen langsam entstehende Erweiterungen nur leichte oder keine Symptome hervor. Eine plötzlich auftretende Störung hingegen kann zu starken, kolikartigen Schmerzen wie bei Nierensteinen führen. Nimmt man große Mengen Flüssigkeit zu sich, können über einige Stunden starke Flankenschmerzen entstehen, da die Nieren mehr Flüssigkeit zu verarbeiten haben. Dadurch kann es zu einem vorübergehenden Druckanstieg kommen. Dies geschieht vor allem, wenn die Harnwege bereits verengt sind. Eine Hydronephrose kann zu Nierenversagen oder einem akuten Ausfall der Harnproduktion führen.

Hydronephrose ist keine seltene Erkrankung. Sie kann bei Neugeborenen und Säuglingen aufgrund von angeborenen Veränderungen auftreten. Bei Schwangeren kann es zu einer vorübergehenden Hydronephrose kommen, wenn die Gebärmutter auf den Harnleiter drückt. Bei fast allen Frauen bildet sich dieser Zustand nach der Geburt jedoch wieder zurück. Bei älteren Menschen tritt die Hydronephrose überwiegend bei Männern aufgrund von Prostataerkrankungen auf.

Ursachen

Die Hydronephrose wird durch eine Harnabflussstörung in den Harnwegen hervorgerufen. Die Harnabflussstörung kann aufgrund einer vergrößerten Prostata oder einer Verengung in einem oder beiden Harnleitern entstehen. Dies führt zu einer Harnansammlung und einem Druckanstieg oberhalb der Verengung, sodass sich das Nierenhohlsystem erweitert.

Risikofaktoren sind alle Zustände, die zu einer Störung im Harnabfluss führen können. Die häufigsten Ursachen sind Schwangerschaft und gynäkologische Ursachen, Nierensteine, Verengungen in Harnröhre oder Harnleiter, Prostataerkrankungen, Tumoren, Rückfluss von Urin der Blase oder Retroperitonealfibrose (Bindegewebsvermehrung hinter dem Bauchfell). Angeborene Fehlbildungen und Druck auf die Harnwege aufgrund einer Infektion/Schwellung in angrenzenden Organen können ebenfalls Ursachen sein.

Diagnostik

Die Krankengeschichte kann Aufschluss über die Ursache geben. Chronische, sich langsam entwickelnde Hydronephrosen sind in der frühen Phase der Erkrankung oft symptomfrei. Eine plötzlich aufgetretene Störung, z. B. ein Nierenstein, führt zu akuten und starken Schmerzen.

Ausgangspunkt für die Diagnose ist eine allgemeine ärztliche Untersuchung. Dabei wird der Blutdruck gemessen sowie Bauch- und Genitalbereich werden untersucht. Eine große Hydronephrose kann in seltenen Fällen, z. B. bei einer schlanken Frau, als Knötchen ertastet werden.

Mithilfe einer Urin- und Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob die Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Bildgebende Untersuchungen sind jedoch für die richtige Diagnose ausschlaggebend und können z. B. Nierenröntgen mit Kontrastmittel in einer Vene, Ultraschall oder Computertomografie umfassen. Mittels dieser Untersuchungen kann meist eine sichere Diagnose gestellt werden.

Therapie

Ziel der Therapie ist die Beseitigung der Harnabflussstörung in den Harnwegen, um ernste Nierenschädigungen zu verhindern.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Bei akuten Schmerzen wird dieselbe Therapie wie bei Nierensteinen durchgeführt und es werden Schmerzmittel verabreicht.

Bei wiederkehrenden Schmerzen, weiterer Verschlechterung der Nierenfunktion oder wiederkehrenden Nierenbeckenentzündungen muss operiert werden. In diesen Fällen müssen eventuell ein Nierenstein entfernt, angeborene Fehlbildungen operiert oder Störungen des Harnabflusses beseitigt werden.

Nicht in allen Fällen ist eine Operation notwendig. Es können je nach Ursache und Ausmaß der Erkrankung auch Kontrollen empfohlen werden, mit denen sichergestellt werden soll, dass die Niere durch die Hydronephrose nicht geschädigt wird. Wird die Hydronephrose durch eine andere Krankheit ausgelöst, steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund.

Prognose

Die Entwicklung der Erkrankung hängt von der Ursache der Hydronephrose ab. Wird eine akute Abflussstörung erfolgreich behandelt, kommt es in der Regel innerhalb weniger Tage oder Wochen zu einer vollständigen Normalisierung der Nierenfunktion.

Ohne Therapie kann es zu bleibenden Nierenschädigungen kommen. Bleibt die Hydronephrose wochen- oder monatelang bestehen, kann es zu Veränderungen in der Niere kommen. Das Nierengewebe kann unterschiedlich schwer betroffen sein und es kann zu einem Verlust der Nierenfunktion kommen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien