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Harnblasenkrebs

Das Harnblasenkarzinom ist nach dem Prostatakarzinom die häufigste urologische Krebsart. Es gibt sowohl lokalisierte Erkrankungen mit niedriger Sterberate als auch extrem aggressiven Verlaufsformen mit hoher Sterblichkeit. Die Behandlung beschränkt sich oft auf einen kleinen operativen Eingriff. Manchmal ist die chirurgische Entfernung der Harnblase erforderlich. Die Prognose vieler Harnblasentumoren ist gut.

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Was ist Harnblasenkrebs?

Krebserkrankungen zeichnen sich durch unkontrolliertes Wachstum und Entartung von Zellen aus. Bei Harnblasenkrebs geht diese Entwicklung von den Schleimhautzellen der Harnblase aus. Mit zunehmender Ausbreitung infiltriert der Tumor auch die Muskulatur der Harnblase, nahegelegene Lymphknoten und schließlich entfernte Organe wie Lunge und Leber.

2016 erkrankten in Deutschland 16.470 Personen an einem bösartigen Harn­blasen­karzi­nom, gut 1/4 davon Frauen. Hinzu kamen noch rund 13.500 Personen mit gutartigen Karzinomen in der Blase. Das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung ist 73–75 Jahre.

Ursachen

Beim Harnblasenkrebs sind die Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, recht gut bekannt. An erster Stelle steht das Rauchen von Tabak. Es verdreifacht das Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken. Wer mit dem Rauchen aufhört, verringert sein Risiko; allerdings ist das erhöhte Risiko erst nach 20–30 Jahren aufgehoben. Weiterhin spielen bestimmte Chemikalien und Färbemitteln aus der Grafik-, Metall-, Maler- und Gummiindustrie eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang ist das Blasenkarzinom auch als Berufskrankheit anerkannt. Zudem fördern eine frühere Bestrahlung des Beckenbereichs oder zurückliegende Chemotherapien das Krebswachstum. Anderer Risikofaktoren sind chronische Entzündungen der Harnblase oder die Wurmerkrankung Schistosomiasis.

Symptome

Harnblasenkrebs ist in der Frühphase meist unauffällig. Erstes Anzeichen ist häufig Blut im Urin, teilweise sichtbar, teilweise nur im Urinstreifentest nachweisbar. Bei blutigem Urin sollten Sie eine ärztliche Untersuchung veranlassen. In vielen Fällen verbirgt sich eine andere Ursache dahinter wie etwa ein Harnwegsinfekt. Erst wenn häufigere Ursachen ausgeschlossen wurden oder immer wieder Blut im Urin zu finden ist, sollte eine weitere Krebsdiagnostik folgen.  

Ein Tumor in der Harnblase kann auch Beschwerden und Schmerzen beim Wasserlassen auslösen. Häufiges Wasserlassen, starker Harndrang und Unterleibsschmerzen können auftreten.

In manchen Fällen fällt eine Krebserkrankung der Harnblase klinisch erst auf, wenn bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Lymphknoten, der Leber oder der Lunge vorliegen.

Diagnostik

Blut im Urin (Hämaturie) ist oftmals der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung in der Harnblase. Handelt es sich um eine sichtbare Menge Blut, spricht man von einer Makrohämaturie. Eine kleine, nicht sichtbare Menge an roten Blutkörperchen oder rotem Blutfarbstoff im Urin ist oftmals nur im Urinstreifentest nachweisbar und wird Mikrohämaturie genannt.

Die Diagnostik der Hämaturie hängt ganz entscheidend von den Beschwerden, dem Alter, Geschlecht und den Risikofaktoren der betroffenen Person ab. Der wichtigste Personenkreis, der von Blut im Urin betroffen ist, sind junge, gesunde Frauen. Bei ihnen ist häufig ein Harnwegsinfekt die Ursache. Andere mögliche Ursachen für Blut im Urin sind Harnsteine, Erkrankungen der Prostata oder Nieren, Trauma, Geschlechtsverkehr oder Menstruationsblut.

Die Menge des Blutes im Urin entspricht nicht der Ausbreitung oder dem Schweregrad der Erkrankung. Ein Harnblasenkrebs sollte ausgeschlossen werden, wenn immer wieder Blut im Urin erscheint (sichtbar oder im Urinstreifentest). Häufig bestehen keine Schmerzen oder andere Symptome.

Bei einer ärztlichen Untersuchung wird Ihr Allgemeinzustand beurteilt, Lymphknoten und Leber untersucht und auf Lymphödeme in den Beinen geachtet. Ergänzend wird Ihr Urin untersucht, Blutwerte bestimmt und evtl. die Harnblase mit dem Ultraschallgerät dargestellt.

Bei Verdacht auf Harnblasenkrebs wird eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) durch Spezialist*innen der Urologie vorgenommen. Dabei können gleichzeitig Gewebeproben entnommen und diese auf bösartige Zellen untersucht werden. Bestätigt sich der Verdacht, folgen bildgebende Verfahren. Je nach Ausdehnung des Tumors werden Ultraschall, CT und MRT eingesetzt. In manchen Fällen ist auch eine Knochenszintigrafie indiziert.

Von der Ausdehnung bzw. der Tiefe des Tumors im Blasengewebe sowie dem Befall von Lymphknoten hängen Therapie und Prognose der Krebserkrankung ab.

Therapie

Bei oberflächlichen Tumoren, die in oder direkt unter der Schleimhaut der Harnblase wachsen, reicht es meist aus, den Tumor bei einem Eingriff durch die Harnröhre auszuschaben (die sog. transurethrale Resektion, TUR-B abgekürzt) und zusätzlich ein Medikament in die Harnblase zu spülen, das die entarteten Zellen bekämpft.

Die TUR-B ist die Initialbehandlung bei allen Patient*innen mit Blasenkarzinom. Die weitere Behandlung hängt vor allem davon ab, ob der Blasentumor muskelinfiltrierend wächst und in welche Risikogruppe er fällt. Bei muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms wird das gesamte Behandlungskonzept interdisziplinär mit der Urologie, internistischen Onkologie, Strahlentherapie und weiteren beteiligten Fachdisziplinen besprochen. Häufig muss die Harnblase zusammen mit den angrenzenden Lymphknoten operativ entfernt werden. Bei Männern werden zudem die Prostata und Samenblasen entnommen, bei Frauen in aller Regel die Gebärmutter, die Eileiter und Eierstöcke sowie Anteile der vorderen Scheidenwand. Auf die Operation können eine systemische Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung folgen. Bei metastasierten Harnblasenkarzinomen wird in der Regel eine cisplatinhaltige Chemotherapie empfohlen, wenn der Allgemeinzustand und vorliegende Grunderkrankungen dies erlauben. Sofern eine Heilung noch möglich ist, können Metastasen bei geeigneten Patient*innen nach durchgeführter Chemotherapie chirurgisch reseziert werden. Als Alternative zur Chemotherapie steht die Immuntherapie mit relativ neuen Medikamenten wie Atezolizumab oder Pembrolizumab zur Verfügung. Bei Knochenmetastasen wird eine medikamentöse Schmerztherapie zusammen mit einer Strahlentherapie, operativen Interventionen und/oder Medikamenten (Bisphosphonate oder Denosumab) angeboten.

Prognose

Insgesamt fallen ca. 75 % der Blasenkarzinome in die Kategorie der oberflächlichen Harnblasentumoren. Sie werden meist zurückhaltend behandelt und haben eine gute Prognose. Es kommt jedoch häufig zu sogenannten Rezidiven, das heißt Tumorgewebe kehrt trotz Behandlung zurück. Rezidive ziehen weitere Therapien nach sich.

Karzinome, die tiefere Schichten der Blasenwand infiltriert haben, lassen sich in der Regel schwerer behandeln und bedürfen einer umfassenderen Therapie. Sie bilden häufiger Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten und entfernten Organen wie Leber und Lunge. Nichtinfiltrierende Blasenkarzinome haben eine 5-Jahres-Überlebensrate von über 80 %.
Bei einem metastasierten Harnblasenkarzinom leben nach 2 Jahren nur noch 5–10 % der Patient*innen.

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung bei Harnblasenkrebs sind engmaschige Nachkontrollen über Monate und Jahre nach erfolgter Therapie.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Insitut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf