Verschleiß im Schultergelenk, Schulterarthrose

Verschleiß im Schultergelenk, auch Schulterarthrose genannt, ist kein häufiges Krankheitsbild. Mit der Zeit führt es zu zunehmenden Schmerzen und Steifigkeit im Schultergelenk. Im frühen Stadium wird versucht, die Beschwerden mit Schmerzmitteln und Physiotherapie zu lindern. Langfristig kann es nötig sein, ein künstliches Schultergelenk – eine Schulterprothese – einzusetzen.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Verschleiß im Schultergelenk?

Zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels im Schultergelenk, also einer Schulterarthrose, kann es primär, d. h. ohne eine bekannte Ursache, oder sekundär infolge einer anderen Erkrankung kommen. Das Krankheitsbild kann leicht übersehen werden, was mit einer verzögerten Diagnostik und einem langwierigem Behandlungsverlauf verbunden ist.

Häufigkeit

Die Schulterarthrose ist kein häufiges Krankheitsbild und deutlich seltener als eine Arthrose des Hüft- oder Kniegelenks. Die Häufigkeit liegt in Deutschland bei etwa 3 %, wobei die Zahl der Betroffenen mit steigendem Alter zunimmt. Männer und Frauen erkranken gleich häufig. Bis zu 33 % der ehemalige Profisportler*innen, die über 60 Jahre alt sind, leiden an einer Schulterarthrose. Bei Rechts- oder Linkshändigkeit gibt es keinen Unterschied zwischen dominanter und nicht-dominanter Seite.

Ursachen

Für die primäre Schulterarthrose ist ein genetischer Zusammenhang nachgewiesen. Bei den Betroffenen ist die Ausdifferenzierung von Zellen verändert und auch das physiologische Gleichgewicht des Knorpelgewebes gestört. Bei der sekundären Arthrose wird die Erkrankung in vielen Fällen auf eine vorausgegangene Verletzung zurückgeführt, auch wenn diese viele Jahre zurückliegt. Mögliche sekundäre Ursachen sind etwa Folgeschäden nach einem Knochenbruch in der Schulterregion, Verletzungen der Rotatorenmanschette, rheumatoide Arthritis oder ein Absterben des Gelenkkopfes des Oberarmknochens (avaskuläre Nekrose des Caput humeri).

Symptome

Typisch für die Schulterarthrose sind zunehmende Schmerzen (v. a. nachts) und Bewegungseinschränkungen. Die Schmerzen sind eher vorne und tief im Gelenk lokalisiert. Andere Symptome sind ein Knirschen, Schwellungen oder sogar eine Blockade des Gelenks.

Bei einer Entzündung des Gelenks, also einer Arthritis wie z. B. der rheumatoiden Arthritis, können auch andere Gelenke Beschwerden bereiten, und der Allgemeinzustand kann beeinträchtigt sein.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte sowie der Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung und der Röntgenbilder der Schulter gestellt.

Typisch für die Schulterarthrose sind Schmerzen bei sowohl aktiver als auch passiver Bewegung des Armes. Besonders beim Ausstrecken des Arms zur Seite und der Drehung des Arms nach außen ist die Beweglichkeit eingeschränkt. Besteht die Arthrose bereits seit Langem, wird im Schulterbereich ein Muskelschwund sichtbar.

Können die Schmerzen nur durch aktive Bewegung ausgelöst werden, liegt die Ursache meist im angrenzenden Weichteilgewebe, z. B. durch eine Sehnenerkrankung oder eine Entzündung der Gelenkkapsel.

Die Röntgenuntersuchung bestätigt, dass ein Verschleiß im Schultergelenk, also eine Arthrose, vorliegt. Zur Erkennung von Begleiterkrankungen des Weichteilgewebe in der Schulter wird die MRT-Untersuchung eingesetzt. Die CT-Untersuchung der Schulter wird heutzutage häufig vor einer Operation durchgeführt und dient der exakten 3-D-Planung einer Schultergelenksprothese.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung besteht darin, die Symptome zu lindern und die Funktion der Schulter zu verbessern.

Zunächst kommen in der Regel nichtchirurgische Maßnahmen, wie Entlastung, leichte Schmerzmedikation, Physiotherapie und versuchsweise Kortisonspritzen zum Einsatz.

Medikamente

Es liegen aktuell keine spezifischen Daten für die Schmerzmedikation bei einer Schultergelenksarthrose vor. Für die Arthrose im Allgemeinen ist bekannt, dass die lokale Anwendung entzündungshemmender Medikamente (NSAR) eine höhere Schmerzlinderung erzielt als die Tablettenformen. Außerdem ist das Nebenwirkungsprofil günstiger, da keine Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Als Schmerztablette wird bei Arthrose eher Paracetamol empfohlen, obwohl die Schmerzreduktion durch diesen Wirkstoff etwas geringer ist als bei den NSAR. Bei einer Entzündung des Gelenks, also einer Arthritis, können Steroide und verschiedene Wirkstoffe der Antirheumatika indiziert sein.

Kortisonspritzen haben häufig eine Wirkdauer von nur wenigen Wochen und sollten höchstens zweimal wiederholt werden.

Für die Injektion von Hyaluronsäure wird lediglich in einer amerikanischen Leitlinie eine „schwache Empfehlung" ausgesprochen. Es gibt bisher nur wenige Studien zur Wirksamkeit, doch diese bestätigen einen positiven Effekt. In einer Studie wurde eine schmerzhemmende Wirkdauer von 6 Monaten angegeben (im Vergleich zu 1 Monat bei Kortisoninjektion).

Physiotherapie

Die Physiotherapie hilft gegen die Schmerzen und verbessert die Funktionalität des Schultergelenks. Sie kann den Bewegungsumfang verbessern und die Muskulatur entspannen.

Operation

Wenn die genannten konservativen Behandlungen keine zufriedenstellende Wirkung zeigen, ist eine Überweisung an Orthopäd*innen angezeigt, um die Durchführung einer Gelenkspiegelung oder das Einsetzen einer Gelenkprothese zu beurteilen.

Die Gelenkspiegelung wird eher bei jüngeren Patient*innen durchgeführt, um die Versorgung mit einer Gelenkprothese hinauszuzögern. Bei mehr als 3/4 der Betroffenen kann durch diesen Eingriff das Einsetzen einer Prothese in den nächsten 5 Jahren verhindert werden.

Eine Schulterprothese kann sinnvoll sein, wenn die Diagnose einer Arthrose bestätigt ist und trotz anderer Maßnahmen täglich Schmerzen bestehen und die Betroffenen schon etwas älter sind (als grobe Orientierung wird ein Alter von über 66 Jahren angegeben). Ein hohes Alter ist keine Kontraindikation. Beim Einsetzen einer Teilprothese wird lediglich der Gelenkkopf des Oberarmknochens durch eine Metallprothese ersetzt. Beim Einsetzen einer Vollprothese werden sowohl der Gelenkkopf als auch die Gelenkpfanne ersetzt. Heute kommen zunehmend Vollprothesen zum Einsatz. Mögliche Komplikationen der Operation sind Infektionen, Lockerungen der Prothese oder ein Verschleiß der äußeren Gelenkpfanne des Schulterblattes. Bei jüngeren Patient*innen unter 55 Jahren treten Komplikationen häufiger auf.

Prognose

Eine Schulterarthrose schreitet über Monate und Jahre hinweg fort. Sie führt im Laufe der Zeit zu zunehmenden Beschwerden und einer eingeschränkten Lebensqualität. Je besser die Schulterfunktion zum Zeitpunkt der Prothesenimplantation ist, desto besser ist auch das Endergebnis. Eine Rückkehr zum Sport nach Prothesenimplantation ist bei etwa 80 % aller Betroffenen möglich.

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin