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Angeborene Hüftgelenksdysplasie

Hüftdysplasie ist ein Oberbegriff für verschiedene Fehlbildungen der Hüfte und umfasst bei Säuglingen sowohl die Instabilität als auch die Ausrenkung (Luxation) des Hüftgelenks.

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Was ist eine Hüftgelenksdysplasie?

Hüftgelenksdysplasie ist ein Oberbegriff für verschiedene Fehlbildungen der Hüfte und umfasst bei Säuglingen sowohl die Instabilität als auch die Ausrenkung (Luxation) des Hüftgelenks. Die Fehlbildung ist normalerweise angeboren, kann sich aber auch noch nach der Geburt entwickeln. Beim Hüftgelenk handelt es sich um ein Kugelgelenk: Dabei liegt der kugelige Hüftkopf (Caput femoris) in einer Vertiefung im Becken, die als Hüftpfanne (Azetabulum) bezeichnet wird. Bei Kindern mit Hüftdysplasie ist diese Vertiefung zu flach und die Gelenkkapsel zu weich. Dadurch wird das Gelenk instabil, und der Hüftkopf am Oberschenkelknochen kann aus der Hüftpfanne rutschen (luxieren).

Von 1.000 Geburten kommt etwa 1 Kind mit einer Hüftgelenksdysplasie zur Welt. In manchen Fällen entwickelt sich die Fehlbildung erst nach der Geburt, sodass 1,7 von 1.000 Kindern betroffen sind. Bei Mädchen tritt die Hüftdysplasie 4-mal häufiger auf als bei Jungen.

Ursache

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine meist angeborene Fehlstellung der Hüfte, die familiär gehäuft auftritt und vererbt wird. Die linke Seite der Hüfte ist häufiger betroffen.

Weiterhin kommt die Fehlbildung bei Kindern, die in Beckenendlage geboren werden, häufiger vor. Die mechanische Belastung hierbei kann zu einer Hüftgelenksdysplasie führen. Ob ein Kind in Beckenendlage durch vaginale Geburt oder Kaiserschnitt zur Welt kommt, wirkt sich dagegen nicht auf die Anfälligkeit für eine solche Fehlstellung aus. Auch bei Frühgeborenen und Erstgeborenen ist die Häufigkeit höher. Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen. Weitere Risikofaktoren sind Fruchtwassermangel in der Schwangerschaft und ein hohes Geburtsgewicht.

Diagnostik

Alle Neugeborenen werden in den ersten Tagen nach der Geburt ärztlich untersucht. Dabei wird auch geprüft, ob das Hüftgelenk des Kindes instabil oder leicht ausrenkbar ist. In der 4.–6. Lebenswoche wird die Hüfte im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchung U3 mit Ultraschall untersucht. Im Ultraschall ist erkennbar, ob das Hüftgelenk eine Instabilität oder anatomische Abweichungen aufweist.

In seltenen Fällen wird die Hüftgelenksdysplasie erst zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt. Betroffene Kinder haben häufig Schwierigkeiten beim Gehen. Um dies nach Möglichkeit auszuschließen, werden die Hüftgelenke im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen mehrfach routinemäßig untersucht. Der wichtigste Hinweis auf eine Hüftdysplasie ist die eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenks. Ab einem Alter von 9 Monaten ist eine Röntgenuntersuchung des Hüftgelenks die beste Methode zur Feststellung eines Hüftfehlers.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist, das Hüftgelenk so zu stabilisieren, dass es sich normal entwickelt. Dazu sollte die Behandlung so früh wie möglich begonnen werden.

Wenn die Erkrankung während der ersten Lebenswochen erkannt wird, wird sie meist für 6–12 Wochen mit einer speziellen Hüftschiene oder -bandage behandelt, die die Beine in einer abgespreizten Stellung hält. Durch diese Maßnahme soll der Hüftkopf weit innen in der Hüftpfanne zentriert werden. Die Hüftpfanne passt sich dann mit zunehmendem Wachstum dem Hüftkopf an, wodurch die Hüftgelenksdysplasie behoben wird. Die Schiene sollte so lange getragen werden, bis sich bei einer Kontrolluntersuchung im Ultraschall kein Hinweis auf eine Instabilität mehr zeigt. In fast allen Fällen normalisieren sich die Hüftgelenke durch diese Behandlung.

Wenn die Hüftgelenksdysplasie erst im Alter zwischen 6 und 18 Monaten festgestellt wird, ist eine Korrektur in kleineren Schritten erforderlich. Mit einem Streckverband über 2–3 Wochen können verkürzte Muskeln gedehnt werden. Danach wird die Hüfte für 4–6 Monate in einem Gips fixiert. Der Gips wird alle 6 Wochen gewechselt. Auch hier ist der Erfolg der Behandlung umso größer, je früher damit begonnen wird.

Bei einigen wenigen Kindern ist zur Behebung der Hüftgelenksdysplasie eine Operation erforderlich. Dies ist vor allem bei einer späten Diagnose im Alter von über 24 Monaten der Fall.

Prognose

Wenn eine Instabilität bzw. Ausrenkung des Hüftgelenks bereits in den ersten Lebenswochen erkannt und frühzeitig behandelt wird, ist die Prognose sehr gut. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass der Normalzustand der Hüfte hergestellt werden kann und zeitlebens erhalten bleibt.

Bei später festgestellten Fällen hängt die Prognose vom Zeitpunkt der Diagnose bzw. des Therapiebeginns ab. Je später die Fehlbildung erkannt wird, desto größer ist das Risiko einer bleibenden Hüftdysplasie, die auch im Erwachsenenalter Beschwerden verursacht, u. a. durch vorzeitigen Verschleiß der Hüftgelenke (Hüftgelenksarthrose).

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Illustrationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden