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Ermüdungsbruch

Ermüdungsbrüche treten vor allem bei Sportler*innen aus Lauf- und Sprungdisziplinen sowie bei Soldat*innen auf und kommen bei Frauen etwas häufiger vor.

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Was ist ein Ermüdungsbruch?

Definition

Ein Ermüdungsbruch, auch Stressfraktur genannt, tritt nicht infolge einer akuten Verletzung, sondern einer Überlastung auf. Am betroffenen Knochen kommt es über längere Zeit zu mikroskopischen Verletzungen, bis er schließlich bricht. Der Knochen ist aber hinsichtlich Aufbau und Stabilität normal, im Gegensatz zu Insuffizienzfrakturen bei Knochenschäden wie Osteoporose.

Symptome

Ermüdungsbrüche äußern sich meist in Form von schleichend beginnenden, nicht genau lokalisierten Knochenschmerzen bei Belastung, die in Ruhe abnehmen. Die Bruchstelle zeigt sich empfindlich auf Druck und kann geschwollen sein.

Ursachen

Etwa 3 Wochen nach der maximalen Knochenbelastung durch zunehmenden physikalischen Stress kommt es zur Knochenneubildung, die ca. 90 Tage dauert. In diesem Zeitfenster können bei übermäßiger Belastung Brüche auftreten.

Die wichtigsten Gründe für Ermüdungsbrüche des Unterschenkels oder des Fußes sind starke und lang anhaltende Belastungen auf harten Oberflächen (wie z. B. beim Joggen auf Asphalt), unzureichende Stoßdämpfung in Laufschuhen oder eine zu schnelle Steigerung der Trainingsintensität. Ein erhöhtes Risiko besteht für Sportlerinnen, die an Essstörungen, fehlender Menstruation und Osteoporose leiden.

Es besteht eine Tendenz zu Ermüdungsbrüchen im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf große Wettkämpfe. Sportler*innen und Soldat*innen können durch einen zu schnellen Einstieg ins Training oder lange Märsche Stressfrakturen erleiden.

Häufigkeit

Ermüdungsbrüche treten am häufigsten bei Sportler*innen aus Lauf- und Sprungdisziplinen sowie bei Soldat*innen auf. Frauen sind etwas öfter betroffen. Die häufigste Stelle eines Ermüdungsbruchs ist das Schienbein (Tibia), aber auch im Wadenbein (Fibula) können Stressfrakturen auftreten. Ermüdungsbrüche betreffen oft auch die Knochen des Fußes, z. B. das Kahnbein (Os naviculare) und die Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia). Ermüdungsbrüche treten tendenziell wiederholt auf, etwa 60 % der Patient*innen hatten bereits früher Stressfrakturen.

Untersuchungen

  • Typisch für die Diagnose ist, dass die Schmerzen ohne vorherige Verletzungen meist schleichend beginnen.
  • Zusätzlich zu der körperlichen Untersuchung der Bruchstelle werden bildgebende Verfahren benötigt.
  • Auf Röntgenaufnahmen sind Ermüdungsbrüche oft erst mehrere Wochen nach der Verletzung feststellbar, in etwa der Hälfte der Fälle sogar nie.
  • Bei Verdacht auf einen Ermüdungsbruch wird eine Magnetresonanztomografie durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen oder auszuschließen. Mithilfe der dabei entstandenen Bilder ist es auch möglich, frühzeitige Anzeichen zu erkennen.
  • Alternativ kann eine Untersuchung von in den Unterschenkel/Fuß eingebrachten radioaktiven Stoffen durchgeführt werden, diese ist jedoch weniger präzise als eine MRT.

Behandlung

  • Die meisten Brüche heilen durch Entlastung von selbst innerhalb von 4–6 Wochen aus. Anschließend kann die körperliche Belastung vorsichtig gesteigert werden. Es sollte nicht ausprobiert werden, ob die Fraktur schneller ausheilt als prognostiziert, da sich dadurch das Risiko eines Rückfalls und einer längeren Heilungszeit erhöhen würde.
  • Patient*innen, die unter starken Schmerzen leiden, können für einige Wochen mit einem Gipsverband oder speziellen Entlastungsschuhen versorgt werden.
  • Zu Beginn können bei Bedarf Schmerzmittel wie Paracetamol verwendet werden. Nichtsteroidale Antirheumatika sollten eher nicht zum Einsatz kommen, da sie den Heilungsprozess verzögern können.
  • Bei bestimmten Stressfrakturen besteht ein hohes Risiko für das Auftreten von Pseudarthrosen. In diesem Fall und beim Ausbleiben des Behandlungserfolgs einer konservativen Therapie kann eine Operation nötig werden.
  • Sportler*innen, die während des Heilungsprozesses nicht zu viel an Kondition und Kraft einbüßen wollen, sollten alternative Trainingsmethoden nutzen. Schwimmen oder Krafttraining kann weiterhin betrieben werden, sofern dabei der Unterschenkel nicht belastet wird.
  • Die Trainingssteigerung sollte vorsichtig und ohne Schmerzen erfolgen.

Prognose

  • Bei einer frühzeitigen Diagnose und angemessenen Entlastung heilen die meisten Stressfrakturen aus. Erneute Ermüdungsbrüche zu einem späteren Zeitpunkt sind jedoch nicht ungewöhnlich. Rund 60 % aller Patient*innen mit einer Stressfraktur haben im Laufe des Lebens eine erneute Stressfraktur.
  • Der Heilungsverlauf sollte etwa alle 2 Wochen kontrolliert werden.
  • Eine vorbeugende Behandlung ist wichtig, um erstmalige Brüche zu vermeiden und neuen Verletzungen vorzubeugen:
    • Tragen Sie stoßdämpfende Schuhe.
    • Vermeiden Sie intensives Training auf hartem Untergrund und vermeiden Sie eine übermäßig schnelle Steigerung der Trainingsintensität.
    • Lassen Sie Fußfehlstellungen korrigieren und sorgen Sie für eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien