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Seitenbandverletzung des Knies, Innenseite

Seitenbandverletzungen an der Innenseite des Kniegelenks treten häufig bei Sportaktivitäten auf.

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Was ist eine mediale Kollateralbandverletzung?

Definition

Auf jeder Seite des Kniegelenks befindet sich ein kräftiges Band (Kollateralligament), das das Gelenk stützt und stabilisiert. Dies sind kräftige Bindegewebsbänder, die zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein über das Gelenk verlaufen. Das äußere Seitenband des Knies wird als laterales Kollateralligament, das innere Seitenband als mediales Kollateralligament bezeichnet. Das Seitenband auf der Innenseite des Kniegelenks verhindert insbesondere, dass das Gelenk zu sehr einwärts schwankt.

Seitenbandverletzungen an der Innenseite des Kniegelenks treten häufig bei Sportaktivitäten auf. Es kann sich um eine isolierte Verletzung des Seitenbandes handeln, Seitenbandverletzungen treten aber häufig auch im Zusammenhang mit anderen Gelenkverletzungen wie Meniskus- und Kreuzbandverletzungen auf.

Symptome

Die Symptome bestehen in der Regel aus starken Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks. Oft tritt im selben Bereich auch eine Schwellung auf. Es kann zu Blutergüssen kommen bzw. bei gleichzeitigen anderen Knieverletzungen zu Blutergüssen im Kniegelenk. Das Knie kann je nach Ausmaß der Verletzung aufgrund der Instabilität weit nach innen gebeugt werden.

Ursachen

Die Verletzung tritt meist im Zusammenhang mit einem seitlichen Aufprall auf, sodass das Kniegelenk nach innen gedrückt wird und es zu einer starken Streckung des Seitenbandes auf der Innenseite des Gelenks kommt. In vielen Fällen tritt gleichzeitig eine Verdrehung (Rotation) des Kniegelenks auf. Die Verletzung tritt damit typischerweise bei Kontaktsportarten wie Judo, Fußball, Rugby oder Handball auf.

Häufigkeit

Eine innere Seitenbandverletzung des Knies ist mit einer Häufigkeit von 7,3 pro 1.000 Personenjahren bei jungen sportlichen Erwachsenen eine sehr häufige Sportverletzung. Das Innenband ist das Band des Kniegelenks, das am häufigsten verletzt wird.

Das Kollateralband ist mit dem Innenmeniskus verwachsen, weswegen es in 25 % der Fälle zu einer zusätzlichen Verletzung des medialen Meniskus kommt. Bei schweren Fällen kommt es in 78 % der Fälle zusätzlich zu einer Verletzung des vorderen Kreuzbands.

Untersuchung

  • Die Diagnose wird anhand des Verletzungshergangs und einiger einfacher Funktions- und Instabilitätstests gestellt. Aufgrund der starken Schmerzen kann es in der akuten Phase schwierig sein, eine vollständige Untersuchung durchzuführen. Es kann in diesen Fällen leichter sein, etwas später, wenn der Schmerz nachgelassen hat, eine neue Untersuchung durchzuführen.
  • Zusätzlich wird das Knie äußerlich untersucht und abgetastet.
  • Ein Ultraschall wird häufig als schnell verfügbare Untersuchung zur Darstellung der Bandstruktur durchgeführt.
  • Zum Ausschluss von knöchernen Begleitverletzungen bzw. von Kniebinnenschädigungen können Röntgen- oder MRT-Aufnahmen veranlasst werden.
  • Wenn der Verdacht auf eine schwere Seitenbandverletzung besteht, kann eine Überweisung an Spezialist*innen erfolgen.

Behandlung

  • Im akuten Zustand ist es wichtig, dass Sie der sog. „PECH-Regel“ folgen:
    • P – Pause. Brechen Sie die Aktivität, der Sie gerade nachgehen, ab.
    • E – Eis. Legen Sie Eis auf das Knie. Dies kühlt den Bereich und begrenzt den Schaden. Achten Sie jedoch darauf, direkten Hautkontakt zu vermeiden, um keine Erfrierung zu verursachen.
    • C – Kompression (englisch: Compression). Legen Sie einen Druckverband um das Knie an.
    • H – Hochlagerung. Lagern Sie das Knie hoch.
  • In der akuten Phase können äußerlich aufgetragene oder oral eingenommene Medikamente hilfreich sein, die die Entzündung dämpfen und die Schmerzen lindern können (NSAR).
  • Zum Gehen sollten Krücken genützt werden. Eine flexible Kniegelenksorthese sollte zur Stabilisierung getragen werden.
  • Bei massivem Bluterguss des Kniegelenks erfolgt eine Punktion zur Schmerztherapie.
  • Sie sollten schnell ein Rehabilitationstraining in Form von Bewegungsübungen ohne Gewichte als Heimübungen oder unter physiotherapeutischer Anleitung beginnen. Im weiteren Verlauf können Sie auch wieder mit Stabilitäts-, Balance-, Kräftigungs- und Funktionstraining beginnen.
  • Lauftraining kann begonnen werden, sobald Gehen mit Vollbelastung des Körpergewichts ohne Instabilitätsgefühl möglich ist. Sobald Kurvenlaufen und abrupte Richtungswechsel schmerzfrei und ohne Instabilitätsgefühl möglich sind, kann mit sportartspezifischen Übungen begonnen werden.
  • Kräftigungs- und Balancetraining der Oberschenkelmuskulatur kann präventiv Folgeverletzungen am Kniegelenk verhindern.
  • Eine chirurgische Therapie verbessert die Prognose nicht.

Prognose

  • Die durchschnittliche Ausfallzeit bezüglich sportlicher Aktivitäten beträgt 3 Wochen, bei vollständiger Ruptur in der Regel mindestens 6 Wochen.
  • Belastungsschmerzen können auch noch nach einigen Monaten auftreten.
  • Es ist wichtig, nicht zu schnell mit körperlicher Aktivität zu beginnen. Eine zu frühe Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten kann zu einer erneuten Verletzung führen.
  • Abhängig vom Verletzungsgrad ist ein voll belastbares Kniegelenk nach wenigen Wochen bis einigen Monaten zu erwarten.
  • Das Kniegelenk kann chronisch instabil bleiben.
  • Ansonsten ist die Prognose gut.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kollateralbandverletzung, mediale. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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