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Windpocken

Windpocken sind eine hochansteckende Kinderkrankheit. Die Infektion mit dem sog. Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht einen juckenden Hautausschlag mit Bläschen am ganzen Körper.

Zuletzt überarbeitet:



Was sind Windpocken?

Windpocken werden durch das weltweit verbreitete Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die mit einem juckenden, blasigen Hautausschlag einhergeht, der oft von Fieber und Abgeschlagenheit begleitet wird.

Die Diagnose wird auf der Grundlage der Krankheitsgeschichte und der Symptome gestellt. Im Wesentlichen sind die Windpocken eine Kinderkrankheit, die ungeimpfte Kinder befällt. Bei Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf meist schwerer und häufiger durch Komplikationen gekennzeichnet, vor allem in der Schwangerschaft.

Definition

  • Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV), humanes Herpesvirus 3
  • Die Virusinfektion kann sich durch 2 verschiedene Erkrankungen äußern:
    1. Windpocken bei Erstinfektion
    2. Gürtelrose (Zoster), bei Reaktivierung des Virus im Körper.

Symptome

 

 

  • Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) liegt im Bereich von 8–21 Tagen, überwiegend jedoch bei 14–16 Tagen.
  • Zu Beginn Fieber, Unwohlsein und Kopfschmerzen für 1–2 Tage
  • Anschließend juckender Ausschlag und Fieber für 3–5 Tage
    • Das Fieber ist selten über 39 °C.
    • Ausschlag
      • erst fleckig-knotig, dann Bläschen und Schorf (Läsionen)
      • Innerhalb von 1–5 Tagen werden neue Läsionen gebildet, sodass alle Entwicklungsphasen des Ausschlags gleichzeitig vorliegen können.
      • Der Hautausschlag beginnt am Rumpf und im Gesicht und kann schnell auf andere Körperteile unter Einbeziehung der Schleimhäute und der behaarten Kopfhaut übergreifen.
      • im Durchschnitt 250–500 einzelne Läsionen
      • Die Krusten fallen nach 7–14 Tagen ab und hinterlassen oft einen hellen Hautbereich , der über mehrere Monate andauern kann und manchmal bleibende Narben hinterlässt.

Ursachen

  • Das Varizella-Zoster-Virus zählt zur Familie der Herpesviren.
  • Das Virus verbreitet sich durch Tröpfchen und Aerosole aus dem Nasenrachenraum ab 2 Tage vor Auftreten des Hautausschlags.
  • Die Ansteckungsgefahr besteht, solange neue Blasen auftreten, und endet, wenn alle Blasen einen Schorf gebildet haben. In der Regel dauert dies 3–7 Tage.
  • Übertragung durch Tröpfcheninfektion
    • Durch Einatmen von infektiösen Partikeln, die z. T. auch in mehreren Metern Entfernung zur Ansteckung führen können.
  • Übertragung durch Schmierinfektion
    • Bläscheninhalt, Speichen und Augenflüssigkeit sind infektiös.

Häufigkeit

  • In Deutschland erkranken jährlich ca. 25 Einw. pro 100.000
    • 70 % der gemeldeten Erkrankungen betreffen Kinder von 0–9 Jahren.
  • Durchseuchung in Deutschland: Kinder (2–3 Jahre) 34 %, Kinder (4–5 Jahre) 63 %, Kinder (10–11 Jahre) 94 %, Erwachsene (≥ 40 Jahre) > 99 %, Frauen (gebärfähiges Alter) 96 %

Untersuchungen

  • Die Diagnose wird auf der Grundlage der Krankheitsgeschichte und der Symptome gestellt. Zusätzliche Untersuchungen sind selten notwendig.
  • Bei Unsicherheit kann das Virus in Bläschenflüssigkeit, Blut, Nervenwasser oder Probenmaterial aus den unteren Atemwegen nachgewiesen werden.

Behandlung

  • Die Erkrankung geht in den meisten Fällen von selbst vorüber.
    • Kinder und Jugendliche, die ansonsten gesund sind, benötigen in der Regel keine Medikamente zur Bekämpfung des Virus. Für Personen mit geschwächtem Immunsystem wird eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten empfohlen (Aciclovir), möglichst innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags.
    • Die antivirale Therapie (z. B. mit Aciclovir) ist bei Betroffenen mit Komplikationen indiziert:
  • Wenn schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente erforderlich sind, wird Paracetamol empfohlen. Ibuprofen und Aspirin sollten nicht eingenommen werden.
  • Eine sorgfältige Hautpflege kann einer Infektion der Hautbläschen vorbeugen.
    • tägliches Baden
    • Verbände
    • juckreizlindernde Medikamente

Was können Sie selbst tun?

  • Stecken Sie keine weiteren Personen an.
    • Bleiben Sie zuhause, bis das Fieber abgeklungen ist.
    • Vermeiden Sie Kontakt zu ungeimpften Personen, zu Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und zu Schwangeren.
    • Erkrankte Personen dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten nicht besuchen, bis nach ärzlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit ausgeschlossen wurde.
    • Im häuslichen Umfeld sind in der Regel keine speziellen Maßnahmen für Betroffene und Kontaktpersonen notwendig.
  • Hautpflege und eine Behandlung der Läsionen mit Zinksalbe und ggf. Antiseptika zur Vermeidung einer bakteriellen Infektion

Prognose

 

 

  • Die Prognose ist in den allermeisten Fällen gut.
  • Die Erkrankung hat in der Regel einen milden Verlauf und heilt ohne weitere Maßnahmen aus.
  • Eine Lungenentzündung ist bei Erwachsenen die häufigste Komplikation.
  • Die Reaktivierung der Viruszellen im Körper kann eine Gürtelrose (Herpes zoster) verursachen.
    • Nach durchgemachten Windpocken verbleiben einige Viren im Körper, genauer gesagt in Nervenzellen, die vom Rückenmark ausgehen. Dort verbleiben die Viren in einer inaktiven Form. Viele Jahre später können sie wieder aktiv werden. Dann treten sie aus den Nervenzellen aus und verursachen einen schmerzhaften Ausschlag mit kleinen Blasen, der Gürtelrose (Herpes zoster) genannt wird.
  • Immungeschwächte Patient*innen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
  • Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen, die die Windpocken bereits hatten, erneut angesteckt werden.
    • Bei einem gesunden Immunsystem ist dies jedoch sehr selten.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Ständige Impfkommission. Empfehlungen zur Varizellen-Impfung. Berlin, Rober Koch-Institut 2016.www.rki.de  

  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Windpocken-Impfung bei Kindern. Köln, BZgA o.D., Zugriff: 17.8.2016.www.impfen-info.de