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Anscheinend lebensbedrohliches Ereignis (ALE)

Anfälle mit Leblosigkeit und/oder Atemstillstand bei Kindern unter 12 Monaten können aufgrund einer ernsthaften Erkrankung oder ohne Anzeichen einer Erkrankung auftreten.

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Ein anscheinend lebensbedrohliches Ereignis (ALE) ist ein plötzlich einsetzender, lebensbedrohlich wirkender Zustand bei Säuglingen. Auf Englisch wird der Anfall mit „ALTE“ abgekürzt (Apparent Life-Threatening Event). Der Begriff wird auch für Kinder verwendet, die schwer krank zu sein scheinen, zum Beispiel mit Atemstillstand oder Erstickungsanfällen, ohne dass sie leblos sind. Häufig verändert sich die Hautfarbe, die Haut wird blass oder färbt sich blau oder rot. Auch die Muskelspannung verändert sich und das Kind kann schlaff oder steif wirken. Die meisten derartigen Ereignisse treten bei Kindern unter zehn Wochen auf. Für die Eltern sind derartige Anfälle eine sehr schwierige Erfahrung, und sie müssen sich an einen Arzt oder den medizinischen Notruf (112) wenden, um akute medizinische Hilfe zu erhalten.

Ursache

Ein anscheinend lebensbedrohliches Ereignis (ALE) ist Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung oder Störung, die jedoch in bis zu 50 % der Fälle unbekannt bleibt. In etwa der Hälfte der Fälle findet der Arzt eine Ursache für den Anfall. Es ist also wichtig, dass Kinder mit solchen Anfällen von einem Arzt untersucht werden, aber es ist nicht sicher, dass die Anfälle ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sind. Es scheint kein Zusammenhang zwischen ALE und plötzlichem Kindstod zu bestehen. Diese Anfälle können ein Anzeichen einer schweren Infektion oder Herzkrankheit sein, aber die häufigste Erklärung ist die Refluxkrankheit. Das Kind erbricht Mageninhalt, was den Rachen reizt und einen Verschluss der Luftröhre bewirkt, um zu verhindern, dass der Mageninhalt in die Lunge gelangt. Weitere Ursachen können Störungen des Nervensystems oder Erkrankungen der Lunge, zum Beispiel Keuchhusten, Virusinfektionen oder weicher Knorpel im hinteren Teil von Gaumen und Rachen sein. Bei Frühgeborenen ist das Risiko für anscheinend lebensbedrohliche Ereignisse höher.

Diagnose

Die meisten Anfälle dieser Art sind von kurzer Dauer und das Kind hat sich oft schon wieder erholt, wenn es vom Arzt untersucht wird. Der Arzt begutachtet, wie sich das Kind während der Untersuchung verhält, und wird von den Eltern so viele Informationen wie nur möglich über den Anfall erfragen. Wenn das Kind während der ärztlichen Untersuchung völlig gesund wirkt, geht der Anfall wahrscheinlich nicht auf eine ernsthafte Erkrankung zurück. Weiterführende Untersuchungen werden nur bei Verdacht auf eine schwere Erkrankung oder einem erhöhten Risiko für weitere ALE-Episoden empfohlen. Viele Erkrankungen, die solche Anfälle verursachen, können durch einfache Blutuntersuchungen ausgeschlossen werden. Wenn der Anfall lange andauerte oder wenn das Kind wiederbelebt werden musste, sollte das Kind immer zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingewiesen werden, um eine ausgiebige Bestandsaufnahme des Kindes zu machen. Hier wird das Kind an einen Monitor angeschlossen, der Puls, Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung im Blut überwacht.

Therapie

Bei einem akuten Ereignis werden die Patienten stimuliert und ggf. wiederbelebt. Wenn bei der Untersuchung eine zugrunde liegende Erkrankung gefunden wird, wird diese behandelt. Kindern mit erhöhtem ALE-Risiko (z. B. Atemstörungen) wird gelegentlich ein Heimmonitor verschrieben, der Herzschlag und Atmung überwacht. Das Ziel der Therapie ist, eine erneute ALE-Episode zu verhindern.

Betroffene Eltern können Wiederbelebungsmaßnahmen in Kursen erlernen.

Prognose

Nach einem anscheinend lebensbedrohlichen Ereignis sollten Kinder gründlich untersucht werden. Wenn die Ärzte eine Ursache für den Anfall finden, sollte die Grunderkrankung behandelt werden. Wenn es keine sichere Ursache für den Anfall gibt, treten erneute Anfälle nicht häufig auf. Vier Wochen nach dem Ereignis ist das Risiko für ein weiteres ALE nicht mehr erhöht. Die Bezeichnung „anscheinend lebensbedrohliches Ereignis" wurde gewählt, weil der Anfall von den Eltern als äußerst dramatisch erlebt wird. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden