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Scharlach

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Was ist Scharlach?

Scharlach (Scarlatina) zählt zu den typischen Kinderkrankheiten. Es kommt zu einer akuten Halsentzündung mit Fieber, die durch Streptokokken-Bakterien hervorgerufen wird. Im Verlauf entwickelt sich ein roter Ausschlag am Körper. Später schuppt sich die Haut an Händen und Füßen. Es gibt aber auch leichte Verläufe, bei denen nicht alle Symptome vorhanden sind. So kann die Krankheit ohne Fieber, ohne Mandelentzündung oder auch ohne Hautausschlag verlaufen.

Insbesondere im Winter kann es zu Epidemien mit Streptokokkeninfektionen kommen. Am häufigsten sind Kinder zwischen 5 und 15 Jahren betroffen.

Streptokokken kommen bei etwa 7,5 % aller gesunden Menschen im Hals vor, ohne Krankheitssymptome zu verursachen.

Symptome

Die Krankheit beginnt mit Halsschmerzen und Fieber (38–40 °C). Der Allgemeinzustand kann beeinträchtigt sein. Nach einiger Zeit treten häufig Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Der Rachen ist stark gerötet, die Lymphknoten am Hals können geschwollen sein. In einigen Fällen können auch Ohrenschmerzen im Vordergrund stehen. Der Krankheitsverlauf kann manchmal milde sein, ohne dass ein starkes Unwohlsein auftritt.

Nach 1–2 Tagen zeigt sich häufig ein Ausschlag mit einer deutlichen Rötung im Gesicht und markanter Blässe um den Mund. Der Ausschlag kann sich auf Hals, Oberkörper, Achseln und Leiste ausweiten und hält in der Regel ca. 1 Woche an. Im Anschluss kommt es zu einer typischen Schuppung an Handflächen und Fußsohlen. Häufig ist auch die Zunge betroffen, die durch ihr charakteristisches Aussehen als „Himbeerzunge" beschrieben wird.

Ursachen

Bei Scharlach wird eine Immunreaktion im Körper ausgelöst. Die Bakterien sondern ein Gift ab, worauf der Körper mit einer Entzündungsreaktion und einer erhöhten Durchblutung der Haut reagiert. Dadurch entsteht der typische Hautausschlag.

Die Ansteckung erfolgt über die sog. Tröpfcheninfektion. Beim Sprechen, Husten oder Niesen gelangen die Erreger über kleinste Speicheltröpfchen in die Luft. Nach Kontakt mit dem Erreger dauert es etwa 1–3 Tage, bis die Erkrankung ausbricht. Mit Ausbruch der Erkrankung ist ist die betroffene Person für ihre Umwelt ansteckend. Ohne Antibiotikatherapie erstreckt sich die Ansteckungsgefahr über einen Zeitraum von ca. 3 Wochen. Wer Antibiotika nimmt, ist nach 24 Stunden ab der ersten Einnahme nicht mehr ansteckend.

Diagnostik

Der Verlauf mit Mandelentzündung, Fieber und rotem Ausschlag ist typisch. Die Diagnose kann dadurch in den meisten Fällen mit Sicherheit ohne weitere Untersuchungen gestellt werden. Bei Unsicherheit und leichten oder untypischen Verläufen können über einen Rachenabstrich mit einem Schnelltest Streptokokken nachgewiesen werden.

Therapie

Klassischer Scharlach soll behandelt werden, um Folgekomplikationen zu vermeiden und die Schwere der Krankheit zu mildern. Durch eine Therapie mit einem Antibiotikum (z. B. Penicillin) für 5–7 Tage werden die Bakterien abgetötet. Bei einer Penicillinallergie können andere Antibiotika verwendet werden. Eine Antibiotikabehandlung kann bei sehr leichten Verläufen abgewogen werden.

Um die Symptome zu lindern, können Schmerzmittel oder Lutschtabletten genommen werden.

24 Stunden nach Therapiebeginn besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Dann kann das Kind wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, wenn es der Allgemeinzustand zulässt und das Kind kein Fieber hat. Ohne antibiotische Behandlung besteht eine Ansteckungsgefahr über einen Zeitraum von bis zu 3 Wochen.

Prognose

Die Rachenentzündung geht in der Regel wenige Tage nach Beginn der Therapie zurück und ist nach einer Woche vollständig abgeklungen. Auch der Ausschlag verschwindet innerhalb einer Woche. Typischerweise kommt es 1–2 Wochen nach Beginn der Krankheit zu einer Abschuppung der Haut an Händen und Füßen.

Da Scharlach durch verschiedene Streptokokkenstämme verursacht wird, können Kinder mehrfach erkranken.

Die Rachenentzündung kann sich in Ausnahmefällen zu einem Mandelabszess entwickeln. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass die Therapie nicht anschlägt und es zu starken Halsschmerzen und Problemen beim Öffnen des Mundes kommt. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand, sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden. Die Therapie muss in diesem Fall intensiviert werden. Ggf. erfolgen die Einweisung in ein Krankenhaus und die intravenöse Gabe von Antibiotika. Eventuell muss der Abszess chirurgisch eröffnet werden.

Eine Nierenschädigung nach einer Streptokokkeninfektion ist heutzutage sehr selten geworden.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover