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Bakterielle Gelenkentzündung

Bei einem überwärmten und geschwollenen Gelenk sollte stets an eine bakterielle Gelenkentzündung gedacht werden. Eine rasch einsetzende Antibiotikatherapie ist für eine gute Prognose entscheidend.

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Was ist eine bakterielle Gelenkentzündung?

Eine bakterielle Gelenkentzündung ist eine durch Bakterien verursachte Infektion in einem Gelenk oder in Einzelfällen mehreren Gelenken. Medizinisch spricht man von einer Arthritis. Es sind in der Regel große Gelenke wie Hüfte, Knie oder Schultergelenk, die betroffen sind; grundsätzlich können aber alle Gelenke infiziert sein. Die Bakterien stammen meist aus einer Wunde in der Umgebung; insbesondere nach dem Biss eines Tiers oder Menschen haben sich oft sehr infektiöse Keime im Gewebe ausgebreitet. Auch im Rahmen einer noch nicht ausgeheilten Infektionskrankheit können Erreger über die Blutbahn in das Gelenk gelangen. Auch im Rahmen einer Gelenkoperation können Erreger in das Gelenk gelangt sein.

Besonders häufig sind ältere Menschen (älter als 65 Jahre) betroffen, aber auch Kinder können daran erkranken. Nicht selten lag in der Vergangenheit eine Gelenkverletzung oder Gelenkerkrankung an dem betreffenden Gelenk vor. Aus diesem Grund sind Patienten mit Gelenkerkrankungen wie rheumatischen Erkrankungen oder Patienten mit Gelenkprothesen häufiger betroffen. Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, begünstigen ebenfalls derartige Entzündungen. Hierunter fallen z. B. Menschen mit Diabetes oder Alkoholkrankheit oder auch Patienten, die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems anwenden.

Welche Symptome treten bei bakterieller Arthritis auf?

Die Erkrankung beginnt mit einer akuten Schwellungen, Überwärmung, Rötung und Schmerzen im Gelenk. Bereits nach kurzer Zeit kommt es zu einer Einschränkung der Beweglichkeit im Gelenk infolge der Schwellung und Schmerzen. In der Regel steigt die Körpertemperatur (Fieber), der Allgemeinzustand ist beeinträchtigt (Erschöpfung, Krankheitsgefühl).

Diagnostik

Bei einem überwärmten und geschwollenen Gelenk sollte stets an eine bakterielle Gelenkentzündung gedacht werden. Das Vorliegen einer weiteren Infektion im Körper bestärkt diesen Verdacht. Auch bei Patienten mit einem künstlichen Gelenk oder nach einer anderen Gelenkoperation sollte rasch an die Möglichkeit einer bakteriellen Infektion des Gelenks gedacht werden. Benachbarte Lymphknoten, zum Beispiel in der Leiste, sind häufig geschwollen, wenn eine Infektion von Knie oder Hüftgelenk besteht. In diesem Punkt unterscheidet sich die Krankheit von beispielsweise der Gicht.

Zur Absicherung der Diagnose erfolgt eine Blutuntersuchung. BSG, CRP und Leukozytenzahl im Blut sind erhöht. Es wird in einigen Fällen etwas Gelenkflüssigkeit zum Nachweis einer etwaigen bakteriellen Besiedlung entnommen. Bei Verdacht auf eine bakterielle Gelenkentzündung werden die Betroffenen unverzüglich in ein Krankenhaus eingewiesen.

Therapie

Eine rasch einsetzende Antibiotikatherapie ist für eine gute Prognose entscheidend. Die Therapie sollte innerhalb von 24–48 Stunden nach Beginn der Erkrankung eingeleitet werden. Im Krankenhaus werden Antibiotika in der Regel als Infusion direkt in den Blutkreislauf verabreicht. In einigen Fällen sind tägliche Spülungen des betroffenen Gelenks erforderlich. Dazu wird die infizierte Gelenkflüssigkeit entleert und das Gelenk mit steriler Flüssigkeit gespült. Gelegentlich müssen Teile der Gelenkinnenhaut operativ entfernt werden.

Zu Beginn muss das Gelenk möglichst ruhig gehalten werden. Nach ein paar Tagen wird dann mit Bewegungstraining begonnen, um eine Versteifung des Gelenks zu vermeiden. Die Behandlung unter physiotherapeutischer Anleitung ist sehr wichtig und sollte zu Hause regelmäßig fortgeführt werden, um die Funktion des Gelenks optimal zu erhalten.

Prognose

Unbehandelt kommt es zu einer Zerstörung des Gelenks mit vollständiger Versteifung. Bei früher Therapieeinleitung und einem ansonsten gesunden Patienten ist die Prognose gut. Ein höheres Risiko für Komplikationen oder eine unzureichende Heilung haben z. B. Personen mit Begleitkrankheiten, geschwächtem Immunsystem, hartnäckigen Erregern  und/oder einem späten Beginn der Therapie.

Mögliche Komplikationen sind eine Sepsis (Blutvergiftung, Ausbreitung der Keime im gesamten Körper), eine Fistelbildung im Bereich des Gelenks, Verletzung von Nerven oder Blutgefäßen, anhaltende Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit und die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus). Aus diesen Gründen ist eine rasche, sorgfältige Therapie in der Klinik erforderlich.

Unabhängig vom Behandlungsbeginn besteht bei allen Betroffenen mit Gelenkentzündung ein gewisses Risiko für eine Bewegungseinschränkung des Gelenks. Um die Beweglichkeit nach einer Gelenkentzündung zu erhalten, ist ein regelmäßiges Training daher unerlässlich.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen