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Kniegelenkprothese

Eine Arthrose ist der häufigste Anlass dafür, das Kniegelenk durch eine Prothese zu ersetzen. Weitere Gründe sind Gelenkrheuma oder eine größere Knieverletzung mit komplizierter Fraktur im Knie.

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Was ist eine Kniegelenkprothese?

Als Knieendoprothetik bezeichnet man die Operation, bei der das gesamte Kniegelenk durch ein künstliches Kniegelenk ersetzt wird. Das künstliche Kniegelenk nennt man Kniegelenkprothese oder Vollprothese des Kniegelenks. Das Kniegelenk wird durch ein künstliches Kniegelenk ersetzt, um Patienten von Schmerzen zu befreien, die Steifigkeit zu verringern und die Gelenkfunktion zu verbessern.

Zur Behandlung der Kniegelenksarthrose sind einfache Maßnahmen meist ausreichend. Eine Operation wird nur bei fortgeschrittener Arthrose mit starken Beschwerden empfohlen. Trotzdem gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Anzahl an Hüft- und Knieprothesen-Operationen.

Wann wird ein Kniegelenk durch eine Prothese ersetzt?

Eine Arthrose ist der häufigste Anlass, das Kniegelenk durch eine Prothese zu ersetzen. Weitere Gründe sind Gelenkrheuma oder eine größere Knieverletzung mit kompliziertem Knochenbruch.

Bevor ein chirurgischer Eingriff erfolgt, wenden Mediziner konservative Behandlungsmethoden wie Krafttraining, Physiotherapie, Gewichtsabnahme und Medikation mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Arzneimitteln wie nichtsteroidale Anthirheumatika (NSAR ) an. Die Betroffenen sollen die Stärke der Muskulatur durch Laufen auf weicher Unterlage oder Radfahren aufrechterhalten, um Schmerzen zu lindern.

Wenn starke Schmerzen bestehen und eine konservative Behandlung nach mindestens 6 Monaten keinen Erfolg zeigt, kann eine Operation erwogen werden.

Ist die Operation gefährlich?

Die möglichen Komplikationen bei einem derartigen Eingriff sind im Prinzip die gleichen wie bei anderen großen Operationen:

  • Bildung von Blutgerinnseln in der Wade oder im Oberschenkel
  • Ein Blutgerinnsel, das sich aus der Wade oder dem Oberschenkel löst und in die Lunge wandert (Lungenembolie).
  • Blutungen
  • Eine Infektion, die es notwendig macht, das neue Gelenk wieder zu entfernen.
  • Nervenverletzung, die zu Taubheit unter dem Knie führt.
  • Ablösung der Prothese
  • In Verbindung mit bestimmten chirurgischen Eingriffen erhalten Sie eventuell eine vorbeugende Antibiotikabehandlung, damit keine neue Infektion entstehen kann. Lassen Sie sich von Ihren behandelnden Ärzten beraten.

Ärzte haben der Operation junger Menschen bisher mit Skepsis entgegengesehen, da man im Laufe der Zeit Probleme mit der Prothesenbefestigung bekommen kann. Inzwischen raten Ärzte aber jungen Menschen immer weniger von diesem Eingriff ab, nachdem sich derartige Operationen in letzter Zeit als erfolgreich erwiesen haben. Nach 10 Jahren kann jedoch ein Prothesenwechsel notwendig werden.

Wie läuft die Operation ab?

Der abgetrennte Knochen wird durch Metall (normalerweise Kobalt, Chrom oder Titan) und Kunststoff (Polyethylen) ersetzt. Die Chirurgin/der Chirurg gießt das Metall meistens mit Knochenzement am Knochen fest. Wenn sie/er die Prothese falsch einsetzt, besteht die Gefahr für schlechte Beweglichkeit sowie für zu frühe Ablösung und Verschleiß des Kunststoffes. Die Operation kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen. Die Chirurgin/der Chirurg führt einen Schnitt über dem zu operierenden Kniegelenk aus. Sie/er schiebt die Kniescheibe (Patella) zur Seite, trennt die Enden von Oberschenkelknochen (Femur) und Wadenbein (Tibia) ab, passt diese der Prothese an, damit sie einen guten Halt bekommt. In gleicher Weise wird manchmal auch die Unterseite der Kniescheibe abgetrennt und dem künstlichen Gelenk angepasst. Die beiden Teile des künstlichen Kniegelenks werden in den Enden des Oberschenkelknochens, Wadenbeins und an der Unterseite der Kniescheibe mit einem besonderen Knochenzement implantiert bzw. befestigt. Die Oberfläche des neuen Kniegelenks besteht oft aus Metall oder Kunststoff und in manchen, neueren Prothesen wird auch Keramik verwendet.

In manchen Fällen ist der Verschleiß im Kniegelenk auf der einen Seite des Gelenks spürbar größer (entweder Innenseite/Außenseite oder medial/lateral). Dann besteht die Möglichkeit, eine Teilprothese einzusetzen. Der Einsatz einer solchen Prothese verlangt etwas mehr chirurgisches Können, führt aber im Vergleich zu einer Vollprothese meist zu einer schnelleren Rehabilitation. Nachteilig ist hierbei eine höhere Neigung zur Ablösung und zu Brüchen im Bereich um die Prothese.

Was passiert nach einer Operation?

Nach dem Eingriff erhält Ihr Knie eine große Bandage. In manchen Fällen setzten die Chirurgen bei der Operation eine kleine Drainage im Inneren des Kniegelenks ein. Dies soll gewährleisten, dass die zusätzlich gebildete Gewebeflüssigkeit nach der Operation aus dem Knie entweichen kann. Eine solche Drainage wird nach kurzer Zeit wieder entfernt.

Die Patienten sollen sich nach der Operation wieder so schnell wie möglich bewegen, damit die Gelenke nicht steif werden. Diese Mobilisation sorgt dafür, dass die Genesung schneller vonstattengeht, weniger Schmerzen nach der Operation auftreten und sich das Risiko für Blutungen und Infektionen verringert.

Sie werden eine Zeit lang nach der Operation noch gewisse Schmerzen spüren. Sie erhalten in den ersten Tagen nach der Operation Schmerzmittel injiziert, um die Schmerzen zu lindern und die Mobilisation zu fördern. Die Injektionen können im weiteren Verlauf durch Tabletten ersetzt werden, bis die Schmerzen allmählich abklingen.

Zur Vermeidung von Infektionen nach der Operation verschreibt Ihre Ärztin/Ihr Arzt Antibiotika. Sie werden auch Stützstrümpfe tragen müssen, die den Bereich um die Waden etwas komprimieren. Dies wirkt der Bildung von Blutgerinnseln entgegen, mit denen man bei derartigen Eingriffen rechnen kann. Aus dem gleichen Grund werden Ihnen auch blutverdünnende Mittel verschrieben.

Bereits einen Tag nach der Operation werden Sie wieder zum Laufen aufgefordert. Das Pflegepersonal hilft Ihnen, aus dem Bett in einen Stuhl zu gelangen. Des Weiteren sollten Sie bereits im Krankenbett die Fußgelenke beugen und strecken – auch dies beugt Blutgerinnseln vor. Gleichzeitig sollten Sie Atemübungen machen, denn tiefes Ein- und Ausatmen verhindert das Zusammenfallen des Lungengewebes und beugt Lungenentzündungen vor.

Oft wird in Verbindung mit dem Eingriff ein Katheter in die Harnblase eingesetzt. Dieser wird in der Regel kurz nach dem Eingriff wieder entfernt. Sie können danach, eventuell mit Unterstützung, die Toilette aufsuchen.

Genesung und Rehabilitation

Der Aufenthalt im Krankenhaus beschränkt sich auf eine knappe Woche. Es dauert aber 2–3 Monate bis hin zu einem Jahr, bis Sie wieder völlig genesen sind. Sie werden bereits am Tag nach der Operation zum Aufstehen veranlasst und aufgefordert, Ihre Beweglichkeit zu testen. Bei manchen Patienten ist nach dem Verlassen des Krankenhauses ein 3-wöchiger Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik notwendig. Eventuell brauchen Sie für einige Wochen oder Monate Krücken bzw. andere Gehhilfen. Die im Krankenhaus begonnene Physiotherapie wird weiter fortgesetzt, damit Sie Ihre Kraft und Beweglichkeit zurückerlangen. Vermeiden sollten Sie Hochleistungssport und Kraftsport, stattdessen sind nach abgeschlossener Rehabilitation weniger belastende Aktivitäten wie Schwimmen oder Waldspaziergänge angeraten.

Prognose

Die Operationen von Kniegelenkprothesen haben sich in der Regel als ausgezeichnet erwiesen. Sie lindern die Schmerzen bei bis zu 90 % der Patienten und die meisten brauchen nach der Rehabilitation keine Gehhilfen mehr. Die meisten Prothesen halten 10 Jahre, manche auch bis zu 15 Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit können sie sich langsam ablösen, und es wird dann oft eine neue Operation notwendig. Teilprothesen müssen meist schon früher ersetzt werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg