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Fingerfraktur

Fingerfrakturen sind keine Seltenheit. In den meisten Fällen muss der verletzte Finger einige Wochen ruhig gestellt werden. Eine Operation ist nur in Ausnahmefällen erforderlich.

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Finger und Fingerfrakturen

Ein Knochen im Finger oder Zeh wird fachsprachlich als Phalanx (Mehrzahl: Phalangen) bezeichnet. Abgesehen vom Daumen besteht ein Finger aus drei Phalangen: der körpernahen Phalanx (proximale Phalanx oder Grundglied), der Mittelphalanx (Mittelglied) und der körperfernen Phalanx (distale Phalanx oder Endglied). Der Daumen besteht aus zwei Knochen.

Dazwischen befinden sich entsprechend drei Gelenke: körpernah ein Gelenk zwischen proximaler Phalanx und Metakarpalknochen in der Mittelhand (MCP-Gelenk oder Metacarpophalangealgelenk, d. h. Fingergrundgelenk), ein Gelenk zwischen proximaler Phalanx und Mittelphalanx (PIP-Gelenk oder proximales Interphalangealgelenk) und schließlich das körperfernste Gelenk zwischen Mittelphalanx und distaler Phalanx (DIP-Gelenk oder distales Interphalangealgelenk).

Fingerfrakturen können folglich in oder außerhalb des Gelenks auftreten. Frakturen der Finger sind meist geschlossen (d. h., es liegt keine größere Verletzung der Haut vor) und nur geringfügig verschoben. Die Fraktur kann daher leicht in die Ausgangslange zurückgebracht werden. Beim Mallet-Finger (Drop Finger) ist die Strecksehne am Fingerendglied gerissen und die Patient*innen können das Fingerendglied nicht aktiv ausstrecken. Dabei kann ein Knochenstück an der Verbindung zur Sehne abgerissen sein.

Verletzungsmechanismus

In der Regel ist eine Fingerfraktur eine direkte Folge einer Verletzung der Fingerspitzen durch Verstauchungen oder Schlag. Ballsportarten wie Handball, Basketball und Volleyball sind typisch für Fingerfrakturen. Besonders bei Frakturen im Fingerendglied kann es auch zu Trümmerfrakturen kommen, die durch eine Prellung oder Quetschung des Fingers verursacht werden.

Diagnostik

Klassische, aber unsichere Zeichen eines gebrochenen Fingers sind Schmerzen und Schwellungen des Fingers. Ist der Finger verkürzt, in Fehlstellung oder unnatürlich beweglich, weist dies sicher auf eine Fraktur hin. In der ärztlichen Untersuchung muss auch die Sehnenfunktion und die Stabilität der Seitenbänder sowie eine etwaige Rotationsfehlstellung beurteilt werden. Dazu muss der Finger gebogen und bewegt werden.

Die Diagnose wird durch eine Röntgenuntersuchung bestätigt. Für den Nachweis von Frakturen bei Kindern genügt auch eine Ultraschalluntersuchung.

Therapie

Therapieziel ist eine Ausheilung der Fraktur in Normallage und die Behandlung von etwaigen Weichteilverletzungen, um späteren Komplikationen vorzubeugen.

Die Therapie richtet sich nach Art und Lokalisation der Fraktur. Unverschobene, stabile Frakturen werden in der Regel konservativ behandelt, während bei verschobenen, instabilen oder innerhalb des Gelenks liegenden Brüchen eine Operation nötig sein kann. Trümmerbrüche werden ebenfalls meist chirurgisch behandelt. Beim Mallet-Finger ist eine Operation nur notwendig, wenn ein zu großes Stück aus dem Knochen gerissen wurde oder dieses die Beweglichkeit behindert.

Unkomplizierte Brüche werden mit einer Schiene behandelt, die für einige Wochen getragen werden muss. Der gebrochene Finger kann auch über einen Tapeverband am Nebenfinger stabilisiert werden. Mit einer Schiene oder einem Tapeverband sollte der Finger auch geschützt werden, wenn wieder mit Sport begonnen wird.

Radiologisch dauert die Ausheilung lange, der Finger ist jedoch häufig nach 3–4 Wochen funktionell stabil. Dann sollte mit aktiven Übungen begonnen werden, um eine Versteifung der Gelenke (Kontrakturen) zu vermeiden. Schmerzmedikamente können bei Bedarf verwendet werden.

Komplikationen

Infolge einer zu langen Ruhigstellung kann eine Schrumpfung der Bänder und Gelenkkapsel zu einer Versteifung führen. Auch Verwachsungen zwischen Sehnen und benachbarten Knochen können die Beweglichkeit im Gelenk beeinträchtigen. Eine zu kurze Immobilisation verursacht Pseudarthrose und verzögerte Knochenheilung.

Prognose

Die Prognose ist in der Regel gut. In den betroffenen Fingern liegt nach der Verletzung jedoch häufig bis zu 1 Jahr lang eine erhöhte Steifigkeit vor. Um Bewegungseinschränkungen zu verhindern, ist es deshalb wichtig, so früh wie möglich mit aktiven Übungen zu beginnen. Prognostisch ungünstig sind vor allem Trümmerfrakturen und Frakturen innerhalb der Gelenke.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien