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Chronische Nierenkrankheit

Die chronische Nierenkrankheit ist ein häufiges Krankheitsbild, bei dem die Filter- und Ausscheidungsfunktion der Niere zunehmend verloren geht. Mehrere Grunderkrankungen können die Ursache sein, vor allem langjähriger Diabetes und Bluthochdruck. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie können den Krankheitsverlauf in vielen Fällen so weit verlangsamen, dass das Endstadium mit Dialyse oder Nierentransplantation nicht eintritt. Das wirksamste Mittel gegen chronische Nierenschwäche besteht in der Vorbeugung der weitverbreiteten Krankheiten Diabetes und Bluthochdruck.

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Was ist die chronische Nierenkrankheit?

Definition

Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe von 10–12 cm Länge, die zu beiden Seiten der Wirbelsäule unterhalb des Zwerchfells liegen. Sie enthalten ein komplex aufgebautes Filtersystem, das den Flüssigkeits-, Mineralstoff- und Säure-Basen-Haushalt steuert. Der Urin ist das Produkt dieses Filter- und Ausscheidungsprozesses. Je nach Anforderung des Körpers ändern sich Menge, Konzentration und Zusammensetzung des Urins. Weitere Aufgaben der Niere sind die Regulation des Blutdrucks sowie die Produktion wichtiger Hormone für die Blutbildung und den Kalziumstoffwechsel.

Die chronische Nierenkrankheit (häufig auch chronische Niereninsuffizienz genannt) beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem es aufgrund unterschiedlicher Ursachen zu einem fortschreitenden Verlust der genannten Funktionen der Niere kommt. Man spricht von einer chronischen Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD), wenn die Nierenfunktion oder die Nierenstruktur über 3 Monate oder länger beeinträchtigt ist und es zu Auswirkungen auf den Gesundheitszustand kommt.

Die chronische Nierenkrankheit schreitet auch bei optimaler Therapie meist langsam über Monate bis Jahre voran. Ihr letztes Stadium ist das Nierenversagen, das eine Behandlung mittels Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich macht. Da die Niere sehr komplexe Aufgaben für den Gesamtorganismus erfüllt, leiden Patient*innen mit chronischer Nierenkrankheit oft an weiteren Nebenerkrankungen. Dazu zählen inbesondere Herz- und Gefäßerkrankungen.

Die chronische Nierenkrankheit ist vom akuten Nierenversagen abzugrenzen. Das akute Nierenversagen entwickelt sich rasch innerhalb weniger Stunden bis Tage und kann sich bei richtiger Therapie zurückbilden, ohne Schäden zu hinterlassen. Auch hier können unterschiedliche Erkrankungen ursächlich sein. In manchen Fällen geht ein akutes Nierenversagen in eine chronische Nierenkrankheit über.

Symptome

Die Niere kann entstandene Schäden bis zu einem gewissen Punkt kompensieren. Viele Patient*innen haben zunächst überhaupt keine Beschwerden. Schwere Symptome wie Atemnot, Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit und Krämpfe zeigen sich erst spät. Bei einigen mischt sich Blut (Hämaturie) oder Eiweiß (Proteinurie) in den Urin, bei anderen kommt es zu erhöhten Blutdruckwerten oder Wasseransammlung in den Beinen (Ödeme). Erst eine fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit zeigt ausgeprägte Symptome: Die Urinproduktion lässt nach oder versiegt gänzlich. Die Überwässerung führt zu geschwollenen Beinen und Wasser in der Lunge mit Luftnot. Gemeinsam mit weiteren Mechanismen kommt es zu einem medikamentös schwer therapierbaren Bluthochdruck.

Die Urinvergiftung des Blutes (Urämie) manifestiert sich in fast allen Organen und bringt zahlreiche Symptome hervor. Es treten z. B. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Juckreiz, Sensibilitätsstörungen, unruhige Beine vor allem während der Nachtruhe (Restless-Legs-Syndrom) sowie urinartiger Körper- und Mundgeruch auf.

  • Der Mineralstoffhaushalt gerät in Unordnung. Lebensbedrohlich ist vor allem eine Anreicherung von Kalium. Eine starke Hyperkaliämie kann z. T. tödliche Herzrhythmusstörungen herbeiführen.
  • Auch der Säure-Basen-Haushalt wird gestört. Meist bildet sich eine Übersäuerung.
  • Der Mangel an Vitamin D führt zu einer Störung im Knochenstoffwechsel. In der Folge können Knochen- und Gelenkschmerzen, Schwellungen und Knochenbrüche auftreten.
  • Der Mangel an Erythropoetin behindert die Nachbildung neuer roter Blutkörperchen. Die daraus resultierende Blutarmut (Anämie) kann zu Müdigkeit, Blässe und Atemnot führen.

Ursachen

Die chronische Nierenkrankheit kann durch eine Vielzahl von Grunderkrankungen verursacht werden. Folgende Ursachen sind in Deutschland am häufigsten:

Seltenere Ursachen sind z. B. erbliche Zystennieren, wiederholte Nierenbeckenentzündungen, verschiedene Autoimmunkrankheiten (z. B. Lupus erythematodes) oder andere Krankheiten, die mehrere Organe betreffen (z. B. Amyloidosehämolytisch-urämisches Syndrom).

Häufigkeit

In Deutschland sind ca. 2 Mio. Menschen von einer CKD betroffen. Bei unter 50-Jährigen ist die Erkrankung selten, in der Altersgruppe 70–79 Jahre ist ca. jede 8. Person betroffen. Häufig ist diese Krankheit den Betroffenen jedoch gar nicht bekannt, weil sich zunächst nur die Urin- und Blutwerte ändern, aber keine Beschwerden auftreten. Nur 28 % der Betroffenen wissen von ihrer Nierenfunktionsstörung und nur 2/3 derjenigen, die davon wissen, sind diesbezüglich in ärztlicher Behandlung. Insbesondere Älteren ist die Erkrankung häufig nicht bekannt.

Untersuchungen

  • In den frühen Stadien ist die chronische Nierenkrankheit nur durch Laboruntersuchungen zu erkennen. Patient*innen mit bekanntem DiabetesBluthochdruck oder anderen Risikofaktoren sollten sich daher regelmäßig auf diese Erkrankung untersuchen lassen.
  • Der entscheidende Laborwert ist Kreatinin. Kreatinin ist ein körpereigenes Stoffwechselendprodukt, das normalerweise über den Urin ausgeschieden wird. Reichert sich Kreatinin im Blut an, ist das ein Hinweis auf eine gestörte Ausscheidungsfunktion der Niere. Kreatinin allein ist als Frühmarker einer Nierenfunktionsstörung ungeeignet, anhand der Konzentration von Kreatinin im Blut lässt sich jedoch die Nierenfunktion errechnen. Dieser Parameter heißt glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Bei steigenden Kreatininwerten sinkt die GFR. Die GFR wird zur Einteilung der chronischen Nierenkrankheit in 5 Schweregrade herangezogen.
  • Im Blut werden zusätzlich weitere Werte bestimmt (Elektrolytveränderungen im Blut, Anämie, Säuregehalt etc.).
  • Ein weiterer wichtiger diagnostischer Wert ist die Menge an Protein im Urin (Proteinurie). Auch die Menge an Albumin im Urin, also die Albuminurie, dient der Bestimmung der Schwere der chronischen Nierenkrankheit und wird zur Berechnung des Albumin-Kreatinin/Quotienten (ACR) zur Diagnostik und für Verlaufskontrollen verwendet.
  • Die Laborwerte werden ergänzt durch körperliche Untersuchungen von Herz, Lunge und Nervensystem sowie EKG- und eventuell Röntgenuntersuchungen.

Behandlung

  • Die Therapie der CKD verfolgt mehrere Ziele: Das Fortschreiten soll verlangsamt, Begleiterkrankungen sollen behandelt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollen verhindert werden. Entsprechend vielfältig sind die Behandlungsmethoden.
  • Möglicherweise zum Einsatz kommende Verfahren sind: Ernährungsumstellung (wenig tierisches Protein, reichlich Obst/Gemüse und Ballaststoffe, < 6 g Kochsalz pro Tag), Bewegungstherapie, Rauchstopp, Medikamente, Dialyse oder Nierentransplantation.
  • Übergewicht vermeiden: Der BMI  sollte zwischen 20 und 25 kg/m2 liegen.
  • Eine gute Blutdruckeinstellung ist eine der wichtigsten Maßnahmen bei chronischer Nierenerkrankung.
  • Abweichungen der Blutzucker-, Blutfett- oder Blutsäurewerte werden medikamentös behandelt.
  • Bei einem schweren Mangel an Hämoglobin im Blut können Substanzen eingesetzt werden, die die Bildung roter Blutkörperchen stimulieren.
  • Fortgeschrittene Abweichungen im Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel können mit Phosphatbindern, Calcitriol oder Vitamin-D-Analoga behandelt werden.
  • Bei Patient*innen mit chronischer Nierenkrankheit müssen einige Medikamente in ihrer Dosis reduziert oder gegen ihren Nutzen (z. B. Röntgen-/MRT-Kontrastmittel) abgewogen werden.
  • Im Endstadium der chronischen Nierenkrankheit ist die Nierenfunktion meist dauerhaft so stark eingeschränkt, dass ein Nierenersatzverfahren wie Dialyse oder Nierentransplantation notwendig wird.
  • GFR und Albuminausscheidung sollten bei allen CKD-Patient*innen mindestens 1-mal pro Jahr gemessen werden. Ob Verlaufskontrollen häufiger durchgeführt werden sollen, hängt neben der klinischen Entwicklung vom Fortschrittsrisiko der Erkrankung ab.

Prognose

  • Wie bei vielen chronischen Erkrankungen ist auch bei der chronischen Nierenkrankheit mit einer langsamen, aber stetigen Verschlechterung zu rechnen. Frühzeitige Diagnose und Therapie können den Krankheitsverlauf jedoch so weit verlangsamen, dass das Endstadium mit Dialyse oder Nierentransplantation nicht erreicht wird.
  • Je weiter die chronische Nierenkrankheit fortgeschritten ist, desto höher ist das Risiko für Erkrankungen des Herzens oder der Gefäße. Dazu zählen Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei Patient*innen im Stadium G3 besteht deshalb ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod als für eine Dialysepflichtigkeit.
  • Eine seltene (50–60 Fälle pro Jahr), aber lebensbedrohliche Komplikation ist die sog. Kalziphylaxie, die durch bläuliche Hautverfärbungen und arterielle Verkalkungen aufgrund einer sehr schmerzhaften Entzündung und einem Absterben der betroffenen Blutgefäße und des Unterhautfettgewebes gekennzeichnet ist.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nierenkrankheit, chronische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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