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Chronische Nierenkrankheit, Behandlung

Die Behandlung der chronischen Nierenkrankheit beinhaltet in erster Linie Maßnahmen, die das Fortschreiten der Krankheit verzögern. Dazu zählt die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung, wie zum Beispiel eines Diabetes. Ein weiteres Therapieziel ist die Behandlung von Komplikationen, die bei einer Nierenfunktionsstörung auftreten und fast alle Organsysteme betreffen können. Das Endstadium der chronischen Nierenkrankheit erfordert eine dauerhafte Dialysebehandlung oder Nierentransplantation.

Zuletzt überarbeitet:



Die Behandlung der chronischen Nierenkrankheit ist ein komplexes Unterfangen. Sie beruht auf folgenden fünf Pfeilern:

  1. Die Behandlung der Ursachen der chronischen Nierenkrankheit
  2. Die Verzögerung des Krankheitsprogresses
  3. Die Therapie von Komplikationen
  4. Das Weglassen nierenschädlicher Arzneimittel und eine Anpassung der Medikamentendosierung
  5. Das rechtzeitige Einleiten von Nierenersatzverfahren wie Dialyse und Nierentransplantation

1. Behandlung der Ursachen

35 % der Fälle von chronischer Nierenkrankheit in westlichen Ländern gehen auf Diabetes zurück, fast 25 % rühren von chronischem Bluthochdruck her. In der Behandlung der Ursachen der chronischen Nierenkrankheit hat daher die Prävention und das Management dieser Volkskrankheiten eine hohe Priorität. Wenn bereits eine Funktionsstörung der Nieren eingetreten ist, hilft die richtige Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung bei der Verzögerung einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion. Bei Diabetikern wird in der Regel ein Langzeitzuckerwert (HbA1c) von < 7,0 % empfohlen.

Weitere Ursachen einer chronischen Nierenkrankheit sind Glomerulonephritis, Zystennieren, wiederholte Nierenbeckenentzündungen, angeborene Fehlbildungen des Harntraktes bei Kindern, Rheuma und Amyloidose. All diese Erkrankungen bedürfen spezifischer Behandlungen, die sich positiv auf den Verlauf der Nierenkrankheit auswirken.

2. Verzögerung des Krankheitsprogresses

Ein früher Nachweis und eine entsprechend frühe Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung können die Entwicklung einer chronischen Nierenkrankheit verhindern oder verzögern. Doch je später der Nachweis der Krankheit erfolgt und je später die Behandlung einsetzt, desto schwieriger wird es, den Krankheitsverlauf zu bremsen oder aufzuhalten.

Wie unter 1) dargestellt, lässt sich die zunehmende Verschlechterung der Nierenfunktion verhindern oder verlangsamen, indem die zugrunde liegende Erkrankung frühzeitig behandelt wird. Darüber hinaus gibt es von diesen Grunderkrankungen unabhängige Faktoren, deren Regulation für den Erhalt der Nierenfunktion wichtig sind:

  • Erhöhte Blutdruckwerte: Die Blutdruckwerte müssen zuverlässig bei einem Wert von 130/80 mmHg oder niedriger liegen (die genauen Zielwerte werden an das individuelle Risikoprofil angepasst). Dafür sind blutdrucksenkende Medikamente, aber auch Lebensstiländerungen (körperliche Aktivität, Reduktion von ÜbergewichtRauchstopp, gesunde Ernährung) notwendig.
  • Erhöhte Blutfette: Auch hier helfen allgemeine Maßnahmen wie Bewegung, Gewichtsreduktion, Rauchstopp. Häufig verordnete Medikamente sind die sogenannten Statine. Sie hemmen die Bildung von Cholesterin.
  • Verlust von Eiweiß (Protein) über die Niere: Bestimmte blutdrucksenke Medikamente reduzieren ebenfalls die Proteinausscheidung. Bei fortgeschrittener Nierenkrankheit kann eine eiweißarme Diät erforderlich werden.
  • Rauchen: Es ist erwiesen, dass ein Rauchstopp die Progression der Nierenerkrankung bei Diabetikern begrenzen kann. Auch bei allen anderen Patientinnen und Patienten verringert sich das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen (sowie für viele weitere Erkrankungen), wenn sie mit dem Rauchen aufhören.
  • Diätempfehlungen: Ab einer bestimmten Nierenfunktionsstörung wird eine Einschränkung der Aufnahme von (vor allem tierischen) Eiweißen, Salz und Kalzium empfohlen. Die Ernährungsschulung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei Menschen mit Nierenerkrankungen. Auch die Flüssigkeitszufuhr ist zu beachten, hier kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie individuell beraten.

3. Therapie von Komplikationen

Die chronische Nierenkrankheit geht mit dem schrittweisen Verlust zahlreicher Funktionen des Körpers einher. Einen besonderen Stellenwert haben die Folgen für das Herz-Kreislauf-System. Die in Deutschland zuverlässige Versorgung mit Dialysebehandlungen verhindert bei vielen Patientinnen und Patienten den Tod durch das Nierenversagen selbst. Das größte Risiko für einen vorzeitigen Tod liegt jedoch in den häufigen Begleiterkrankungen am Herzen und an den Gefäßen.

Folgende Komplikationen können behoben oder gelindert werden:

  • Überwässerung mit Symptomen wie geschwollenen Beinen, Luftnot aufgrund von Wasser in der Lunge sowie erhöhte Blutdruckwerte: Zur Therapie gehören Tabletten zur Entwässerung (Diuretika) und Blutdruckmedikamente.
  • Fehlsignale der Niere an das Kreislaufsystem, die zu dem Bluthochdruck beitragen: Spezielle Blutdruckmedikamente können diesen Effekt abmildern.
  • Verschiebung des inneren Milieus des Körpers in den sauren Bereich (sog. Azidose): Der pH-Wert kann durch Bicarbonat-Tabletten korrigiert werden.
  • Anhäufung von Kalium (sogenannte Hyperkaliämie), die zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann: Durch die Korrektur der Azidose reguliert sich auch der Kaliumspiegel. Weitere Möglichkeiten sind kaliumsenkende Medikamente, eine kaliumarme Diät (z. B. Verzicht auf Bananen und Tomaten) oder im Notfall die Dialyse.
  • Mangel an Vitamin D mit einer komplexen Fehlfunktion des Knochenstoffwechsels als Folge. Unter anderem werden die Knochen labil und Weichteilgewebe verkalken, so auch wichtige Arterien wie die Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. Die Therapie umfasst Vitamin D und in bestimmten Fällen besondere Diätvorschriften.
  • Mangel an dem Hormon Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Es kann sich eine Blutarmut (Anämie) bilden mit Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel, Blässe, beschleunigtem Herzschlag und Luftnot bei Belastung. Die Therapie besteht in der Gabe von Erythropoetin.
    • Übelkeit und Erbrechen: Medikamente gegen Übelkeit bringen Abhilfe.
    • Juckreiz: Es stehen Salben, Medikamente und die Bestrahlung mittels UV-Licht zur Verfügung.  
    • Sensibilitätsstörungen in den Füßen: Schmerzmittel lindern die Beschwerden.
    • Unruhige Beine vor allem während der Nachtruhe: Das sogenannte Restless-Legs-Syndrom kann mit einem Medikament namens L-DOPA behandelt werden.
    • Sexuelle Funktionsstörungen: Im Rahmen einer Nierenerkrankung können sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Eine Umstellung der Medikamente, Psycho- und Paartherapie sowie weitere Maßnahmen können Abhilfe schaffen. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt darüber.

Die Anhäufung giftiger Abbauprodukte des Körpers, die eigentlich mit dem Urin ausgeschieden werden sollten, mündet bei fortschreitender Nierenkrankheit in einen Zustand namens Urämie (lat. urina für „Urin“ und altgr. haĩma für „Blut“). Die Urämie manifestiert sich an fast allen Organen und bringt zahlreiche Symptome hervor, die einzeln behandelt oder im Rahmen einer Dialysebehandlung durch Beseitigung der ursächlichen Giftstoffe behoben werden. Zu den typischen Symptomen mit jeweiliger Behandlung gehören:

4. Arzneimittelverordnung bei chronischer Nierenkrankheit

Bei einer vorgeschädigten Niere sollten bestimmte Medikament nach Möglichkeit vermieden und durch besser verträgliche Alternativen ersetzt werden. Dazu zählen bestimmte Antibiotika (Aminoglykoside), Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac oder das Kontrastmittel, das bei der Computertomografie zum Einsatz kommt.

Einige Medikamente, die bei Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion verordnet werden können, müssen in ihrer Dosis reduziert werden. 

5. Nierenersatzverfahren

Im Endstadium der chronischen Nierenkrankheit ist die Nierenfunktion meist dauerhaft so stark eingeschränkt, dass ein Nierenersatzverfahren wie Dialyse oder Nierentransplantation notwendig wird. Dieser Schritt wirkt auf viele Betroffene beängstigend. Die Nachricht, dass ein Nierenersatzverfahren eingeleitet werden muss, wird jedoch in der Regel nicht abrupt mitgeteilt. Patientinnen und Patienten wird Raum und Zeit gegeben, um sich auf die bevorstehende Behandlung einzustellen. Kommt eine Nierentransplantation infrage, können das Thema Nierenspende im Familien- und Bekanntenkreis in Ruhe besprochen und vorbereitende Maßnahmen getroffen werden.

Wann der Zeitpunkt für den Beginn der Dialysebehandlung gekommen ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine wichtige Richtgröße ist die Nierenfunktion. In der Medizin wird hier der Parameter Glomeruläre Filtrationsrate benutzt, kurz GFR. Sinkt die GFR unter einen bestimmten Wert, reicht die Restfunktion der Niere meist nicht mehr aus, um eine Urämie zu verhindern. Deutliche Symptome einer Urämie sind ein weiterer Faktor, der den Beginn der Dialyse nahe legt. Auch unkontrollierbar steigende Kaliumwerte machen eine Dialyse erforderlich.

Es gibt zwei Arten der Dialyse: Hämodialyse und Peritonealdialyse. Bei der Hämodialyse wird das Blut langsam durch eine Filtermembran in einem Dialysegerät geleitet. Das Blut wird von giftigen Stoffwechselprodukten und überschüssigem Wasser befreit. Dabei wird auch der Gehalt des Blutes an Säuren und unterschiedlichen Mineralien wie Kalium normalisiert. Danach wird das Blut wieder in den Körper zurückgeleitet. Damit das Dialysegerät innerhalb weniger Stunden das gesamte Blutvolumen aus dem Körper heraus- und wieder hineinleiten kann, ist ein Zugang zu einem Blutgefäß mit starkem Blutfluss erforderlich. Bei längerfristigen Dialysebehandlungen wird ein sogenannter Shunt am Unterarm operativ angelegt. Dafür wird meist in örtlicher Betäubung eine oberflächliche Armvene mit einer tieferliegenden Arterie kurzgeschlossen. Nach einiger Zeit hat sich der Umfang der Vene so geweitet und die Flussrate so erhöht, dass die Vene für die Dialyse einsatzfähig ist. 

Bei der Peritonealdialyse fungiert das Bauchfell, das die Bauchorgane umschließt, als Filtermembran. Über einen dauerhaft liegenden Bauchwandkatheter wird die Dialysierflüssigkeit in die Bauchhöhle gefüllt. Sie umspült dort das gut durchblutete Bauchfell, sodass die ausscheidungspflichtigen Stoffe und das überschüssige Wasser aus den Blutgefäßen in die Dialysierflüssigkeit übergehen. Nach einigen Stunden wird die Dialysierflüssigkeit samt Giftstoffen über den Katheter abgelassen. Diese Dialyse kann der/die Betroffene meist selbst zuhause durchführen.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt darüber, ob für Sie eine Nierentransplantation infrage kommt. Der Eingriff ist zwar mit einigen Risiken verbunden, und es müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die eine Organabstoßung verhindern. Dennoch haben die meisten Nierentransplantierten eine höhere Lebensqualität als Dialysepatientinnen und -patienten. 

Manche Patientinnen und Patienten lehnen die Behandlung mittels Dialyse oder Transplantation ab. Diese Entscheidung ist zu respektieren. Unangenehme Symptome wie Schmerzen und Übelkeit können durch palliative Maßnahmen gelindert werden.

Das können Sie selbst tun

In vielen Fällen folgt die chronische Nierenkrankheit auf Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck, die durch einen gesunden Lebenswandel in einigen Fällen vermeidbar sind. Zu einem gesunden Lebenswandel gehören regelmäßige körperliche Aktivität und Sport, Rauchverzicht, Normalgewicht, eine ausgewogene Ernährung zum Beispiel nach dem Vorbild der Mittelmeerkost, gemäßigter Genuss von Alkohol sowie das Vermeiden von zu viel Stress. Auch wenn ein Nierenschaden eingetreten ist, helfen diese Maßnahmen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder aufzuhalten. Weitere Informationen dazu, wie Sie Ihren Lebensstil positiv verändern können, finden Sie im Artikel Lebensstiländerung bei hohem Blutdruck sowie bei Ihrer Krankenversicherung oder Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf