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Rheumatoide Arthritis, Empfehlungen

In Deutschland schätzt man die Zahl der Patienten mit rheumatoider Arthritis auf rund 800.000, wobei Frauen rund dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Die Erkrankung ist schmerzhaft und beeinträchtigt die Betroffenen im Alltag oft stark. Es gibt jedoch Maßnahmen, um die Gelenke zu schützen, die Schmerzen zu lindern und die Mobilität zu verbessern.

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Ratschläge für den Alltag von Patienten mit rheumatoider Arthritis

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) wird zuallererst geraten, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. Eine Überlastung der Gelenke mit RA kann zu Schmerzen, Schwellungen und weiteren Schäden an den Gelenken führen. Ergo- und Physiotherapeuten können den Betroffenen zeigen, wie sie alltägliche Aufgaben leichter erledigen können, wie Energie gespart werden kann oder wie die Gelenke geschützt werden können.

Die jeweiligen Therapiemaßnahmen der rheumatoiden Arthritis müssen zusätzlich durchgeführt werden. Auch sportlich aktiv zu bleiben oder zu werden, ist für Patienten mit RA in den meisten Fällen, v. a. in frühen Stadien sehr hilfreich, wenn man geeignete Sportarten auswählt. Zu meiden sind daher Ballsportarten (auch Tennis oder andere gelenkbelastende Sportarten). Hingegen sind Radfahren, Schwimmen, Yoga sowie Kräftigungsübungen, evtl. auch mit Gewichten, für viele Betroffene hilfreich, weil sie die allgemeine Muskelkraft und Fitness stärken und dadurch auch die Aufgaben im Alltag oft besser zu bewältigen sind.

Hier sollen nur einige praktische Ratschläge für den Alltag angeführt werden.

Es ist wichtig, regelmäßige Kontrollen durch die Ärzte wahrzunehmen und selbst achtsam zu sein, ob neue Beschwerden auftreten. Gegebenenfalls sind weitere spezielle Maßnahmen zur Behandlung und Erleichterung des Alltags notwendig.

Entlastung der betroffenen Gelenke und Vereinfachung des täglichen Lebens

  • Es ist wichtig, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis in Bewegung bleiben bzw. nicht zu lange in einer starren Haltung sitzen oder stehen. Bei sitzenden Tätigkeiten ist es ratsam, in gewissen Intervallen vom Stuhl aufzustehen und ein paar Dehnungsübungen machen oder auch nur die Hände kurz zu bewegen.
  • Bewegungen oder Haltungen, die zu vermehrter Belastung der Gelenke führen, sollen vermieden werden. Es wird dazu geraten insbesondere geschwollene und entzündete Gelenke zu entlasten, z. B. durch Veränderungen belastender Arbeitstechniken und Gewohnheiten. Dies kann Änderungen der Hebetechnik, der Schreibposition und viele weitere entlastende Techniken umfassen, die mit Ergo- und Physiotherapeuten besprochen und eingeübt werden können.
  • Die stärksten Muskeln und Gelenke sollten am meisten verwendet werden. Um Finger und Handgelenke zu schützen, kann man z. B. schwere Türen mit der Schulter oder dem seitlichen Arm öffnen. Um Hüft- oder Kniebeschwerden beim Treppensteigen zu vermeiden, sollte man beim Hochsteigen das stärkere Bein zuerst aufsetzen, und beim Abwärtssteigen das schwächere.
  • Alltägliche Aufgaben sollten vereinfacht werden, um für unnötige Aktivitäten nicht zu viel Zeit und Mühe aufzuwenden. Dazu kann z. B. zählen, dass man Kleidung kauft, die nicht gebügelt werden muss. Oft verwendete Gegenstände werden am besten so platziert, dass sie einfach erreichbar sind.
  • Mit speziellen Hilfsmitteln lassen sich viele Alltagstätigkeiten erleichtern. Eine Greifzange kann beispielsweise hilfreich sein, wenn sich etwas außerhalb der eigenen Reichweite befindet. Durch einen Schuhlöffel mit einem langen Griff muss man sich beim Anziehen der Schuhe nicht bücken. Auch andere Anziehhilfen sind erhältlich. Es kann erleichternd sein, Schuhe zu verwenden, in die man einfach hineinschlüpfen oder die man mit Klettverschluss öffnen/verschließen kann, sowie Kleidung mit Reiß- oder Klettverschlüssen anstelle von Knöpfen zu tragen. Auch entsprechend angepasste Küchenausstattung sowie spezielles Besteck ist hilfreich.
  • Orthopädische Schuhe oder Einlagen können die Füße entlasten. Auch Stützbandagen und Gelenkstützen können helfen.
  • Indem das jeweilige Zuhause an die individuellen Bedürfnisse angepasst wird, kann der Alltag stark vereinfacht werden. Ein Duschstuhl kann z. B. vorteilhaft sein, wie auch Griffe in der Dusche oder Badewanne und eine Antirutschbadematte. 
  • Nicht zuletzt sollte man um Hilfe bitten, wenn es erforderlich ist. Für das Selbstvertrauen ist es gut, soweit wie möglich selbständig zu sein. Dennoch ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen und bei Aufgaben, die mit Schmerzen und Belastungen verbunden sind und die Beschwerden verschlimmern können, um Hilfe zu bitten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg