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Bakterien im Urin ohne Symptome (asymptomatische Bakteriurie)

Im Urin vieler Menschen können Bakterien nachgewiesen werden, ohne dass die Betroffenen Symptome eines Harnwegsinfektes haben. Man spricht dann von einer asymptomatischen Bakteriurie. In den meisten Fällen ist keine Therapie erforderlich. Schwangere Frauen mit Bakterien im Urin sollten im Falle einer Risikoschwangerschaft allerdings antibiotisch behandelt werden.

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Was ist eine asymptomatische Bakteriurie?

Definition

Der Urin und die Harnblase gesunder Menschen sind nicht immer frei von Keimen. Das beschwerdefreie Ausscheiden von Bakterien im Urin nennt man asymptomatische Bakteriurie. Sie ist abzugrenzen von einem Harnwegsinfekt. Auch hier werden Bakterien im Urin gefunden, zusätzlich aber leiden die Betroffenen unter sehr unangenehmen Symptomen wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie starkem und häufigem Harndrang. Im Fall der asymptomatischen Bakteriurie liegt lediglich eine oberflächliche Besiedlung der Schleimhaut des Harntraktes mit Bakterien wie z. B. E. coli vor. Bei einem Harnwegsinfekt reagiert die Schleimhaut mit einer Entzündungsreaktion.

Symptome

Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine asymptomatische Ausscheidung von Bakterien im Harn. Die Betroffenen haben keinerlei Beschwerden. Auch der Urin ist nicht verändert.

Ursachen

Die Ursachen, wieso manche Menschen Bakterien im Urin haben und andere nicht, und wieso dabei keine Beschwerden auftreten, sind nicht ganz klar. Betroffene mit Verweilkathetern haben ein höheres Risiko aufgrund des Fremdkörpers, worauf sich Bakterien ansiedeln können.

Häufigkeit

Vor allem bei Frauen konnte nachgewiesen werden, dass im Vorschulalter 1–2 %, im Alter von 20–40 Jahren bei sexuell aktiven Frauen ca. 5–6 % und im Alter über 70 Jahren etwa 18 % der Frauen Bakterien im Urin haben, ohne dabei Beschwerden eines Harnwegsinfektes zu verspüren.

Noch höher liegen die Zahlen bei Frauen und Männern in Pflegeeinrichtungen (bei Männern sind ca. 15–40 % und bei Frauen ca. 25–50 % betroffen). Menschen mit einem über mehrere Wochen oder Monate liegenden Urindauerkatheter haben sogar in bis zu 100 % der Fälle Bakterien im Urin, ohne unter Symptomen zu leiden.

Eine asymptomatische Bakteriurie lässt sich bei 4–7 % der schwangeren Frauen nachweisen.

Untersuchungen

Eine asymptomatische Bakteriurie wird durch eine Urinkultur von symptomfreien Patient*innen entdeckt. Allerdings sollte solch eine Untersuchung ohne Grund bei gesunden Kindern und nicht schwangeren Frauen nicht erfolgen, da keine Belege für einen Vorteil bei Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie bestehen. Ein Schnelltest mittels eines Urin-Teststreifens ist häufig ungenau und reicht allein nicht aus, um eine Bakteriurie nachzuweisen. Allerdings kann ein Urin-Teststreifen v. a. bei älteren Patient*innen helfen, eine Bakteriurie auszuschließen, wenn die Parameter Leukozyten und Nitrit im Test nicht nachgewiesen werden können.

Behandlung

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass nur ein kleiner Teil der Patient*innen mit asymptomatischer Bakteriurie von einer Behandlung mit Antibiotika profitiert. Bei allen anderen schaden Antibiotika mehr als sie Nutzen bringen. Behandlungsbedürftig sind drei Patientengruppen:

  1. Schwangere Frauen, bei denen es z. B. in vergangenen Schwangerschaften zur Frühgeburt oder Fehlgeburt gekommen ist, oder bei denen bereits eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) vorlag.
  2. Kinder unter vier Jahren mit bekanntem vesikoureteralem Reflux und wiederholten Harnwegsinfektionen. Ein vesikoureteraler Reflux bezeichnet einen krankhaften Rückfluss von Urin aus der Blase zurück in den Harnleiter in Richtung der Nierenbecken.
  3. Patient*innen vor urologischen Eingriffen oder Operationen.

Bei allen anderen sind Antibiotika nicht zu empfehlen.

Schwangerschaft und asymptomatische Bakteriurie

Bei 4–7 % der schwangeren Frauen werden Bakterien im Urin gefunden, ohne dass Symptome vorliegen. Da allerdings keine Hinweise für eine Schädigung des Kindes durch eine asymptomatische Bakteriurie vorliegen, wird eine generelle Untersuchung auf Bakterien im Urin nicht empfohlen.

Nur unter bestimmten Bedingungen, wenn die Schwangere unter wiederkehrenden Harnwegsinfekten leidet oder sich in der Vergangenheit eine Frühgeburt ereignete, wird eine Diagnostik zum Nachweis von Bakterien im Urin mittels zwei Urinkulturen durchgeführt. Der Urin-Teststreifen kann nicht mit ausreichender Sicherheit Bakterien im Urin nachweisen und wird daher nicht verwendet.

Die Diagnose einer asymptomatischen Bakteriurie wird dann gestellt, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Urinkulturen das Wachstum der gleichen Bakterien festgestellt wurde. Ob eine antibiotische Therapie durchgeführt wird, entscheiden die Ärzt*innen individuell, je nachdem, ob bzw. welche Risikofaktoren vorliegen.

Mehr Informationen zu Harnwegsinfekten in der Schwangerschaft finden Sie im Artikel Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft.

Prognose

Nur bei den bereits erwähnten Patientengruppen – schwangere Frauen mit Risikofaktoren, Kinder mit vesikoureteralem Reflux, Patient*innen vor urologischen Eingriffen – ist eine antibiotische Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie sinnvoll. Bei ihnen führt die Besiedlung des Harntraktes mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Infektion und zu gesundheitlichen Risiken, wenn keine Therapie erfolgt.

Kinder unter vier Jahren mit vesikoureteralem Reflux haben ein erhöhtes Risiko, dauerhafte Nierenschäden davonzutragen, wenn sie an wiederkehrenden Harnwegsinfekten erkranken. Daher sollte bei positivem Bakterienbefund im Urin in Absprache mit den Kinderärzt*innen eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen.

Für alle anderen hat der Nachweis von Bakterien im Urin ohne Symptome keine Relevanz.

Weitere Informationen

Autorin

  • Natalie Anasiewicz, Dr. med., Ärztin, Davos