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Rippenfraktur

Ein Rippenbruch kann ein- oder mehrfach, ein- oder beidseitig auftreten. Die Schmerzen nehmen in der Regel in der ersten Woche nach der Verletzung zu und lassen dann allmählich nach.

Zuletzt revidiert:


Was ist eine Rippenfraktur?

Definition

Der Brustkorb besteht aus 12 Rippenpaaren (Costae), die an den Brustwirbeln entspringen. Sie werden von oben nach unten durchnummeriert. Die obersten 7 Rippen sind vorne über den Rippenknorpel direkt mit dem Brustbein verwachsen. Die Rippen 8, 9 und 10 setzen am knorpeligen Rippenbogen an. Die beiden untersten Rippen sind kürzer und enden frei in der Bauchwand. Die Rippen 8–12 werden auch als „unechte Rippen“ (Costae spuriae) bezeichnet. Jede Rippe ist ein langer, schmaler und gebogener Knochen: der vordere Teil, der am Brustbein befestigt ist, besteht aus Knorpel (in der Zeichnung blau).

Rippenbrüche (Rippenfrakturen) können als einzelne oder mehrere gleichzeitige Knochenbrüche auftreten, einseitig oder doppelseitig. Wenn drei oder mehr benachbarte Rippen derselben Körperseite gebrochen sind, spricht man von einer Rippenserienfraktur. Bei großen Verletzungen mit mehreren beidseitigen Frakturen kann der Brustkorb instabil werden.

Symptome

In der Regel verursachen Rippenfrakturen in der ersten Woche nach der Verletzung zunehmende Schmerzen. Der Schmerz verschlimmert sich bei der Verwendung der Bauchpresse (z. B. beim Husten) und wenn Sie tief einatmen.

Evtl. ist ein Bluterguss am Brustkorb sichtbar.

Ursachen

Rippenbrüche entstehen bei Verletzungen, die oft stumpfer Natur sind. Sie treten häufig bei schwerverletzten Personen nach Auto- und Motorradunfällen auf. Bei älteren Menschen können Rippenbrüche auch durch Stürze aus stehender oder sitzender/liegender Position verursacht werden. Bei Osteoporose (Knochenschwund) und Knochenmetastasen können Rippen bereits durch starkes Husten brechen.

Risikofaktoren für Rippenbrüche sind höheres Alter, Osteoporose und Tumorerkrankungen in den Knochen.

Häufigkeit

Einzelne einseitige Rippenbrüche kommen relativ häufig vor, Mehrfachfrakturen sind seltener. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter an, da die Elastizität der Rippen(knorpel) abnimmt. Bei Kleinkindern sind Rippenbrüche sehr selten und können ein Hinweis auf Misshandlung sein.

Untersuchungen

  • Bei der ärztlichen Untersuchung wird der Oberkörper begutachtet und abgetastet. Druck auf die gebrochene Rippe löst oft starke Schmerzen aus.
  • Bei größeren Verletzungen soll stets untersucht werden, ob eine gebrochene Rippe eventuell die Lunge punktiert hat. In diesem Fall leiden die Betroffenen merklich unter Atemnot, und gelegentlich lässt sich unter der Haut ein Knistern ertasten. Dies ist ein Anzeichen für ein Hautemphysem, eine Ansammlung der entwichenen Luft unter der Haut.
  • Zudem wird die Lunge abgehört.

Bildgebende Untersuchungen

  • Der Rippenbruch kann mit einer Röntgenaufnahme nachgewiesen werden. Rippenbrüche sind im Röntgenbild jedoch oft schwer zu erkennen, insbesondere in den ersten Tagen nach der Verletzung.
  • Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.
  • Bei schweren Verletzungen wird eine Computertomografie durchgeführt.

Behandlung

  • Ziel der Behandlung ist, die Schmerzen zu lindern und die Atmung zu verbessern.
  • Einfache Rippenbrüche heilen gut von selbst aus, jedoch kann für ein paar Tage ein Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, evtl. zusätzlich Metamizol) erforderlich sein.
  • Die früher oft verwendeten Tapeverbände zur Stabilisierung des Brustkorbs werden nicht mehr empfohlen, da sie die Atmung behindern und dadurch Lungenentzündungen begünstigen.
  • Mehrfache Rippenbrüche mit instabilem Brustkorb werden im Krankenhaus behandelt. In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich.
  • Eine evtl. zugrunde liegende Osteoporose sollte entsprechend behandelt werden.

Was können Sie selbst tun?

  • Vermeiden Sie Bewegungen, die Schmerzen verursachen (z. B. schweres Heben).
  • Sie sollten bewusst tief einatmen, um eine vollständige Belüftung der Lunge zu erreichen.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen.
  • Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn sich die Beschwerden verschlechtern, Husten oder Fieber auftreten.

Prognose

Die Schmerzen nehmen in der Regel in den ersten 7–10 Tagen nach der Verletzung zu und lassen dann allmählich nach. Häufig halten die Schmerzen 3–4 Wochen an.

Komplikationen sind selten. In Ausnahmefällen kann eine gebrochene Rippe die Lunge punktieren und ein sog. Pneumothorax entstehen. Als Folge der Verletzung kann auch eine Lungenentzündung auftreten. In sehr seltenen Fällen können Rippenbrüche zu schweren Blutungen in der Brusthöhle oder Verletzungen von Organen führen. Bei manchen Menschen können anhaltende Schmerzen auftreten, wenn Knochenneubildungen an der Bruchstelle auf Nerven drücken.

Bei einfachen Rippenbrüchen und jungen Patient*innen ist die Prognose sehr gut.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Rippenfraktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Raab S, Grieser T, Sturm M. Management der Rippenfraktur. Zentralbl Chir 2019; 144(3): 305-21. www.thieme-connect.com 
  2. Melendez SL. Rib fracture. Medscape, last updated Jun 13, 2017. emedicine.medscape.com 
  3. Barrett-Connor E, Nielson CM, Orwoll E, et al. Epidemiology of rib fractures in older men: Osteoporotic Fractures in Men (MrOs) prospective cohort study. BMJ 2010; 340: c1069. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov 
  4. Schulze-Drost S, Krinner S, Langenbach A. Indikation und Ergebnisse der operativen Therapie von Rippenfrakturen. Atemwegs- und Lungenkrankheiten 2019; 45(4): 199-209. www.proquest.com 
  5. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 012-019, Stand 2016. (abgelaufen) www.awmf.org