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Bruch des Kahnbeins (Os scaphoideum)

Ein Bruch des Kahnbeins kann in einem frühen Stadium schwierig zu erkennen sein. Eine Langzeitbehandlung ist in einigen Fällen erforderlich, um permanente Schäden zu vermeiden.

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Was ist ein Kahnbeinbruch?

Das Kahnbein, in der Fachsprache Os scaphoideum genannt, ist einer der Knochen der Handwurzel, der direkt an einen Unteramknochen grenzt. Beim Sturz mit ausgestreckten Armen, bei dem man versucht sich abzustützen, kann dieser Knochen brechen (siehe Zeichnung). Folgen sind Schmerzen im Bereich der Handwurzelknochen auf der Seite des Daumens in Ruhe oder bei Bewegung des Handgelenks sowie Druckschmerzhaftigkeit. Der Schmerz ist oft eher leicht ausgeprägt, verstärkt sich aber, wenn man etwas greift oder festhält.

Es ist wichtig, Kahnbeinbrüche zu erkennen, weil eine verzögerte Diagnose eine Vielzahl negativer Folgen wie mangelhaftes Zusammenwachsen des Bruchs, verspätete Heilung, geschwächte Greifkraft, eingeschränkte Mobilität und die Entwicklung einer Arthrose (Verschleiß) im Daumengelenk nach sich ziehen kann.

Solche Brüche treten häufig bei jüngeren Menschen auf, meist bei Männern im Alter zwischen 15–30 Jahren. Sie bilden 60–90 % aller Brüche in der Handwurzel. Ein Kahnbeinbruch kommt bei Kindern und älteren Menschen selten vor, weil in diesem Alter der untere Teil des einen Unterarmknochens (Speiche, Radius) weniger stabil ist als das Kahnbein und daher bei einem Sturz eher bricht.

Diagnostik

Nach der Verletzungen entstehen unmittelbar Schmerzen. Oft gibt es keine Schwellung, doch kann es leichte Blutungen in das Gewebe geben (der verletzte Bereich wird einige Tage später blau). Der Arzt diagnostiziert die Erkrankung sowohl anhand der Entstehung der Verletzung, der Schmerzen und der Befunde während der Untersuchung. Typischerweise schmerzt es, wenn man in der Handfläche an der Basis des Daumens drückt – das Kahnbein liegt hier direkt unter der Haut. Eine Röntgenuntersuchung bestätigt einen Bruch (siehe Röntgenbild).

Manchmal sind Brüche im Röntgenbild nicht gleich bei der ersten Untersuchung zu sehen. Ist der Verdacht auf einen Bruch groß, wird ein Gipsverband angelegt; nach zwei Wochen wird in der Regel eine Nachuntersuchung durchgeführt. Dann wird der Gipsverband abgenommen und es werden neue Röntgenbilder gemacht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit größer, einen möglichen Bruch im Röntgenbild festzustellen. In vielen Fällen muss man auf eine MRT-, in einigen Fällen auch auf eine CT-Untersuchung oder eventuell auf die Szintigrafie zurückgreifen, um den Bruch zu entdecken.

Auch bei Verdacht auf einen Kahnbeinbruch sollte ein Gips angelegt werden, weil eine mangelhafte Behandlung in der ersten Zeit zu schweren Schäden am Kahnbein und zu anschließenden lebenslangen Beschwerden führen kann. Zwar werden, wenn sich der Arzt allein auf das Röntgenbild verlässt und auf Verdacht gipst, drei von vier Patienten unnötig behandelt. Diese „Übertherapie“ ist aber eben wegen der möglichen schweren Langzeitfolgen einer unbehandelten Fraktur gerechtfertigt.

Therapie

Eine frühzeitige Diagnose, richtige Ruhigstellung des Handgelenks (Immobilisierung) und – falls erforderlich – Überweisung an fachärztliches Personal sind für einen positiven Verlauf wichtig.

Liegen keine größeren Verschiebungen an den Frakturenden vor, besteht die Behandlung darin, den Arm in Gips zu legen. In so einem Fall wird der Gips von der Hand bis hinauf zum Ellenbogen angebracht: Das Handgelenk sollte sich in einer bestimmten Position befinden.

Ein Kahnbeinbruch heilt nicht immer so gut wie andere Knochenbrüche. Daher muss man womöglich längere Zeit einen Gipsverband tragen als bei vielen anderen Brüchen üblich. Eine gute Heilung des Knochens ist für die normale Funktion der Hand wichtig.

Der Gipsverband wird nach sechs Wochen gewechselt, danach normalerweise alle vier Wochen, bis der Bruch geheilt ist. Bei vielen Betroffenen dauert die Gipsbehandlung drei Monate oder länger. Ob der Bruch geheilt ist, wird mittels einer Röntgenuntersuchung festgestellt.

Für Patienten wichtig ist es, dass sie trotz Gips ihre Finger möglichst viel bewegen und intensives Bewegungstraining für Hand und Finger beginnen, sobald der Gips entfernt wurde.

Operation

Manchmal ist der Spalt zwischen den Frakturenden sehr breit und diese stehen womöglich verschoben zueinander; dann werden die Ärzte wahrscheinlich eine Operation anraten. Der Bruch wird dabei mit einer Schraube oder einem Stift fixiert.

Auch wenn der Bruch nach zwölf Wochen noch nicht geheilt ist, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Daher ist es nötig, sich an die verabredeten Kontrolluntersuchungen zu halten.

Komplikationen

Verläuft der Heilungsprozess ungünstig, kann es zu Störungen der Blutversorgung mit schweren Knochenschäden kommen (avaskuläre Nekrose). Andere mögliche Komplikationen sind Schäden am angrenzenden Gelenk, Steifigkeit oder anhaltende Schmerzen.

Spätfolgen

Die Gipsbehandlung sollte bis zur Heilung des Bruchs fortgeführt werden. Oft jedoch ist die Feststellung der Heilung des Kahnbeins ebenso schwierig wie die primäre Diagnose. Als Patienten sollte man sich also darauf einstellen, dass es auch während der Therapie manchmal zu Unsicherheiten kommen kann.

Bei guter Behandlung und Kontrolle werden in mehr als 95 % der Fälle gute Ergebnisse erzielt. Wenn der Bruch allerdings nicht richtig heilt, kann es zu dauerhaften Schädigungen der Handwurzel kommen. So können sowohl Schmerzen, Steifigkeit als auch eine schlechtere Funktion der Hand bestehen bleiben. Manchmal kann die Verletzung langfristig dazu führen, dass durch Narbengewebe ein Nerv eingeklemmt wird (Brachialgia paraesthetica nocturna, Karpaltunnelsyndrom).

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen