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Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern

Die häufigsten Schlafprobleme bei Kindern unter drei Jahren sind Einschlafprobleme und/oder mehrmaliges Aufwachen in der Nacht mit Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen.

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Kinder durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen. Jedes Kind hat dabei seine eigenen Schlafgewohnheiten. Nicht selten kommt es zumindest zeitweilig vor, dass Kinder Schlafprobleme entwickeln. Oftmals sind Eltern dann verunsichert und wissen nicht, wie sie vorgehen sollen.

Was sind altersentsprechende Schlafgewohnheiten?

Wie viel ein Kind schläft, ist individuell verschieden. Die Schwankungsbreite ist groß. Bei Säuglingen kann die normale Schlafdauer zwischen 16 und 19 Stunden am Tag liegen.

Allgemein gilt, dass Säuglinge und Kleinkinder bis ins Alter von etwa 5 Jahren regelmäßig aufwachen. Dies liegt mitunter am Wechsel der Schlafphasen. Das Aufwachen ist dann meist eine Orientierungsreaktion und bedeutet nicht unbedingt, dass Hunger oder andere Probleme vorliegen. Die Reaktion der Eltern ist in diesem Fall entscheidend für die Reaktion der Kinder.

Null bis sechs Monate

Der Schlafbedarf beträgt etwa 16–18 Stunden am Tag, meist in Perioden von 2–4 Stunden. Die meisten Säuglinge schlafen tagsüber mehrmals. Es besteht kein fester biologischer Rhythmus. Dieser wird vor allem durch die Nahrungsaufnahme bestimmt. Ein bis zwei Mahlzeiten pro Nacht sind in der Regel normal. Erst im Alter von 3–4 Monaten passt sich der Schlafrhythmus an den Tag-Nacht-Rhythmus der Eltern an. Einige Neugeborene schreien in dieser Phase übermäßig viel. Meist liegt dafür kein eindeutig erkennbarer Grund vor. Eine mögliche Ursache können z. B. Säuglingskoliken sein.

70 % der Säuglinge schlafen mit 3 Monaten, 90 % mit 5 Monaten allein im Bettchen ein und finden bei nächtlichem Erwachen selbst in den Schlaf.

Sechs bis zwölf Monate

Im ersten Lebenshalbjahr entwickelt sich im Verlauf meist eine durchgehende nächtliche Schlafdauer von ca. 6 Stunden. Üblicherweise schläft das Kind weiterhin zusätzlich einige Male im Laufe des Tages. Bis zum ersten Geburtstag sind die meisten Kinder in der Lage, durchzuschlafen. Die Schlafmenge nimmt insgesamt ab. In der Regel benötigen über 6 Monate alte Säuglinge nachts keine zusätzliche Nahrung mehr.

Im 2. Lebenshalbjahr kommt es im Rahmen größerer Entwicklungsschübe häufig zu vorübergehenden Schlafproblemen mit nächtlichem Aufwachen und Schreien, die die Vermittlung von Geborgenheit und Nähe zu vertrauten Personen erfordern.

Ein bis drei Jahre

Der Schlafbedarf verringert sich auf ca. 11–14 Stunden. Viele Kinder halten einen Mittagsschlaf, der im dritten oder vierten Lebensjahr meist aufgegeben wird.

Konflikte und Störungen beim Zubettgehen und Durchschlafen treten typischerweise im 2. Lebensjahr sowie im 3.–4. Lebensjahr auf. Dies liegt daran, dass sich im 2. Lebensjahr zunehmend die Selbstständigkeit des Kindes entwickelt und Grenzen ausgetestet werden, z. B. durch Weigerung, ins Bett zu gehen. Im 3.–4. Lebensjahr haben Kinder eine ausgeprägte Fantasie und träumen intensiv, weshalb es öfter zu Albträumen kommen kann oder Furcht vor der Dunkelheit entsteht, was das Einschlafen erschwert.

Maßnahmen gegen Schlafprobleme

Einige Maßnahmen können helfen, um Ein- und Durchschlafprobleme zu verringern und die Entstehung einer dauerhaften (chronischen) Schlafstörung zu vermeiden. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Einführung eines guten Schlaf-Wach-Rhythmus, einer festen Alltagsstruktur sowie einer individuellen und altersentsprechenden Schlafhygiene.

Säuglinge

Säuglinge haben noch keinen festen Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser entwickelt sich erst im Verlauf durch einen regelmäßigen Tagesablauf. Stillen  kann helfen, den Rhythmus zu festigen. Als Tipp kann z. B. die letzte Abendmahlzeit immer zur gleichen Zeit angeboten werden. Beim nächtlichen Stillen sollten Sie möglichst kein helles Licht anschalten und eine ruhige Atmosphäre beibehalten. Gleiches gilt für nächtliches Windeln wechseln. Evtl. besteht auch gar kein Hunger. Sie können zunächst abwarten, ob das Kind von alleine wieder einschläft, ohne es an die Brust anzulegen.

Folgende Maßnahmen, damit Säuglinge ruhig und geborgen schlafen können, werden empfohlen:

  • Schlafen im eigenen Bettchen
  • Aufstellen des Bettchens im Zimmer der Eltern
  • Rückenlage
  • Harte Matratze, die das Einsinken verhindert
  • Babyschlafsack statt Zudecke
  • Keine Kissen, Kuscheltiere oder anderen Gegenstände im Bett (wegen des Greifreflexes ist es möglich, dass sich Kinder die Gegenstände während der Nacht ins Gesicht ziehen und die Atemwege blockieren)
  • Rauchfreie Umgebung
  • Temperatur ca. 18 °C.

Diese Maßnahmen wirken auch dem plötzlichen Kindstod entgegen.

Schlafhygiene bei Kleinkindern und größeren Kindern

Für eine gute Schlafhygiene ist zunächst ein strukturierter Tagesablauf mit geregelten Einschlaf- und Aufstehzeiten von großer Bedeutung. Tagsüber sollte sich das Kind viel an der frischen Luft bewegen und durch Spiele angeregt werden. Gegen Abend sollte das Aktivitätsniveau verringert werden, z. B. durch kuscheln oder vorlesen. Aufregende Aktivitäten wie Sport, Fernsehen oder Computerspiele behindern die Entspannung und sollten vermieden werden. Nach dem Abendessen sollte genügend Zeit zum Verdauen sein. In der Regel ist leichte Kost abends besser geeignet. Auf koffeinhalte Getränke sollte generell bei Kindern verzichtet werden. Ins Bett zu gehen sollte den Kindern Spaß machen und nicht mit Zwang oder Strafe verbunden sein. Außerdem sollte das Kind ausreichend müde und nicht übermüdet sein. Achten Sie auf Zeichen wie Augenreiben, Gähnen oder Gereiztheit beim Spielen. Zum Mittagsschlaf sollten mindestens 4 Stunden Abstand sein.

Das Bett ist allein zum Schlafen gedacht. Andere Aktivitäten sollten nicht im Bett stattfinden, wie Lesen, Spielen, Fernsehen oder Herumtoben. Ein festes Einschlafritual  kann dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Je nach Alter kann z. B. vorgelesen oder ein Hörspiel angeschaltet werden. Dies kann dem Kind helfen, selbstständig in den Schlaf zu finden. Helles Licht, Lärm oder extreme Temperaturen im Kinderzimmer können den Schlaf stören. Deshalb sollte eher auf eine gedämpfte Beleuchtung zurückgegriffen werden. Vielen Kindern hilft es, wenn die Tür beim Einschlafen einen Spalt offen bleibt und die gedämpften Stimmen der Eltern beim Einschlafen zu hören sind. Bei Kleinkindern sind Einschlafhilfen sinnvoll, z. B. in Form einer Kuscheldecke, eines Kuscheltiers oder eines Schnullers. Halten Sie das Kinderzimmer in jedem Fall rauchfrei.

Wenn Säuglinge oder Kleinkinder nachts aufwachen, sollten sie nicht sofort aus dem Bett genommen werden. Beruhigende Worte oder die Wiederholung des Einschlafrituals können dem Kind helfen, zurück in den Schlaf zu finden. Kinder über 6 Monate brauchen in der Regel keine nächtlichen Mahlzeiten mehr. Deshalb sollte ab diesem Alter wenn möglich darauf verzichtet werden, nachts Essen oder Trinken anzubieten.

Weitere Informationen

Patientenratgeber zu Schlafstörungen im Kindesalter

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schlafstörungen bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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