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Fieberkrämpfe bei Kindern

Fieberkrämpfe sind zerebrale Krampfanfälle bei Kindern im Alter zwischen einem halben und 5 Jahren, die in Assoziation mit fieberhaften Infekten auftreten, ohne dass krampfauslösenden Ursachen wie z. B. eine Hirnhautinfektion nachgewiesen werden können.

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Was sind Fieberkrämpfe?

Bei Fieberkrämpfen handelt es sich um Krampfanfälle, die bei Kindern zwischen zirka einem halben und 5 Jahren im Zusammenhang mit Fieber oder fieberhaften Infekten auftreten, ohne, dass eine Infektion des Gehirns oder hirnumgebender Strukturen (z. B. Hirnhäute) oder andere krampfauslösende Ursachen nachgewiesen werden können. Das Gehirn entlädt sich dabei synchron, was zum Anspannen mit anschließenden Zuckungen des Körpers und Bewusstseinsverlust führen kann. Diese Anfallsart wird als generalisiert tonisch-klonisch oder Grand-Mal bezeichnet. Fieberkrämpfe können aber auch ohne Zuckungen verlaufen. Sie treten meist im Fieberanstieg auf und dauern in der Regel 2–3 Minuten. Bei Krampfanfällen mit einer Dauer über 15 Minuten, mehreren Anfällen innerhalb von 24 Stunden sowie Muskelzuckungen oder Gefühlsstörungen, die z. B. einseitig auftreten oder auf ein bestimmtes Körperteil begrenzt sind (fokale Anfälle), spricht man von komplizierten Fieberkrämpfen. Die meisten Fieberkrämpfe verlaufen allerdings unkompliziert.

Etwa 3 % aller Kinder erleiden bis zum 7. Lebensjahr einen Fieberkrampf. Fieberkrämpfe werden durch eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren verursacht. Der genaue Mechanismus ist allerdings nicht bekannt.

Diagnostik

Die Diagnose kann anhand der typischen Krankengeschichte mit Fieber/erhöhter Temperatur und gleichzeitigen Krämpfen gestellt werden. Fieberkrämpfe sind in der Regel harmlos, sehen aber beängstigend aus. In solchen Situation fällt es den Eltern oft schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dennoch wird empfohlen, sich während des Krampfanfalls die Zeit zu nehmen, den Anfall zu beobachten: Achten Sie besonders darauf, ob Zuckungen sowohl in den Armen als auch in den Beinen auftreten und ob Zuckungen auf einer oder beiden Körperseiten auftreten.

Bei der körperlichen Untersuchung durch die Ärzte wird neben der Temperaturmessung auf Anzeichen einer Hirnhautentzündung oder anderer schwerer Erkrankung geachtet. Blutuntersuchungen oder andere Tests sind bei einem Fieberkrampf oft nicht erforderlich, wenn keine Anzeichen für eine schwere Erkrankung vorliegen.

In manchen Fällen kann es hilfreich sein, ein EEG (Darstellung der elektrischen Aktivität im Gehirn) zu schreiben. Dies trifft z. B. auf die Fälle zu, in denen nicht sicher ist, ob es sich um einen Anfall im Rahmen einer Epilepsie oder im Rahmen eines Fieberkrampfes handelt.

Therapie

Während eines Anfalls

  • Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren, auch, wenn dies schwer fällt. Beobachten Sie das Kind.
  • Legen Sie das Kind auf die Seite, sodass Speichel oder Schleim aus dem Mund abfließen können, und vermeiden Sie, dass sich das Kind während eines Anfalls verletzt.
  • Halten Sie das Kind durch eine möglichst leichte Bekleidung kühl. Decken Sie das Kind auf, senken Sie die Raumtemperatur oder sorgen Sie mit einem feuchten Waschlappen für Abkühlung (dies gilt allgemein bei Kindern mit Fieber, nicht nur, wenn das Kind einen Fieberkrampf hat).
  • Wenn der Krampf vorüber ist, können Sie die Gabe eines fiebersenkenden Medikaments in Erwägung ziehen. Es ist nicht erwiesen, dass die Anwendung von fiebersenkenden Medikamenten das Risiko für weitere Anfälle senken kann. Die Gabe eines fiebersenkenden Mittels sollte vom Allgemeinzustand des Kindes abhängig gemacht werden.
  • Wenn bereits in der Vorgeschichte unkomplizierte Fieberkrämpfe aufgetreten sind, können Sie in Absprache mit den behandelnden Ärzten bei einem erneuten Fieberkrampf, der mehr als 5 Minuten anhält, ggf. Diazepam oder ein anderes Medikament geben. Dieses wird in der Regel rektal, das heißt in den Mastdarm, verabreicht. Lassen Sie sich die richtige Anwendungsweise von den Ärzten erklären.

Nach dem Anfall

Da Fieberkrämpfe in der Regel von den Eltern als sehr bedrohlich wahrgenommen werden, erfolgt meist entweder die Anforderung des Rettungsdienstes oder die direkte Vorstellung beim Arzt sowie im Krankenhaus, wo die Abklärung des Anfalls erfolgt. Ggf. wird von den behandelnden Ärzten ein Medikament verschrieben, um lang andauernde Anfälle bei erneutem Auftreten zu durchbrechen (siehe oben).

Prognose

Der eigentliche Fieberkrampf ist in der Regel nicht gefährlich für das Kind. Es kann aber im Zusammenhang mit dem Fieberkrampf zu Stürzen und anderen Verletzungen kommen. Bei bis zu 50 % der Kinder treten bei späteren Fieberepisoden erneut Fieberkrämpfe auf. 

Die Prognose ist gut. Die Sterblichkeit ist bei Kindern mit Fieberkrämpfen nicht erhöht. Etwa 3–4 % der Kinder mit Fieberkrämpfen erkranken später an einer Epilepsie. Das Risiko für eine spätere Epilepsie ist erhöht, wenn die Anfälle länger als 10 Minuten dauern, nur einseitig auftreten oder ein Körperteil betreffen, mehrmals innerhalb von 24 Stunden auftreten sowie eine Häufung für Epilepsie in der Familie vorliegt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim