Rauchen und Krebsrisiko

Das Rauchen stellt einen hohen Risikofaktor für das Entstehen von verschiedenen Krebserkrankungen dar. Dazu tragen vor allem die enthaltenen Teersubstanzen bei, die über einen langjährigen Konsum bekanntlich nicht nur für das Lungenkarzinom verantwortlich sind.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Warum ist Rauchen so gefährlich?

Die Erkenntnisse der Wissenschaft sind eindeutig: Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für die Krebsentstehung. Die Beziehung zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs ist besonders offensichtlich. In Deutschland sind bei Männern vermutlich 9 von 10, bei Frauen mindestens 6 von 10 Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen. Allein diese Tatsache sollte dazu ermuntern, das Rauchen einzustellen, um die Lebenserwartung und damit einhergehend die Lebensqualität zu erhalten.

Aber nicht nur das Lungenkarzinom ist auf das Rauchen zurückzuführen. Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Kehlkopfes und der Mundhöhle stehen in engem Zusammenhang mit Tabakkonsum, entweder als alleinige Ursache oder in Verbindung mit Alkohol. Auch Krebserkrankungen der Blase, der Bauchspeicheldrüse, der Niere, des Magens und des Gebärmutterhalses können durch das Rauchen verursacht sein. Weiter hat das Rauchen einen negativen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und die Funktionsfähigkeit der Lunge mit einer zunehmenden Zerstörung der Lungenstruktur. Der lebenswichtige Gasaustausch wird dadurch behindert. Das Atmen fällt schwer und die Leistungsfähigkeit sinkt. Das Rauchen in der Schwangerschaft birgt zudem eine Gefahr für das ungeborene Kind und hat einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib bis ins Erwachsenenalter.

In Deutschland sterben jedes Jahr über 120.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens. Dies entspricht 7,8 % aller Todesfälle bei Frauen und 19,7 % bei Männern. Krebserkrankungen verursachen den größten Anteil der tabakbedingten Todesfälle – rund 41 % bei den Frauen und 52 % bei den Männern, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (32 bzw. 29 %) und Atemwegserkrankungen (28 bzw. 19 %).

Dies sind überzeugende Gründe, weshalb Sie auf das Rauchen verzichten und junge Menschen davon abhalten sollten, dieser gesundheitsschädigenden Sucht überhaupt zu verfallen. Denn immer noch sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die am anfälligsten sind, nikotinsüchtig zu werden. Zwar ist in Deutschland bei den 12- bis 17-Jährigen seit 2001 ein starker Rückgang des Rauchens zu erkennen, trotzdem rauchten im Jahr 2014 immer noch 9 % der Mädchen und 11 % der Jungen im Alter von 12–17 Jahren und 30 % der 18- bis 25-Jährigen.1

Passivrauchen

Unter Wissenschaftler*innen herrscht Konsens, dass auch Passivrauchen schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Unter anderem wurde festgestellt, dass Nichtraucher*innen, die mit einer Person zusammenleben, die zu Hause raucht, ein größeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken, als Nichtraucher*innen, die rauchfrei wohnen. Auch Personen, die bei der Arbeit passiv Tabakrauch ausgesetzt sind, haben ein höheres Krebsrisiko als diejenigen, die in einer rauchfreien Umgebung arbeiten. Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt ebenfalls, wenn man sich viel in Räumen aufhält, wo geraucht wird.

Kinder mit rauchenden Eltern haben ein erhöhtes Risiko, unter anderem an Asthma, Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen zu erkranken. Passivrauchen führt auch dazu, dass diese Beschwerden stärker sind, als sie es sonst gewesen wären.

Aufhören mit dem Rauchen und Risiko senken

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, sinkt das Risiko für gesundheitliche Schäden. Je früher, desto stärker nähert sich das Risiko wieder an das Niveau für Nichtraucher*innen an. Dies dauert allerdings Jahre, unter Umständen sogar Jahrzehnte.

Dieser Effekt ist für rauchende Männer schon länger bekannt. Frauen profitieren jedoch ebenfalls: Rauchende Britinnen verlieren laut einer 2012 erschienenen Studie statistisch im Vergleich zu Nichtraucherinnen bis zu 11 Lebensjahre. Wer im Alter von 30 mit dem Rauchen aufhört, kann diesen Unterschied fast vollständig wieder wettmachen. Frauen, die erst mit 40 aufhören, gewinnen durchschnittlich immerhin noch 9 Lebensjahre dazu.2

10 Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören3

Lungenkrebs

  • Bereits innerhalb einiger Jahre sinkt das Erkrankungsrisiko für die meisten Krebsarten deutlich – je früher Sie mit dem Rauchen aufhören, desto besser ist die Wirkung.
  • 10 Jahre nach einem Rauchstopp haben Exraucher*innen ein nur noch halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, als wenn sie dauerhaft weitergeraucht hätten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Bereits eine Woche nach einem Rauchstopp sinkt der Blutdruck. 2 Jahre nach einem Rauchstopp haben Exraucher*innen fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Nichtraucher*innen.
  • Ein Rauchstopp verbessert die medikamentöse Therapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Atemwegserkrankungen

  • Schon 3 Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich die Funktion der Atemwege.
  • Ein Rauchstopp verbessert auch die Symptome der chronisch obstruktiven Lunkenerkrankung (COPD), verlangsamt deren Verlauf und verlängert das Leben.

Unfruchtbarkeit/Impotenz

  • Ein Rauchstopp vor und auch noch während der Schwangerschaft verringert das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen.
  • Rauchende Männer leiden häufiger unter Impotenz als nichtrauchende Männer.

Infektionen der Atemwege

  • 3–9 Monate nach einem Rauchstopp verbessern sich Husten und Atemwegsbeschwerden.

Persönliches Erscheinungsbild

  • Nach einem Rauchstopp verschwinden die Verfärbungen der Finger und Zähne, die Haut wird glatter und sieht frischer aus, und der schlechte Geruch der Haare und der Kleidung verschwindet.

Körperliche Fitness

  • Exraucher*innen sind körperlich wieder fitter, leben gesünder und sind belastbarer.

Gesundheitsschädigung anderer durch Passivrauchen

  • Wer nicht mehr raucht, tut nicht nur der eigenen Gesundheit einen Gefallen, sondern schont auch die Gesundheit anderer.

Kontrolle über das eigene Leben

  • Nach einem Rauchstopp sind Exraucher*innen nicht mehr permanent Opfer ihrer Sucht: Sie verfügen wieder frei über ihre Zeit und fühlen sich nicht mehr gezwungen, jede Tätigkeit immer wieder für eine Zigarette zu unterbrechen.

Geldersparnis

  • Bei einem Preis von 6,50 € pro Zigarettenschachtel mit 20 Zigaretten geben Raucher*innen, die ein Päckchen Zigaretten am Tag rauchen, in einem Jahr mehr als 2.300 € für das Rauchen aus.
  • Für die gleiche Summe können Sie sich einen schönen Urlaub leisten oder sich andere kleinere und größere Wünsche zwischendurch erfüllen!

Zigarette, Zigarre, Pfeife: Macht es einen Unterschied, was man raucht?

Nein! Rauchen, egal in welcher Form, ist ein gesundheitliches Risiko. Vergleicht man verschiedene Untersuchungen, fallen zwar geringfügige Unterschiede bei den verschiedenen Formen des Tabakkonsums auf, unstrittig ist aber, dass nicht nur Zigaretten, sondern auch Zigarren und Pfeife gesundheitsschädigend wirken. Auch Zigarren- und Pfeifenraucher*innen haben, im Vergleich zu Nichtraucher*innen, ein gesteigertes Risiko für verschiedene Tumoren. Dies sind vor allem Krebsarten am und im Mund sowie im Rachen, aber auch Lungenkrebs.2

Wasserpfeifen, Shishas: Sind sie weniger gefährlich als Zigaretten?

Vor allem bei Jugendlichen sind seit einigen Jahren Wasserpfeifen (auch als Shisha, Schischa oder Hookah bezeichnet) und E-Zigaretten beliebt. Sie werden im Vergleich zu Zigaretten oft als weniger gefährlich eingeschätzt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass durch das Umsteigen vom Tabakrauchen auf E-Zigaretten und die damit wegfallende Exposition gegenüber krebserregenden Rauchbestandteilen die schädliche Wirkung des Konsums reduziert werden kann. Die meisten Produkte enthalten jedoch neben Nikotin eine Vielzahl weiterer potenziell toxischer Substanzen. Auch die Bronchienfunktion scheint durch E-Zigaretten beeinträchtigt zu werden und das Abhängigkeitspotenzial scheint mindestens so hoch zu sein wie beim Tabakrauchen.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen. Köln 2014. www.rauchfrei-info.de
  2. Krebsinformationsdienst. Rauchen als Krebsrisiko. Heidelberg 2016. www.krebsinformationsdienst.de
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum. 10 Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören. Heidelberg 2008. www.dkfz.de
  4. Pötsche-Langer M. et al. Tabakatlas Deutschland 2015. Deutsches Krebsforschungszentrum 2015. www.dkfz.de

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.