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Harnwegsinfekt bei Dauerkatheter

In manchen medizinischen Situationen, z. B. bei einer größeren OP, werden Urinkatheter gelegt, die manchmal noch über einen bestimmten Zeitraum belassen werden. Allerdings begünstigt die Anlage eines Dauerkatheters die Entstehung eines Harnwegsinfekts. Über den Schlauch, der den Urinsammelbeutel mit der Harnblase verbindet, können Bakterien in die Harnblase aufsteigen und eine Entzündung der Harnwege auslösen.

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Blasenkatheter – Eintrittspforten für Bakterien

Blasenkatheter, auch Blasendauerkatheter oder Urinkatheter genannt, kommen in erster Linie dann zur Anwendung, wenn Patienten die Blase nicht selbständig entleeren können, z. B. wenn ein Harnverhalt vorliegt. Auch während großer Operationen oder für die Zeit der Wundheilung nach einer Operation kann ein Blasenkatheter sinnvoll sein. Blasenkatheter bestehen aus einem Urinsammelbeutel, einem Schlauch, der in der Blase zu liegen kommt, sowie einem Blockiermechanismus, der verhindert, dass der Schlauch aus der Blase rutscht.

Der Nachteil an Blasenkathetern ist, dass sie eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen. Jedes Einführen eines Katheters kann Bakterien in die Harnblase befördern. Dies stellt ein Risiko für die Entwicklung eines Harnwegsinfektes dar. Das Hauptproblem ist jedoch, dass die Bakterien das Fremdmaterial bei einer längeren Liegezeit besiedeln können. Je länger ein Blasenkatheter liegt, desto höher ist das Risiko der Patienten, an einem Harnwegsinfekt zu erkranken. Man spricht in der Regel von einem komplizierten Harnwegsinfekt, da die Behandlung schwieriger und der Erkrankungsverlauf mit mehr Komplikationen behaftet sein kann, als dies bei einer Blasenentzündung ohne Risikofaktoren der Fall wäre. Katheterbedingte Harnwegsinfekte können auch erst bis zu 2 Tage nach dem Entfernen des Katheters auftreten.

Harnwegsinfekte durch Dauerkatheter sind ein häufiges Problem in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Aufgrund der hohen Anzahl immungeschwächter oder andersartig vorerkrankter Personen und aufgrund einer möglicherweise unzureichenden Händehygiene des Personals können sich resistente Bakterien leichter ausbreiten. Ist ein resistentes Bakterium für den Harnwegsinfekt verantwortlich, verlängert und erschwert dies die Behandlung ggf. zusätzlich.

Die beste Vorbeugung gegen Harnwegsinfekte durch Blasenkatheter ist die sorgfältige Abwägung, ob ein dauerhafter Blasenkatheter (weiterhin) sinnvoll ist oder ob auf Alternativen zurückgegriffen werden kann, z. B. (wiederholte) Einmalkatheter.

Symptome

Generell unterscheidet man bei Harnwegsinfekten zwischen unteren und oberen. Untere Harnwegsinfekte betreffen die Harnröhre oder Harnblase. Von hier aus können die Bakterien über die Harnleiter in das Nierenbecken und die Niere aufsteigen. Man spricht dann von einem oberen Harnwegsinfekt bzw. von einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Je nach Ausmaß des Harnwegsinfekts können Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen im Unterleib oder in den Flanken, trüber oder rötlich verfärbter Urin sowie Schmerzen beim Wasserlassen (bei Frauen/bei Männern) oder vermehrtes Wasserlassen nach dem Entfernen des Katheters auftreten. Ältere Patienten klagen oft nicht über die typischen Symptome. Hier können z. B. Veränderungen des Allgemeinzustandes, Unwohlsein, unklares Fieber oder Bauchschmerzen auf einen Harnwegsinfekt hinweisen. Gleiches gilt für Kinder.

Risikofaktoren für die Entstehung eines Harnwegsinfekts durch einen Dauerkatheter sind Immunschwäche, fortgeschrittenes Lebensalter, weibliches Geschlecht, unzureichende Hygiene beim Legen des Katheters oder bei der Katheterpflege, Diabetes sowie eine chronische Nierenkrankheit. Der wichtigste Risikofaktor ist allerdings die Liegedauer des Katheters.

Diagnostik

Bei einem liegenden Blasenkatheter und den oben genannten Anzeichen fällt schnell der Verdacht auf eine Harnwegsinfektion. In der körperlichen Untersuchung können Schmerzen im Bereich der Blase oder der Nieren nur gering ausgeprägt oder gar nicht vorhanden sein. Zusätzlich zur Blutentnahme werden ein Urinstreifentest durchgeführt und eine Urinkultur angelegt. Die Kultur sollte aus einem neu gelegten Katheter entnommen werden, da es ansonsten zu falschen Ergebnissen kommen kann. An den heranwachsenden Bakterien kann getestet werden, welches Antibiotikum am besten wirkt. In manchen Fällen, z. B. bei älteren Patienten oder an Diabetes erkrankten Personen, können auch Pilze (Candida) im Urin gefunden werden.

Ggf. wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, mit der ein Urinaufstau in das Nierenbecken sowie anatomische Abweichungen erkannt werden können. Ggf. kommen auch weitere diagnostische Methoden zum Einsatz, z. B. speziellere urologische Untersuchungen (z. B. Urografie, Zystoskopie, CT der Nieren und Harnwege).

Liegen keine Symptome vor bzw. besteht kein klinischer Verdacht auf eine Harnwegsinfektion, sind regelmäßige Urinkulturen bei Patienten mit Dauerkatheter nicht empfohlen, da sie keinen Wissenszugewinn bringen.

Therapie

Harnwegsinfekte durch Dauerkatheter sind in der Regel bakteriell verursacht. Daher wird bei klinischen Zeichen eines Harnwegsinfekts in Kombination mit dem Nachweis von Bakterien im Urin eine Antibiotikatherapie eingeleitet. Durch die Urinkultur kann getestet werden, welcher Erreger vorliegt und welche Antibiotika gegen den Erreger eingesetzt werden können. Die Therapie dauert je nach Ansprechen etwa 7 Tage, ggf. auch länger. Vor Beginn der antibiotischen Behandlung sollte der Urinkatheter entfernt oder gewechselt werden. Im Therapieverlauf erfolgen Kontrollen durch eine Urinkultur.

Wenn keine Symptome vorliegen, werden in der Regel keine Antibiotika verschrieben, auch wenn Bakterien im Urin nachgewiesen werden können (asymptomatische Bakteriurie).

Vorbeugung

Die Anlage eines Dauerkatheters sollte gut überlegt sein und nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen. Es sollte deshalb vor der Anlage die Frage gestellt werden, ob ein Dauerkatheter für diesen konkreten Fall angezeigt ist. Bei einem liegenden Katheter sollte immer wieder evaluiert werden, ob er noch gebraucht wird oder ob Alternativen eingesetzt werden können, z. B. Einmalkatheter. Das damit verbundene Risiko eines Harnwegsinfekts ist deutlich niedriger als bei einem Dauerkatheter. Ein Dauerkatheter bei älteren Patienten mit Harninkontinenz sollte möglichst vermieden werden. Urininkontinenz alleine rechtfertigt nicht die Anlage eines Dauerkatheters.

Die tägliche Reinigung mit Wasser und ggf. Seife rund um die Eintrittsstelle ist empfehlenswert. Liegt ein suprapubischer Katheter vor, sprich ein direkter Zugang zur Blase über die untere Bauchregion, sollte der Katheter sowie die Genitalregion ebenfalls täglich gereinigt werden. Sie sollten vermeiden, den Schlauch abzuknicken, damit der Urin abfließen kann und nicht im Schlauch steht. Eine ausreichend große Trinkmenge ist empfehlenswert (1,5 bis 2 Liter, wenn keine Gründe bzw. Vorerkrankungen dagegen sprechen).

Ein Katheterwechsel sollte nicht routinemäßig in festen Abständen, sondern bei Bedarf und nach ärztlicher Einschätzung erfolgen. Dadurch werden unnötige Verletzungen der Harnröhre vermieden. Eine vorsorgliche Einnahme von Antibiotika wird in der Regel nicht empfohlen.

Prognose

Die Prognose ist für die meisten Harnwegsinfekte durch einen Dauerkatheter gut.

In manchen Fällen kann ein unterer Harnwegsinfekt allerdings auf die oberen Harnwege übergreifen und eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) hervorrufen. Von dort können die Bakterien unter Umständen in die Blutbahn übertreten und zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen, die potenziell lebensbedrohlich verlaufen kann.

Weitere mögliche Komplikationen bei katheterbedingten Harnwegsinfekten bestehen in der Bildung von Steinen in den Harnwegen (z. B. in der Blase oder in der Niere). Bei Männern kann es zudem zu einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis), des Nebenhodens (Epididymitis), des Hodens (Orchitis) oder der Prostata (Prostatitis) kommen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf