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Bronchiolitis, akute

Eine akute Bronchiolitis kann als Erkältung oder Rachenentzündung beginnen. Das Kind ist geschwächt, hustet und atmet oft schwer mit Pfeif- oder Piepsgeräuschen. In der Regel ist das Fieber nur mäßig hoch.

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Was ist akute Bronchiolitis?

Akute Bronchiolitis ist eine Virusinfektion, die eine Entzündung der Schleimhäute auf der Innenseite der dünnsten Verzweigungen der Bronchien bewirkt, die sich ganz außen und tief in der Lunge befinden. Dabei bilden sich kleine Schleimklumpen, die diese engen Atemwege zusetzen, wodurch sich bestimmte Teile des Lungengewebes verdichten bzw. zusammenkleben. Die dabei entstehenden Symptome sind mit obstruktiven Atembeschwerden vergleichbar.

Eine akute Bronchiolitis kann als Erkältung oder Rachenentzündung beginnen. Im weiteren Verlauf ist das Kind geschwächt, hustet und atmet oft schwer mit Pfeif- oder Piepsgeräuschen. In der Regel ist das Fieber nur mäßig hoch. Häufig treten Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme auf.

Die Krankheit trifft vor allem Kleinkinder im Alter unter 12 Monaten und tritt meist im Winter auf. Die Erkrankung wird in den meisten Fällen durch das RS-Virus (respiratorisches Syncytial-Virus) oder das Metapneumo-Virus hervorgerufen.

Bei 18–32 % der Kinder tritt im 1. Lebensjahr eine akute Bronchiolitis auf. RS-Virusinfektionen sind der häufigste Grund, aus dem Neugeborene und Säuglinge ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Ursachen

Die Krankheit ist eine Virusinfektion; meist ist das sog. RS-Virus der Auslöser, aber es kommen auch andere Viren infrage. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen aus Nase und Rachen der damit erkrankten Personen; die Ansteckungsgefahr ist hoch. Auch eine indirekte Übertragung über verunreinigte Oberflächen und Hände ist möglich. Auf Kinderstationen ist die Ansteckungsgefahr häufig ein großes Problem.

Ältere Kinder und Erwachsene, die mit dem RS-Virus angesteckt werden, empfinden oft nur Erkältungsbeschwerden und mäßigen Husten. Sie können aber Kleinkinder anstecken, die dann schwerer erkranken. Die erste Infektion mit dem RS-Virus bringt keine volle Immunität und es ist möglich, später eine erneute Infektion zu bekommen.

Bestimmte Kinder sind anfälliger für einen schweren Verlauf der Bronchiolitis. Dies betrifft vor allem Frühgeborene, Kinder mit Lungenkomplikationen während der Geburt, Kinder mit chronischen Lungen- oder Herzkrankheiten und Kinder mit Immunschwäche. Diese Kinder müssen häufiger wegen einer akuten Bronchiolitis im Krankenhaus behandelt werden.

Weitere Risikofaktoren für eine RSV-Infektion sind Rauchen im Haushalt der Kinder, mehrere Geschwister, Unternährung, sehr enge Wohnverhältnisse und eine Veranlagung für allergische Erkrankungen und Asthma.

Diagnostik

Die typischen Symptome mit Husten und rasselnder, schwerer Atmung bei einem Kleinkind erlauben oft, eine solche Diagnose nur durch Untersuchung des Kindes zu stellen. Dabei ist es wichtig, das Atemverhalten des Kindes zu prüfen. Dies lässt sich am einfachsten feststellen, wenn man den Oberkörper des Kindes freimacht. Fällt dem Kind die Atmung schwer, so kann man sehen, dass sich die Haut unter dem Kehlkopf und zwischen den Rippen beim Einatmen einzieht. Zudem atmet das Kind dann meist schneller als gewöhnlich. Kinder mit solchen Atembeschwerden sollten rasch ärztlich untersucht werden.

Bei der Untersuchung wird beurteilt, wie ernsthaft die Atembeschwerden sind und wie der Allgemeinzustand ist. Die Lungen werden mit einem Stethoskop abgehört, was für eine Diagnose meistens ausreicht. Zusätzlich kann die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen werden. In seltenen Fällen werden bakterielle Infektionen mit Blutuntersuchungen ausgeschlossen.

Die meisten Infizierten haben so geringe Beschwerden, dass sie daheim behandelt werden können. Bei ernsthaften Atemproblemen kann ein Krankenhausaufenthalt infrage kommen. Kinder mit chronischen anderen Krankheiten sollten in einer Klinik behandelt werden. Bei anderen ist manchmal auch die Erschöpfung wegen der schnellen Atmung der Grund für eine Einweisung. 

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden des Kindes zu erleichtern und die Atemnot zu lindern. Gegen die Virusinfektion selbst gibt es keine wirksamen Medikamente. Antibiotika helfen nur bei einer bakteriellen Infektion und sind in den meisten Fällen nicht nötig.

Die Eltern oder Angehörigen sollten die Symptome des Kindes zu Hause überwachen. Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder wenn das Kind Essen oder Trinken verweigert. Überwachen Sie insbesondere, wie schwer die Atmung verläuft. Neugeborene, Säuglinge und Frühgeborene können Episoden von Atemstillstand (Apnoe) bekommen, was als Warnzeichen gelten sollte: Hier ist eine Therapie in der Klinik nötig. Stellen Sie Einziehungen der Muskeln/Haut zwischen den Rippen beim Einatmen fest oder wirkt das Kind angestrengt beim Atmen und atmet auffällig schnell, suchen Sie ärztlichen Rat.

Geben Sie dem Kind abschwellende Nasentropfen oder Kochsalzlösung in die Nase, um die Schleimhaut dort abschwellen zu lassen und die Atmung zu erleichtern. Kleinkinder können nur kurze Zeit durch den Mund atmen, ohne davon sehr gestresst zu werden.

Wenn das Kind ins Krankenhaus eingewiesen wird, ist die wichtigste Behandlung eine Kontrolle der Sauerstoffversorgung bzw. Sauerstoffgabe, Flüssigkeitsgabe und gute Krankenpflege. Neugeborene und Säuglinge, die nicht selbst essen können, brauchen eine Sonde zur Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr. Manchmal kommen Medikamente zum Einsatz, die die unteren Atemwege bestmöglich offenhalten. Wenn sich (in seltenen Fällen) die Beschwerden und der Allgemeinzustand des Kindes sehr stark verschlechtern, kann auch eine künstliche Beatmung nötig werden.

Vorbeugung

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung einer Infektion sind regelmäßiges Händewaschen, Husten und Niesen in die Armbeuge und die Reinigung evtl. verunreinigter Gegenstände.

Bei Kindern mit einem hohen Risiko für Bronchiolitis kann eine vorbeugende Therapie mit speziellen Antikörpern (Palivizumab) sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Arztpraxis beraten.

Kindergarten/Tagesbetreuung

Wenn man ein RS-Virus oder ein anderes, Bronchiolitis verursachendes Virus feststellt, sind die anderen Kinder in der Umgebung oft bereits damit angesteckt. Die Kinder können den Kindergarten weiterhin besuchen, wenn sie kein Fieber haben und der Allgemeinzustand es zulässt. Viren, die Bronchiolitis verursachen, führen bei größeren Kindern und Erwachsenen oft nur zu einer leichten Erkältung. Diese Personen sind jedoch mindestens genauso ansteckend wie die Kleinkinder.

Prognose

Die Bronchiolitis ist in vielen Fällen eine leichte Infektion der unteren Atemwege. In einigen Fällen sind die Kinder mehr mitgenommen, und bei einem Teil der betroffenen Kinder kommt es zu schweren Infektionsverläufen.

Die Beschwerden dauern durchschnittlich 14 Tage an, manche Kinder husten auch nach 3 Wochen noch.

Die Prognose ist in der Regel auch gut für diejenigen, die im Krankenhaus behandelt werden. Die Krankheit kann jedoch auch tödlich enden; dies gilt jedoch für weniger als 1 % der Kinder ohne Risikofaktoren bei guter Behandlung. Allerdings sind Kinder mit schweren vorbestehenden Erkrankungen von Lunge, Herz oder Immunsystem stärker gefährdet; hier liegt die Sterblichkeit etwas höher. 

Eine Infektion mit RSV führt nicht zur vollen Immunität; die Krankheit kann also mehrmals auftreten. Normalerweise fällt die zweite Erkrankung leichter aus als die erste.

Gibt es Komplikationen?

Folgende Komplikationen treten insbesondere bei Risikopatient*innen auf:

  • Lungenentzündung
  • Ein abgegrenzter Teil der Lunge kann zusammenfallen (Atelektase). Dies heilt in der Regel von selbst.
  • Bei Kindern unter 3 Monaten kann es zu Atemaussetzern kommen.

Häufig besteht zusätzlich eine Mittelohrentzündung, bakterielle Sekundärinfektionen sind selten. 

Akute Bronchiolitis im Kleinstkindalter steht in Verbindung mit einem höheren Risiko, später im Leben Asthma zu bekommen.

Wenn das Kind nach überstandener Infektion also wieder Husten und eventuell Fieber bekommt oder schwächer wird, dann ist eine erneute Untersuchung wichtig, um eventuelle Folgekrankheiten zu behandeln.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen