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Hinken bei Kindern

Ein Hinken wird am häufigsten durch Schmerzen verursacht, die in relativ kurzer Zeit aufgetreten sind. Aber auch eine Muskelschwäche oder Knochendeformation kann die Gangstörung auslösen.

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Was ist Hinken?

Wer hinkt, mindert die Belastung eines Beins, indem die Dauer der Belastung verkürzt und die Dauer der Vorwärtsbewegung des Beins ausgedehnt wird. Ein Hinken wird am häufigsten durch Schmerzen verursacht, die in relativ kurzer Zeit aufgetreten sind. Schmerzen sind aber nicht die einzige mögliche Ursache des Hinkens. Auch eine Muskelschwäche oder Knochendeformation kann die Gangstörung auslösen.

Hinken bei Kindern

Die Entwicklung eines normalen und stabilen Gangs ist erst nach dem 7. Lebensjahr abgeschlossen. Ein Hinken bei Kindern hat in den allermeisten Fällen eine vorübergehende und harmlose Ursache. Manchmal kann das Hinken eines Kindes aber auch mit einer Erkrankung zusammenhängen, die eine rasche Behandlung erfordert. Ein Hinken kann auf verschiedene Körperregionen zurückgehen: Mögliche Ursprungsorte sind Rücken, Becken, Hüft-, Knie- und andere Gelenke der Beine sowie die Muskulatur. Mögliche Ursachen sind Verletzungen, Infektionen, Entzündungen, angeborene Fehlbildungen, Schäden an Nerven und Muskeln, Tumoren und Entwicklungsstörungen. Im Einzelfall gestaltet sich die Suche nach der Ursache oft schwierig. Dies gilt besonders für Ursachen, die das Hüftgelenk betreffen, aber Schmerzen in Oberschenkeln und Knien verursachen.

Wachstumsschmerzen treten vorrangig nachts in beiden Beinen auf. Sie führen nicht dazu, dass das Kind hinkt, und sie betreffen nicht die Gelenke.

Wichtige Ursachen des Hinkens bei Kindern

Bei einigen der nachfolgend aufgeführten Erkrankungen ist eine rasche Behandlung erforderlich. Wenn ein Kind aus ungeklärter Ursache hinkt, ist daher unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.

Altersgruppe 0–3 Jahre

  • Unterschenkelbruch
    • Tritt häufig bei Kleinkindern auf, die schon zu laufen angefangen haben, aber noch wackelig auf den Beinen sind.
    • Wenn das Kind hinfällt oder der Unterschenkel verdreht wird, kann es im unteren Bereich des Schienbeins zum Bruch kommen.
    • Kurz nach einem solchen Vorfall beginnt das Kind zu hinken oder tritt mit dem betroffenen Bein nicht mehr auf.
  • Hüftgelenksdysplasie
    • Eine Hüftgelenksdysplasie wird in der Regel im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen im Neugeborenenalter festgestellt und kommt daher darüber hinaus relativ selten vor.
    • Symptome sind eine verzögerte Entwicklung des Laufenlernens, schmerzfreies Hinken und ein Absinken der Hüfte auf der gesunden Seite.
  • Beinlängendifferenz
    • Die Beinlängendifferenz ist eine relativ häufige Fehlbildung.
    • Sie kann durch einen tatsächlichen Unterschied der Beinlängen oder durch eine Schiefstellung des Beckens oder der Wirbelsäule verursacht sein.

Altersgruppe 3–10 Jahre

  • Hüftgelenksentzündung (seröse Coxitis, Coxitis fugax)
    • Die Erkrankung kommt relativ häufig vor und heilt innerhalb von 7–14 Tagen aus.
    • Hierbei zieht eine Virusinfektion im Körper eine vorübergehende Entzündung des Hüftgelenks nach sich.
    • Das Kind beginnt häufig von einem auf den anderen Tag zu hinken und klagt über Schmerzen in einem Bein. Die Hüfte ist in der Regel beweglich, aber steifer als auf der gesunden Seite.
    • Der Allgemeinzustand ist gut, evtl. kann leichtes Fieber auftreten.
  • Perthes-Krankheit
    • Die Erkrankung tritt vorrangig bei Jungen im Alter von 5–10 Jahren auf.
    • Am Hüftkopf kommt es infolge vorübergehender Durchblutungsstörungen zum Absterben von Knochengewebe und zu Deformationen. In einem höheren Lebensalter kann die Erkrankung zu einem vermehrten Gelenkverschleiß (Arthrose) führen.
    • Symptome sind Hinken, Schmerzen in der Hüfte, auf der Innenseite des Oberschenkels und im Knie. Die Beschwerden entwickeln sich allmählich über Wochen oder Monate.
    • Eine Entlastung des betroffenen Beins mindert die Schmerzen und vermutlich auch das Risiko bleibender Schäden. Es ist wichtig, das Kind frühzeitig einem Arzt vorzustellen.
  • Kinderrheuma (juvenile idiopathische Arthritis)
    • Es handelt sich um eine chronische Gelenkentzündung im Kindesalter.
    • Die Symptome können sich langsam entwickeln und beginnen häufig im Kniegelenk.
    • Typisch sind Morgensteifigkeit und Hinken; die Schmerzen sind dagegen in der Regel weniger stark ausgeprägt.
    • Manchmal liegen zusätzlich allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Hautausschlag vor.

Kinder und Jugendliche im Alter von 10–15 Jahren

  • Epiphysiolyse (Hüftkopflösung)
    • Die Epiphysenlösung des Hüftkopfs stellt in dieser Altersgruppe die häufigste Erkrankung des Hüftgelenks dar.
    • Hierbei verschiebt sich der Hüftkopf, also das obere Endstück des Oberschenkelknochens, in der Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) auf dem Schenkelhals.
    • Die Erkrankung tritt häufig in Form allmählich zunehmender Schmerzen in der Hüfte, dem Oberschenkel oder dem Knie auf. Die Betroffenen sind häufig übergewichtig.
    • Um die Schädigung des Hüftgelenks zu begrenzen, ist eine rasche Behandlung erforderlich.
  • Morbus Osgood-Schlatter
    • Die Erkrankung tritt am häufigsten bei körperlich aktiven Jungen im Alter von 10–15 Jahren infolge von Überlastung auf.
    • Es handelt sich um eine Reizung des Ansatzes der Kniescheibensehne (Patellasehne), der sich unterhalb der Kniescheibe am Schienbein befindet.
  • Patellofemorales Schmerzsyndrom
    • Die Erkrankung tritt sehr häufig auf, insbesondere bei sportlich aktiven Jugendlichen und Läufern zwischen 40 und 50 Jahren.
    • Dabei treten Schmerzen im vorderen Knie, Steifigkeit, gelegentlich Gelenkblockaden und Schwächegefühl auf. Die Schmerzen bestehen insbesondere beim Hinauf- und Hinabgehen von Treppen oder Anstiegen, beim Hocken und beim Aufstehen nach langem Sitzen.
  • Spondylolyse und Spondylolisthesis (Gleitwirbel)
    • Die Spondylolyse ist ein Defekt des Wirbelbogens, der angeboren sein oder infolge eines Ermüdungsbruchs auftreten kann.
    • Die Erkrankung tritt vor allem bei Jugendlichen auf, die Sportarten treiben, bei denen die Wirbelsäule überstreckt oder verdreht wird, z. B. Turnen, Stabhochsprung, Wurfsportarten oder Handball.
    • Dabei treten Schmerzen im unteren Rücken auf, die in die Gesäßmuskulatur und den Oberschenkel ausstrahlen.
    • Ein Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) tritt in 30–80 % der Fälle auf.
  • Beschwerden infolge von Überbeanspruchung
    • Bei Kindern, die häufig einseitige Bewegungsmuster ausführen, stellt auch die Sehnenscheidenentzündung keine Seltenheit dar.

Kinder aller Altersgruppen

  • Bakterielle Gelenkentzündung (septische Arthritis)
    • Relativ seltene Erkrankung, bei der das Kind nicht gehen kann und einen schlechten Allgemeinzustand mit Fieber zeigt.
    • Ursache ist eine bakterielle Infektion des Gelenks. Am häufigsten ist das Hüftgelenk betroffen, danach folgt das Kniegelenk.
    • Damit es nicht zu einer bleibenden Schädigung des Gelenks kommt, ist eine rasche Behandlung im Krankenhaus erforderlich.
  • Knochenentzündung (Osteomyelitis)
    • Die Osteomyelitis ist eine akute Erkrankung mit Fieber, Schüttelfrost, Beeinträchtigung des Allgemeinzustands und Knochenschmerzen.
    • Ursache ist eine bakterielle Infektion der Knochen.
    • Die Erkrankung erfordert eine Antibiotikatherapie im Krankenhaus und häufig auch einen chirurgischen Eingriff (z. B. Drainage).
  • Ermüdungsbruch
    • Ein Ermüdungsbruch tritt insbesondere bei sportlich aktiven Jungen und Mädchen auf.
    • Ermüdungsbrüche betreffen häufig die Beine und sind die Folge hoher, lang anhaltender und wiederholter Belastungen, z. B. beim Lauftraining.
    • Hierbei treten relativ plötzlich und ohne vorangegangene Verletzung starke Schmerzen auf, die bei Belastung noch zunehmen.
  • Zerebralparese
    • Zerebralparese ist ein Oberbegriff für eine Reihe motorischer Behinderungen infolge einer Schädigung des Gehirns während der Zeit seiner Entwicklung.
    • Die Erkrankung tritt bei etwa 1,8 von 1.000 Kindern auf.
    • Mit Ausnahme sehr leichter Verläufe wird die Erkrankung in der Regel im Alter von 12–18 Monaten festgestellt.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

Bei einem plötzlich auftretenden Hinken ohne erkennbare Ursache sollten Sie mit Ihrem Kind so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt befragt Sie ausführlich zu den Beschwerden und der Krankengeschichte. Machen Sie sich daher bereits im Vorfeld Gedanken zu den folgenden Fragen:

  • Beginn
    • Wie und wann haben die Beschwerden angefangen?
    • Verspürt das Kind Schmerzen in bestimmten Gelenken, in Muskeln oder in der Wirbelsäule?
    • Sind die Gelenke oder Muskeln steif?
  • Verlauf der Erkrankung
    • Hat der Zustand Ihres Kindes sich verschlechtert, verbessert oder nicht verändert?
    • Wann sind die Schmerzen am stärksten ausgeprägt?
    • Was verbessert oder verstärkt die Schmerzen?
  • Lokalisierung der Schmerzen
    • Ein älteres Kind kann Ihnen sagen, wo es weh tut, aber grundsätzlich kann auch eine Schmerzübertragung vorliegen. Ein typisches Beispiel für übertragene Schmerzen sind Schmerzen im Knie, die jedoch in der Hüfte verursacht werden.
    • Robbt oder krabbelt Ihr Kleinkind lieber oder lässt es sich vermehrt von den Eltern tragen?
  • Allgemeine Krankheitssymptome
    • Hat das Kind Fieber?
    • Liegen weitere allgemeine Beschwerden vor?
  • War Ihr Kind kürzlich von anderen Erkrankungen betroffen, z. B. Infektionen der oberen Atemwege?
  • Familienanamnese
    • Kommen in der Familie vererbbare rheumatische oder neuromuskuläre Erkrankungen vor?
  • Ist die motorische Entwicklung verzögert?

Körperliche Untersuchung

  • In der Arztpraxis werden Rücken, Beine und Füße gründlich untersucht.
  • Der Gang Ihres Kindes wird beobachtet.
  • Der Arzt tastet die Gelenke ab und untersucht ihre Beweglichkeit.
  • In einer neurologischen Untersuchung werden Reflexe, Kraft und Sensibilität im Seitenvergleich überprüft.

Weitere Untersuchungen

  • Eventuell wird eine Blutuntersuchung veranlasst.
  • In der Regel findet eine Röntgenuntersuchung statt. Eventuell kommen auch andere bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Überweisung an einen Facharzt

  • Bei unsicherer Diagnose oder wenn die Erkrankung eine fachärztliche Behandlung erfordert, wird das Kind an einen Facharzt, z. B. Kinderorthopäden, überwiesen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden