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Nierenkrebs (Nierenkarzinom)

Jährlich erkranken 10 von 100.000 Menschen an Nierenkrebs, ungefähr doppelt so viele Männer wie Frauen. Die Diagnose ist häufig ein Zufallsbefund, da das Nierenkarzinom in der Frühphase symptomarm verläuft. In der Behandlung nimmt die operative Entfernung des entarteten Gewebes den größten Stellenwert ein. Wenn die Krebserkrankung noch keine Metastasen gebildet hat, ist die Aussicht auf Heilung gut. Bei erfolgreicher Behandlung sind Nachkontrollen besonders wichtig, da der Tumor noch Jahre später zurückkehren kann.

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Nierenkrebs im Überblick

Jährlich erkranken in Deutschland ungefähr 10 von 100.000 Personen an Nierenkrebs. Männer sind häufiger betroffen, zwei- bis dreimal mehr als Frauen. Die ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern liegt in erster Linie an einem der Risikofaktoren für Nierenkrebs – Rauchen. Noch rauchen in Deutschland mehr Männer als Frauen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.

Nierenkrebs verursacht in der Frühphase wenige Beschwerden. Symptome wie Schmerzen im Rücken und Blut im Urin stellen sich oft erst im vorgerückten Krankheitsstadium ein. In etwa der Hälfte der Fälle wird die Erkrankung durch Zufall entdeckt, zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegen bereits in rund einem Viertel der Fälle Tochtergeschwülste an anderen Stellen im Körper vor, meist in Lunge, Skelett oder Gehirn.

Das wichtigste Standbein der Therapie bei Nierenkrebs ist die chirurgische Entfernung des Tumors. In frühen Stadien sind die Heilungschancen gut. Über 80 % der Personen sind fünf Jahre nach Diagnosestellung noch am Leben, wenn die Erkrankung örtlich begrenzt ist. Hat der Tumor bereits in andere Organe gestreut, sinkt die Heilungswahrscheinlichkeit. Nierenkrebs ist jedoch eine Erkrankung mit individuell sehr unterschiedlichen Verläufen. Und dank moderner Medikamente sind die Überlebensaussichten heute deutlich besser als früher. Teilweise kann auch eine Bestrahlung Linderung verschaffen oder Überlebenszeit schenken.

Ursachen

Krebserkrankungen aller Art zeichnen sich durch unkontrolliertes Wachstum und Entartung von Zellen aus. Bei Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) entarten meist die Zellen, die das komplexe Filtersystem zur Reinigung des Blutes bilden. Von dem Nierenzellkarzinom abzugrenzen ist das Nierenbeckenkarzinom. Dieses bildet sich im Nierenbecken, das mit denselben Zellen ausgekleidet ist, aus denen der Harntrakt besteht. Daher ist das Nierenbeckenkarzinom mit dem Harnblasenkrebs eng verwandt, nicht jedoch mit dem Nierenzellkarzinom.

Wie kommt es zur Entartung der Zellen bei Nierenkrebs? Die größte Rolle spielt wohl der Zufall. Im Laufe des Lebens häufen sich zufällige Genmutationen an, die das normale Wachstum der Zellen stören. In seltenen Fällen stehen diese genetischen Veränderungen mit erblichen Erkrankungen im Zusammenhang (zum Beispiel das Von-Hippel-Lindau-Syndrom). Wichtig für die Vorbeugung von Krebserkrankungen sind die Faktoren, auf die wir Einfluss nehmen können. Beim Nierenkrebs sind das vor allem Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht. Raucherinnen und Raucher erkranken doppelt so häufig an Nierenkrebs wie Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Auch die berufsbedingte Exposition gegenüber bestimmten Lösungsmitteln ist mit einem erhöhten Risiko verbunden.

Symptome

Das Nierenzellkarzinom ist eine stille Erkrankung. Es verursacht in der Frühphase keine oder nur milde Beschwerden. Mögliche Symptome sind Blut im Urin, Schmerzen im Rücken und in den Flanken, Abgeschlagenheit und Fieber.

Das Nierenzellkarzinom zählt außerdem zu den Krebserkrankungen, die sogenannte paraneoplastische Syndrome auslösen können. Unter diesem Begriff werden Symptome zusammengefasst, die im Zusammenhang mit einer Krebskrankung auftreten, aber keine unmittelbare Folge des Tumorwachstums oder der Metastasierung darstellen. Zu den paraneoplastischen Syndromen zählen zum Beispiel Veränderungen des Blutes, wie etwa eine verringerte oder vermehrte Produktion roter Blutkörperchen, sowie die abnorme Produktion unterschiedlicher Hormone.   

Anzeichen für die Streuung des Tumors sind eine allgemeine Abgeschlagenheit, Husten, Knochenschmerzen, Kopfschmerzen sowie ungewollte Gewichtsabnahme.

Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Wenn Sie Blut im Urin entdecken, das heißt wenn Ihr Urin rot gefärbt ist, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Blut im Urin (Hämaturie) kann viele Ursachen haben. In vielen Fällen liegen gleichzeitig Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen vor. Dann ist ein Harnwegsinfekt die wahrscheinlichste Ursache für den blutigen Urin. Wenn jedoch außer dem rotgefärbten Urin keine anderen Beschwerden bestehen, sollte eine weitere Diagnostik auf eine Krebserkrankung des Harntraktes oder der Nieren in die Wege geleitet werden.

Diagnostik

Oft wird ein Nierenkarzinom zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einem bildgebenden Verfahren aufgrund einer anderen Erkrankung. Auch Blut im Urin ohne begleitende Symptome eines Harnwegsinfektes ist abklärungsbedürftig. In manchen Fällen kann im Rücken- oder Flankenbereich eine verdächtige Verhärtung getastet werden.

Solche Verdachtsmomente ziehen weitere Untersuchungen nach sich: Blut- und Urinuntersuchungen sowie Ultraschall oder andere bildgebene Verfahren.

Sprechen diese Untersuchungen für eine bösartige Erkrankung der Niere, erfolgt ein sogenanntes Staging (Englisch für Bestimmung des Krankheitsstadiums). Das schließt die Suche nach Metastasen in Lunge, Skelett und Gehirn mittels unterschiedlicher bildgebender Methoden ein.

Therapie

Von den drei Haupttherapien bei Krebserkrankungen – Operation, Bestrahlung, Chemotherapie – nimmt die operative Entfernung des Krebsgewebes oder der gesamten betroffenen Niere (sogenannte Nephrektomie) die wichtigste Stellung ein. Solange der Tumor örtlich auf die Niere begrenzt ist, kann ein solcher chirurgischer Eingriff zur Heilung führen. Auch wenn der Tumor bereits in andere Organe gestreut hat, kann die operative Verkleinerung oder Beseitigung des Tumorgewebes sowie der Metastasen die Aussichten verbessern. Im metastasierten Stadium sinken jedoch die Heilungschancen.

Die herkömmliche Chemotherapie mit sogenannten Zytostatika, also Medikamenten, die das allgemeine Zellwachstum hemmen, hat in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms meist keinen Stellenwert. Dafür sind mittlerweile moderne Medikamente verfügbar, die auch im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium das Überleben verlängern. Andere neuartige Therapien wie Tumorimpfstoffe sind derzeit in der Erprobungsphase. 

Auch Patientinnen und Patienten, die nur geringe Chancen auf Heilung haben, kann jedoch geholfen werden. Die Mittel der Palliativmedizin (von Lateinisch pallium für „Mantel") schließen je nach Möglichkeit sowie Wunsch der oder des Betroffenen sowie der begleitenden Familie Operation, Bestrahlung und medikamentöse Behandlung mit ein. Oberstes Ziel ist hier die Linderung unangenehmer Symptome und Schmerzen.

Prognose

Je früher die Diagnose gestellt wird und je zeitiger mit der Therapie begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Leider verzögert sich die Diagnosestellung häufig, da das Nierenzellkarzinom im frühen, örtlich begrenzten Stadium nur selten durch Symptome auf sich aufmerksam macht. Es wird jedoch beobachtet, dass immer öfter frühere Stadien per Zufall entdeckt werden.

Das Vorliegen von Metastasen in entfernten Organen wie Lunge, Knochen oder Gehirn verringert deutlich die Überlebensaussichten. Dennoch, bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs sind sehr unterschiedliche Verläufe bekannt, sodass sich die Behandlungsaussichten nicht verallgemeinern lassen. Anhand bestimmter Parameter, zum Beispiel der Menge des Kalziums im Blut, kann die Prognose näherungsweise geschätzt werden.

Einen besonderen Stellenwert haben engmaschige Nachkontrollen bei Nierenkrebs. Das liegt daran, dass auch erfolgreich behandelte Patientinnen und Patienten noch viele Jahre später Metastasen entwickeln können.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf